Saison der Container

Katastrophen sind immer sofort im Fokus der Medien und auch der Öffentlichkeit. Katastrophen binden unsere Aufmerksamkeit für Stunden, Tage, manchmal Wochen. Und irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem auch die schwersten Katastrophen aus der Berichterstattung verschwinden. Die Kameras mögen von den Orten des Leids und der Zerstörung verschwinden, die Hilfe geht dennoch weiter. Oft entwickeln sich langfristige Projekte der Entwicklungszusammenarbeit aus Katastrophen, nicht minder selten kommt es zu einer besonderen, oft unterschätzten Form der Unterstützung: der Versorgungshilfe. Zwei aktuelle Beispiele aus Afrika unterstreichen ihre Notwendigkeit.

Ein Container mit zehn Tonnen hochkalorischer Kartoffelsuppe erreichte im Mai seinen Bestimmungsort: das äthiopische Flüchtlingslager in Melkadida. Foto: humedica

„Wer das nicht gesehen hat glaubt es kaum“, denkt Thomas Adelsberger, unterstützender humedica-Koordinator im Flüchtlingslager Melkadida, an der äthiopisch-somalischen Grenze gelegen. Der engagierte junge Helfer aus Deutschland war soeben Zeuge und Mitarbeiter einer beeindruckenden Szene geworden: In weniger als einer Stunde hatten 15 Männer zehn Tonnen Hilfsgüter aus Deutschland von einem LKW geladen, ohne jegliches technisches Gerät oder andere Hilfsmittel. Die ungemein wichtigen, weil dringend benötigten Waren vor Augen lässt aus der Einschätzung „unmöglich“ ohne größere Probleme und Zeitverzögerung ein „machbar“ werden.

Wieder einmal hinterlässt die vermeintlich unspektakuläre Versorgungshilfe langfristige Spuren der Hoffnung. In Melkadida, wo 40.000 weitgehend aus dem Fokus der Weltöffentlichkeit verschwundene Flüchtlinge ihr Dasein fristen, wird diese Lieferung mit Nahrungsmitteln die organisierten humedica-Verteilungen im Lager sinnvoll ergänzen. Und die Menschen sind so dankbar für die gezielte Unterstützung, dass auch schwierige Herausforderungen kreativ gelöst werden.

Ohne Versorgungshilfe um Chancen beraubt: Zehntausende direkt erreichen

Ortswechsel: rund 6500 Kilometer westlich liegt die Republik Niger, im Osten des Landes, rund zwei Stunden südlich der Hauptstadt Niamey das Städtchen Kollo, in dem humedica ein kleines Krankenhaus betreibt. Eröffnet im Januar 2009 und Ende 2010 um einen Bettentrakt erweitert konnten bisher weit mehr als 15.000 Patienten dort medizinisch versorgt werden, insgesamt deckt die Einrichtung ein Gebiet mit etwa 450.000 Menschen ab. Ein Ort der Hoffnung, gelebter Nächstenliebe, ein Ort gezielter, oft lebensrettender Hilfe.

Zu den medizinischen Möglichkeiten des Krankenhauses mit Entbindungsstation, Labor und modernen Diagnosegeräten bietet das Helferteam ergänzend Workshops zu Gesundheits- oder Hygienethemen an oder setzt Impfkampagnen um. Dieses Projekt ist ein Paradebeispiel für eine nachhaltige Form der Hilfe und dennoch gibt es einen zu erwähnenden Umstand: Ohne die regelmäßigen Container mit Gütern aus Deutschland wäre die Arbeit vielleicht nicht in ihrer Existenz bedroht, aber definitiv um viele Chancen und Potenziale bei der Behandlung beraubt.

Regelmäßig erreichen diese Container der Hoffnung auch Länder wie Südafrika, in Südamerika etwa Peru, auf der anderen Seite der Erdhalbkugel Indien oder auch die palästinensischen Autonomiegebiete, in Europa die Ukraine, Rumänien und Albanien. Aktuell bereiten wir Lieferungen nach Pakistan und Nordkorea vor, durchschnittlich versendet humedica 600 bis 800 Tonnen an Hilfsgütern pro Jahr. Eine besondere Form der Unterstützung, die zehntausende Menschen direkt erreicht.

Rückgang bei medizinischen Sachspenden: Versorgungshilfe rettet Leben

„Leider wurden in den vergangenen beiden Jahren deutlich weniger Medikamente gespendet als noch zuvor“, erklärt Hermann Schäffler, der im humedica-Lager den Versand mit organisiert. Und Andrea Trautmann, verantwortlich für den Bereich Versorgungshilfe, ergänzt: „Viele Menschen in den von uns unterstützten Projekten sind aber leider auf unsere Lieferungen angewiesen.“

humedica-Logistikchef Hermann Schäffler sorgt dafür, dass die Hilfsgüter in richtiger Verpackung pünktlich ihre Reise in das jeweilige Zielland antreten - und packt auch gerne selbst mit an. Foto: humedica

Über die medizinischen Sachgüter hinaus möchten wir freundlich um eine gezielte finanzielle Unterstützung für diesen Arbeitsbereich bitten, etwa zur Deckung der Frachtkosten oder für den Erwerb von dringend benötigten Gütern, die uns nicht als Sachspende zur Verfügung gestellt werden.

Zuletzt betrugen die Transportkosten für den Versand von einem Kilogramm Waren durchschnittlich 19 Cent, der tatsächliche Wert der Güter pro Kilogramm lag dagegen bei 6,99 Euro. Bitte machen Sie Versorgungshilfe zu Ihrem persönlichen Anliegen. Vielen herzlichen Dank!

      humedica e. V.
      Stichwort „Versorgungshilfe“
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

humedica lädt zum Tag der offenen Tür
Am Samstag, den 14. Juli, laden wir alle Freunde und Förderer zu einem Tag der offenen Tür mit spannendem Programm in unsere Hauptzentrale nach Kaufbeuren ein. Wir starten an diesem Tag um 10 Uhr. Bitte entnehmen Sie weitere Einzelheiten und organisatorische Daten unserer Internetseite www.humedica.org

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