Wenn aus Verzweiflung Mut erwächst

Den Umfang ihres Engagements treffend zu beschreiben, fällt schwer. Ihre Gefühle für ihre zweite Heimat hingegen sind eindeutig dominiert von Zuneigung und Leidenschaft. Simone Winneg hat im afrikanischen Niger seit 2008 nahezu alles erlebt: Tiefe Trauer und größtes Glück. Großes Leid und lachende Gesichter.

Unser Weihnachtsbrief kommt in diesem Jahr aus einem Land, das meistens vergessen wird und trotzdem kämpft. Einem Land, das uns braucht. Mittendrin eine humedica-Koordinatorin, die es sehr bewegt hat, dass der Niger in diesem Monat im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit steht. Uns wiederum haben Simone Winnegs Zeilen sehr berührt.

Große Momente und tägliche Erlebnisse

„Niger hat so viele Gesichter für mich bekommen. Nach zweieinhalb Jahren in einem der ärmsten Länder der Welt weiß ich nicht mehr so recht, wo ich anfangen soll.

Koordinatorin Simone Winneg bei der Einweihung der Klinik, "ihrer" Klinik. Foto: humedica/Karin Wilke

So viele Erlebnisse, so viele Momente, die mein Leben verändert haben. Da gibt es einerseits große Momente mit großen Gefühlen, wie die Einweihungsfeier der humedica-Klinik in Kollo und die Bitte der Einheimischen „nicht wieder zu gehen“.

Es erfüllt mich mit einer großen Ehre, von Anfang an Teil dieses Projekts sein zu dürfen. Einem Krankenhaus, das mittlerweile monatlich über 1.000 Kranken zur Seite steht, ambulante und stationäre Behandlungsmöglichkeiten hat.

Einem Ort der Hoffnung, der über ein Labor verfügt, viele notwendige Medikamente bereit stellt, eine Entbindungsstation betreibt und mit einem Ernährungsprogramm inmitten der bitteren Hungersnot seit Juli 2010 mehr als 2.500 Kindern helfen konnte.

Aber eigentlich sind es nicht die großen Momente, die mich am meisten beeindrucken, sondern die kleinen, täglichen Augenblicke. Zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen der subjektiv gefühlten Hilflosigkeit und der objektiv geleisteten Hilfe fällt es mir oft schwer, klare Gedanken zu fassen und die vielseitigen Aufgaben zu meistern.

Dazu gehört inzwischen neben den vielfältigen Klinikaufgaben vor allem die Überwachung der Verteilungen von Zusatznahrungsmitteln an Unterernährte und in den ausgelagerten Gesundheitsstationen.

Dann trifft es mich auch heute noch mit voller Wucht, welchen Tribut die Hungersnot fordert: kleine abgemagerte Kinder, die in den Armen teilnahmsloser Mütter liegen. Nur noch Haut und Knochen, eingefallene Augen, Hautentzündungen und ohne jegliche Lebenslust. Der bloße Anblick tut mir weh und treibt mir immer noch die Tränen in die Augen, auch wenn ich es inzwischen gewohnt sein sollte.

Jedes Gramm Gewichtszunahme zählt bei den kleinen unterernährten Mädchen und Jungen. Foto: humedica

Kinder werden gewogen und gemessen, ihre Daten werden dokumentiert und die Rationen werden entsprechend verteilt. Die kleinen Körper wirken zerbrechlich wie Glas. Wenn ich die Kinder auf den Arm nehme, um ihnen das Höschen zum Wiegen anzulegen, merke ich jeden einzelnen Wirbel am Rücken, jede Rippe, jeden Knochen.

Schreiend strecken die meisten Kinder die dünnen Ärmchen und Beinchen, lassen das Wiegen nur widerwillig über sich ergehen. Uns stellen sich immer die gleichen Fragen: Gewichtszunahme oder nicht? Fortschritt oder Rückschritt? Winzig sind oft die Verbesserungen: mal 100 Gramm in der Woche, mal nur 50, dann mal 300, in guten Fällen 500 oder sogar noch mehr.

Eine gute Nachricht gibt Hoffnung und lässt kurz vergessen, dass die Kleinen immer noch schwer unterernährt sind und ohne intensive Betreuung wohl dem Tode geweiht wären.

Umso schöner ist es, zwischen lethargischen, verängstigten Kindern auch mal ein Lächeln zu erhaschen; ein kleines Kind zu sehen, das sich nach zweiwöchiger Behandlung wieder auf den eigenen Beinen halten kann; der ernstgemeinte Dank einer Mutter, die mir sagt, dass wir das Leben ihres Kindes gerettet haben. Das tut gut und ermutigt zum Weitermachen.

Mich dann daran zu erinnern, warum ich mit humedica hier bin, wie vielen tausenden Menschen die Hilfe in diesem Land schon zu Gute gekommen ist und wie viele noch dazu kommen werden, treibt mich an, Tag für Tag. Immer wieder. Immer weiter. Dann wird auch Weihnachten für mich greifbar, obwohl die Umstände hier nur schwerlich eine entsprechende Stimmung aufkommen lassen.“

Liebe Freunde und Förderer, es ist keine typische Weihnachtsgeschichte, die wir Ihnen in unserem Infobrief in der Adventszeit vorstellen. Die Menschen im Niger scheinen in ihrer Not so weit weg, viel weiter als Haiti oder Pakistan.

Wir möchten Sie heute herzlich bitten, uns mit einer gezielten Weihnachtsspende auch weiterhin die Chance zu geben, in diesem Land zu helfen und Menschen wie Simone Winneg zu Boten unserer gemeinsamen Anstrengungen zu machen. Vielen herzlichen Dank!

      humedica e.V.
      Stichwort "Klinik Niger"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Selbstverständlich können Sie ebenfalls über unser Online-Formular für die Menschen in Niger spenden oder uns durch das Versenden einer sms unterstützen: mit dem Stichwort DOC an die 8 11 90 unterstützen Sie uns mit 5 Euro, von denen 4,83 Euro direkt unserer Projektarbeit zu Gute kommen.

Vielen Dank für all Ihre Unterstützung beim Aufbau der humedica-Klinik und bei der Umsetzung unserer Hilfsmaßnahmen. Foto: humedica/Andrea Kranen-Sutter

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