Ein Land am Boden und dennoch lebt die Hoffnung

Mehr als 80 Einsatzkräfte hat humedica seit dem 12. Januar 2010 nach Haiti entsandt, um dort den Überlebenden des starken Erdbebens mit medizinischer Nothilfe zur Seite zu stehen. Aus der Katastrophenhilfe der ersten Wochen haben unsere Teams in Haiti und Deutschland Projekte mit auffälliger Nachhaltigkeit entwickelt. Die Motivation aller Mitarbeiter/innen ist groß, und auch in Haiti lebt die Hoffnung längst wieder - bei aller gebotenen Trauer.

Es wird noch viele Jahre dauern, bis das Trauma des Bebens besiegt ist, ausreichend getrauert wurde und Normalität nicht nur theoretisch Einzug hält im stark zerstörten Karibikstaat.

Zwischen tiefer Trauer und Aufbruchstimmung

Trauer braucht Zeit, Wiederaufbau auch; und die offiziell kommunizierten statistischen Eckdaten dieser furchtbaren Katastrophe scheinen für uns unvorstellbar: Rund 220.000 Menschen aller Altersgruppen und sozialen Schichten verloren ihr Leben, mehrere einhunderttausend Haitianer retteten ihr Leben zum Preis meistens schwerer Verletzungen.

Langsam kehrt die Hoffnung zurück. Foto: humedica/Florian Hansmann

Etwa drei Millionen Personen in und außerhalb der Hauptstadt Port-au-Prince haben kein Obdach mehr. Undenkbar, wenn Städte wie Oberhausen, Kiel oder Freiburg im Breisgau mit ihren jeweils rund 200.000 Einwohnern nicht mehr existierten, in rund 40 Sekunden dem Erdboden gleichgemacht, unwiederbringlich zerstört.

Am dritten Tag nach dem Beben war ein erstes Team unter Leitung der Koordinatoren Simone Winneg und Dieter Schmidt in Port-au-Prince. Die humedica-Hilfe war nicht nur schnell bei Menschen in Not, sie wird auch lange dort verbleiben.

Bis Ende Juli 2010 werden permanent medizinische Teams in Port-au-Prince und Léogâne sowie im Rahmen einer mobilen Klinik zum Einsatz kommen; sechs Monate werden die ehrenamtlichen Ärzte, Schwestern, Rettungsassistenten, Apotheker, Pfleger und Koordinatoren dann nonstop im Einsatz gewesen sein. Bereits jetzt, kurz vor Ostern, zählen wir mehr als 80 Kräfte, die eine hervorragende Arbeit in Haiti leisteten.

Vielfältige Projektarbeit: Nachhaltig, stark, zukunftsorientiert

Bereits vom ersten Einsatztag an entwickeln die geschulten Augen der Koordinatoren Ideen für langfristige Formen der Hilfe, mit deren Umsetzung bereits begonnen wurde.

humedica wird mindestens zwei Jahre permanent im Land verbleiben. Momentan lassen wir uns als internationales Hilfswerk in Haiti registrieren und werden ein kleines Büro in Port-au-Prince einrichten. Und wir sind davon überzeugt, zukunftsorientierte, gute Projekte angestoßen zu haben.

Das „Krankenhaus der Hoffnung“ bleibt ein Zentrum

In Deutschland ist das „Hôpital Espoir“ (Krankenhaus der Hoffnung) aufgrund der intensiven medialen Berichterstattung mittlerweile bekannter als viele heimische Häuser.

Seit etwa zehn Wochen behandeln humedica-Ärzteteams bereits im "Krankenhaus der Hoffnung". Foto: humedica/Lothar Biskup

Es war und es bleibt ein Zentrum unserer Hilfe in Haiti. Das Krankenhaus benötigt dringend eine Reparatur der Schäden, die durch das Beben verursacht wurden sowie eine Renovierung des kompletten Gebäudekomplexes; humedica wird sich in diesem Bereich nachhaltig engagieren.

