Die Katastrophe als Chance

Es mag sich seltsam anhören im Kontext schwerer Katastrophen von Hoffnung und Chancen zu reden, insbesondere für die direkt betroffenen Menschen. Dennoch ist unsere Arbeit immer hierauf ausgerichtet, falls die Umstände es zulassen und ein langfristiges Engagement sinnvoll ist:

Wir stehen den Überlebenden in der unmittelbaren Phase nach einem derart schrecklichen Ereignis nicht nur konkret und persönlich zur Seite, unsere Einsatzkräfte am Ort und unser Team in der Hauptzentrale entwickeln auch Pläne für die folgenden Monate und mitunter auch Jahre.

Bei aller wichtigen Trauer über Verlust und Zerstörung wird auf diese Weise die Katastrophe zur Chance. Zur Chance auf eine gute, sichere Zukunft. In diesem Weihnachtsbrief werfen wir einen Blick zurück auf die humedica-Einsätze 2011, wie es in den Ländern weiterging und welche Projekte wir aus der Katastrophenhilfe entwickeln konnten.

Januar 2011: Erdrutsche in Brasilien

Ich schreibe Ihnen mit traurigem Herzen und Tränen in den Augen“, begann humedica-Geschäftsführer Wolfgang Groß seinen Brief an Freunde und Förderer im Januar 2011.

Mit ungeheurer Kraft rissen die Schlammmassen Häuser und Wälder mit sich. Foto: humedica/Judith Kühl

In der Nacht vom 11. auf den 12. Januar kamen durch riesige Schlammlawinen mehr als 700 Menschen in der Region um Nova Friburgo ums Leben, darunter auch mehrere Kinder aus unserem Projekt nahe der Stadt Nova Friburgo, sowie ein Sohn und eine Enkelin unserer Köchin Donna Odete.

Erstmals hat uns eine Katastrophe direkt betroffen“, schrieb Wolfgang Groß weiter, der als ausgebildeter Krankenpfleger das erste medizinische Einsatzteam persönlich begleitete.

Weil die Gebäude unseres Kinderdorfes, in dem täglich bis zu 250 Mädchen und Jungen gezielt betreut werden, wie durch ein Wunder unbeschadet blieben, konnten wir in der unmittelbaren Phase nach den Erdrutschen mehr als 100 obdachlose Familien und Einzelpersonen aufnehmen und versorgen.

Und auch langfristig reagierte humedica auf die Katastrophe: Unser Patenschaftsprogramm wurde um Familien erweitert, die alles verloren hatten. Zudem konnten wir durch unsere Psychologin für die Betroffenen ein gezieltes Traumabewältigungsprogramm anbieten.

Im Rahmen unserer täglichen Projektarbeit sind die traurigen Tage im Januar weiterhin ein Thema, wir bieten insbesondere den Kindern jede Form der Unterstützung an.

März 2011: Tsunami und Supergau in Japan

Unser Ersteinsatzteam war so schnell am Ort des Katastrophengeschehens wie selten zuvor. Bereits wenige Stunden nach Bekanntwerden war die fünfköpfige, medizinische Helfergruppe in der Luft auf dem Weg in die japanische Hauptstadt Tokio, die schließlich rund zwei Stunden vor dem Supergau im Atommeiler Fukushima 1 erreicht wurde.

Warten am Flughafen von Tokio, während sich die Meldungen über die Vorkommnisse im Atomkraftwerk überschlugen. Foto: humedica/Ruth Bücker

Aus Sicherheitsgründen entschloss sich die humedica-Geschäftsleitung, das Team zurückzuziehen, da zu diesem Zeitpunkt nicht abzuschätzen war, wie viel Radioaktivität durch die Explosion freigesetzt worden war, die die Gesundheit unserer ehrenamtlichen Einsatzkräfte möglicherweise dauerhaft hätte schädigen können.

Die Mitglieder der humedica-Ärzteteams sind immer bereit, persönliche Risiken einzugehen, die jedoch im Falle radioaktiver Strahlung nicht abzuschätzen waren.

Hilfe konnten wir über lokale Partner aber dennoch leisten: Nach dem Tsunami konnten wir über mehrere Wochen hinweg aufgrund großzügiger Spenden Verteilungen von Hilfsgütern in den betroffenen Gebieten finanzieren, zum Teil auch unter der Mithilfe unseres aus Deutschland angereisten, japanischen Koordinators Satoshi Machii. Neben Lebensmitteln und Kleidung wurden insbesondere auch Güter des täglichen Bedarfs weitergegeben.

Darüber hinaus werden wir - gemeinsam mit unserem lokalen Partner - in den kommenden Monaten mit den verbliebenen, zweckgebundenen Spenden ein Wiederaufbauprojekt, wie beispielsweise der Aufbau von Schulen nach dem Erdbeben in Haiti, direkt im Katastrophengebiet finanzieren.

März 2011: Erdbeben in Myanmar

Jenseits des Interesses der Weltöffentlichkeit ereignete sich im Frühjahr dieses Jahres ein starkes Erdbeben in Myanmar.

Auch in diesem Fall konnten wir die Hilfsbemühungen eines lokalen Partners gezielt unterstützen, der mehrere Verteilungen mit wichtigen Gütern im unmittelbaren Katastrophengebiet durchführte.

Ziel von anschließend angebotenen Schulungen war eine medizinische Weiterbildung von Krankenschwestern und anderem Personal, um bei künftigen, großen Schadensereignissen besser vorbereitet zu sein. Bis heute unterstützen wir die Arbeit dieser lokalen Helfer mit gezielten Lieferungen von Medikamenten und medizinischem Bedarf.