Die Übernahme der Betriebskosten des Krankenhauses wird über einen noch zu definierenden Zeitraum von der Firma BSH - Bosch-Siemens-Hausgeräte GmbH aus München übernommen.

In Zusammenarbeit mit dem „Krankenhaus der Hoffnung“ prüft humedica zudem die Realisierung einer mobilen Prothesenwerkstatt. Außerdem soll eine zerstörte Schule nahe Jacmel und ein Kinderheim in Port-au-Prince wieder aufgebaut werden.

Bereits angelaufen ist das Projekt „Shelter Kits“, das humedica in enger Zusammenarbeit mit der Organisation Habitat for Humanity durchführt. Konkret handelt es sich hierbei um die Verteilung von Materialien und Werkzeug zum Bau von provisorischen Unterkünften für bedürftige Familien.

Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland stellte humedica zu diesem Zweck und für unsere medizinische Arbeit dankenswerterweise insgesamt 700.000 Euro zur Verfügung.

Hilfe über die Grenzen der Hauptstadt hinaus

Das Engagement von humedica erreicht in Haiti alle Brennpunkte: Neben der Hauptstadt und dem außerhalb gelegenen Ort Léogâne auch die Region um Jacmel, südwestlich von Port-au-Prince gelegen.

Über persönliche Kontakte und eine anschließende Erkundung hat sich ergeben, dass wir uns beim Wiederaufbau einer lokalen Schule engagieren werden. Für das weitgehend zerstörte, in jedem Fall derzeit nicht nutzbare Gebäude werden zurzeit Pläne diskutiert, die eine möglichst schnelle Wiederaufnahme des Schulbetriebs vorsehen.

Ein langfristiges humedica-Projekt ist eine Prothesenwerkstatt, um Amputationsopfern Zukunftsperspektiven zu geben. Foto: humedica

Ein erster Ansatz für eine erdbebensichere Bauweise ist das Projekt des Berliner Architekten George Papa, der gebrauchte 40-Fuss-Container zu Wohn- und Nutzraum umbaut. Gemeinsam mit humedica-Geschäftsführer Wolfgang Groß und dem Botschafter Haitis in Deutschland, S. E. Jean-Robert Saget, besuchte er Anfang März Haiti, um die Realisierbarkeit der Pläne zu prüfen.

Wenn die meisten Journalisten verschwunden sind und die Nachrichtensendungen weltweit Haiti ignorieren, wenn der erste Schock überwunden ist und die Tränen der Trauer getrocknet scheinen, dann geht es um Zukunft. Es geht um Wiederaufbau. Um eine neue Chance für ein Land, das aufgrund seiner strukturellen Armut bereits vor dem Beben mit einer permanenten Katastrophe zu kämpfen hatte.

Wir sind von Herzen dankbar für jeden bisher gespendeten Euro. Liebe Leser, liebe Freunde und Förderer von humedica: Wir möchten Sie herzlich bitten, auch in den kommenden Wochen und Monaten an unserer Seite zu stehen!
      humedica e.V.
      Spendenstichwort "Erdbeben Haiti"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Bitte spenden Sie auch online.Vielen Dank.

Auch so können Sie helfen

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, eine Patenschaft für eine besonders stark von der Katastrophe betroffene, haitianische Familie zu übernehmen? Diese Form der Hilfe ist die effizienteste und schafft schnell Veränderung. Wir unterstützen Familien, die uns durch medizinische Behandlungen bereits bekannt sind oder wo wir um besonders dramatische Umstände wissen, etwa dem Tod des Versorgers.

Bitte unterstützen Sie unser Familienpatenschaftsprogramm und schenken den Familien Sicherheit. Foto: humedica/Simon Gelzenleuchter

Bitte schreiben Sie uns oder rufen Sie uns an; wir stellen Ihnen gerne Familien vor, die unsere Unterstützung brauchen. Die Aufgaben in Haiti sind gewaltig; nur gemeinsam können wir sie lösen.
Vielen Dank!

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