Mai 2011: Überflutungen in Namibia

Nicht zum ersten Mal wurde die ehemalige deutsche Kolonie im Südwesten Afrikas von einer Überflutungskatastrophe infolge heftiger Regenfälle heimgesucht. Bereits 2009 stand das Land weitflächig unter Wasser.

Der erfahrene Katastrophenmediziner Markus Hohlweck war Mitglied des Ersteinsatzteams. Foto: humedica

Damals wie im vergangenen Mai standen humedica-Helfer den Menschen in den am schlimmsten betroffenen Regionen im Norden des Landes zur Seite. Nach dem medizinischen Einsatz von Ärzteteams in Flüchtlingslagern organisierten die humedica-Koordinatoren mehrere Verteilungen von dringend benötigten Hilfsgütern in der Region an der Grenze zu Angola.

Insgesamt waren rund 220.000 Menschen von der Katastrophe betroffen, entsprechend reichten die Hilfsmaßnahmen bis in den Sommer hinein. Das humedica-Engagement wurde unterstützt vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland und sowohl von der namibischen Regierung, als auch den lokalen Medien gewürdigt.

Juli 2011: Hungerkatastrophe am Horn von Afrika

Die Zahlen zum andauernden Hungerszenario am Horn von Afrika sind erschütternd, leider ist auch die aktuelle Situation noch immer sehr schwierig. Etwa elf Millionen Menschen in sechs Ländern sind bis heute auf fremde Hilfe angewiesen, Experten beziffern die Anzahl der betroffenen Kinder in diesen Ländern auf rund ein Drittel.

Erschwert wird etwa die Situation in Somalia durch einen blutigen Bürgerkrieg und eine dementsprechend intensive Flüchtlingsbewegung. In mehreren Auffanglagern fristen Hunderttausende ein schwieriges, aber immerhin sicheres Dasein, hinter sich nicht selten eine lebensgefährliche Odyssee, unversorgt und zu Fuß.

Eine HIV-infizierte Frau erhält die notwendigen Nahrungsmittel in einem humedica-Projekt in Kenia. Foto: humedica/Katja Weber

Als eine der ersten deutschen Organisationen reagierte humedica prompt, umfangreich und vielfältig. Nachdem bereits Mitte Juli ein Ersteinsatzteam in Äthiopien konkrete medizinische Hilfe leisten konnte, startete am 30. Juli eine gecharterte Frachtmaschine mit 30 Tonnen Gütern nach Kenia.

Von der Hauptstadt Nairobi aus wurde die Hilfe in verschiedene Regionen des Landes gebracht und dort gezielt verteilt, darunter auch im größten Flüchtlingslager der Welt Dadaab.

Bis heute ist humedica in Nairobi mit einem kleinen Team präsent, um weitere Verteilungen und Hilfsmaßnahmen zu koordinieren. Im Nachbarland Äthiopien hat humedica ohnehin bereits seit einigen Jahren eine ständige Präsenz als registriertes Hilfswerk, mit laufenden Projekten im Bereich Entwicklungszusammenarbeit und Familienpatenschaften.

Auch dort organisiert eine Koordinatorin weiterhin laufende Ärzteteameinsätze in zwei eigenen Gesundheitsstationen, die im Flüchtlingslager Melkadida, an der somalischen Grenze im Süden, umgesetzt werden. In dem größten der vier Camps leben derzeit 40.000 Menschen. Bis zu 100 Patienten behandeln die ehrenamtlichen, medizinischen Kräfte aus Deutschland dort.

Ergänzt wird das Engagement in Äthiopien und Kenia von Maßnahmen im kleinen, fast schon vergessenen Dschibuti, wo wir über einen lokalen Partner mehrere Hilfsgüterverteilungen umsetzen konnten.

Oktober 2011: Erdbeben in der Türkei

Die Türkei hat eine lange und traurige Erdbebenhistorie. Das jüngste Beben im Oktober forderte knapp 600 Menschenleben und hinterließ eine Spur der Verwüstung in den Städten Van und Ercis.

Krankenpfleger Matthias Gerloff beim Behandeln eines kleinen Mädchens mit Verbrennungen. Foto: humedica/Ruth Bücker

Ähnlich wie nach dem Tsunami in Japan reagierte humedica immens schnell und brachte innerhalb weniger Stunden ein vierköpfiges medizinisches Team per Chartermaschine nach Van.

Noch am gleichen Tag wurde Ercis erreicht, wo die Helfer zunächst in türkischen Ambulanzwagen zum Einsatz kamen und später in einer umfunktionierten Turnhalle ärztliche Hilfe leisteten. Vorläufiger Abschluss des Katastropheneinsatzes war die Verteilung von Hilfsgütern an obdachlose Familien und Einzelpersonen.

Hilfe über Katastrophen hinaus: Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Weihnachtsspende!

Unsere durchdachte und breit aufgestellte Hilfe am Horn von Afrika etwa steht für das eingangs beschriebene Prinzip: Aus Katastrophenhilfe nachhaltige Projekte zu entwickeln, die zielgerichtet und auf die speziellen Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmt sind.

humedica-Teams sind schnell am Ort, aber nicht annähernd so schnell verschwunden. Sie kommen, um zu bleiben so lange Menschen auf ihre Hilfe angewiesen sind. Sie stehen für Hoffnung, Zukunft, Überleben. Wir möchten Sie freundlich bitten, mit einer gezielten Weihnachtsspende diese wertvolle Arbeit weiterhin zu ermöglichen. Vielen Dank!

      humedica e.V.
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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