Aufwachsen im Bombenhagel

Selten war die Lebenssituation für Millionen Kinder schlimmer – ein Beitrag über Wunsch und traurige Realitäten

Manchmal kündigen die Sirenen unsagbar laut und schrill eine dieser Raketen an. Das Surren der todbringenden Waffe ist nur kurz zu hören, ihr Aufschlag dafür umso heftiger: Ein lauter Knall, Staub, Hausbrocken fliegen durch die Luft, verzweifelte Schreie künden von einer Wirklichkeit, deren grausame, unbarmherzige Realität kein Actionfilm abbilden könnte. Und irgendwann ist es wieder still. Eine furchtbare Stille. Sie zeugt von dem Leben, das hier einst war.

Der Unbeschwertheit. Anklagend. Unerbittlich. Szenen wie diese gehören für Millionen Kinder zum Alltag. Kinder in Syrien, Zentralafrika, der Ukraine. Kinder in Gaza-Stadt, Israel und seit einigen Wochen auch im Irak. Kinder an Orten, deren wirtschaftliche Relevanz oder geopolitische Position nicht ausreicht, um eine Öffentlichkeit zu generieren.

Was tun wir unseren Kindern an in diesen Tagen? Eine Frage, die auch wir uns stellen müssen, hier im friedlichen Deutschland, fernab von brutalen Kriegen und doch mittendrin im Konsumrausch, gefangen in einer "Geiz ist geil"-Mentalität, die direkte Auswirkungen auf das Leben anderer hat, auch jenes von Kindern.

Es ist davon auszugehen, dass dieser Samstag ein Tag sein wird wie jeder andere Samstag in diesem Jahr auch: Viele Menschen werden arbeiten müssen, einige werden es an diesem freien Tag wollen, Familien unternehmen Ausflüge, einmal die Seele baumeln lassen zwischen Spätsommeridylle und dem Supermarkt ums Eck. Auch der Wocheneinkauf will erledigt sein. Bio, natürlich.

Am Abend wird ein Tagesschausprecher die Besonderheit des Tages verkünden. Vielleicht werden wir hinhören, betroffen sein, nachdenken, unser Leben weiterleben. Vielleicht auch nicht. Spekulation. In jedem Fall wird Weltkindertag sein an diesem Samstag. Ein Gedenktag für die Kleinsten, die für die Zukunft unserer Erde stehen und doch millionenfach Angst um ihre persönliche Zukunft haben müssen.

Sie wachsen in unzähligen Regionen auf zwischen existenzieller Armut und bedrohlichen Krankheiten, im Bombenhagel und auf endlosen Fluchtetappen, zwischen dem Verlust der Heimat, Tod, Schock, körperlichen und seelischen Verwundungen. "Der Effekt auf die Psyche kann sich auf ihr Wohl, ihre Schlafgewohnheiten, das Sprechen und soziale Kompetenzen auswirken", stellt eine Untersuchung der Vereinten Nationen fest.

Ist das Kindheit wie sie sein sollte?

Kein Betroffenheitsfeldzug, Veränderung

Wir können einen Unterschied machen

Es kann nicht um Vorwürfe gehen, auch nicht darum, an Gedenktagen wie diesen, in einen Betroffenheitsfeldzug zu ziehen, der unser Leben, unsere Gewohnheiten, unsere Routine für ein paar Minuten entschleunigt, am Ende eines langen Samstages aber trotzdem nichts ändert.

"Alle Kinder haben ein Recht auf Überleben, persönliche Entwicklung, Schutz vor Ausbeutung und Gewalt sowie das Recht auf Beteiligung." Die Definition der UN-Kinderrechtskonvention von 1989 ist eindeutig und öffentlich zurzeit ausdrücklich kommuniziert, selbstverständlich auch am Weltkindertag. Wie fromm ist dieser Wunsch? Und wie hart die Realität?

"Wir wissen das Potenzial dieser Tage richtig einzuschätzen", sagt humedica-Geschäftsführer Wolfgang Groß, den das Leid der Kinder vor 35 Jahren bei Gründung der Organisation ebenso antrieb, wie es heute noch immer der Fall ist. "Es wäre eine Illusion davon auszugehen, dass sich mit vielen emotionalen Bildern und sicher auch berechtigten Kampagnen alles ändert, dafür ist das Leid qualitativ und quantitativ zu groß. Wir dürfen aber niemals aufhören, den Menschen in unserem Land zu sagen, dass sie sehr wohl einen Unterschied machen können."

Wir haben das große Glück frei darüber entscheiden zu können, wie wir essen, welche Kleidung wir tragen und ob wir ein Ressourcen schonendes Leben führen möchten. Gleichzeitig gibt es in Deutschland die Möglichkeit, die guten Projekte sehr engagierter Hilfsorganisationen zu unterstützen, im Falle von humedica auf unterschiedliche Art und Weise.

Durch persönlichen Einsatz, Sachspenden und gezielte finanzielle Förderungen. Auch der kleinste Einsatz schafft Veränderung. Wir alle tragen das Potenzial zu nachhaltigen Veränderungen in uns. Wir können einen Unterschied machen!

Eine unbeschwerte Kindheit ist das Ziel

Viele großartige Projekte für Kinder

"Unsere Bemühungen gelten nicht ausschließlich dem Wohl der Kinder dieser Erde, aber insbesondere ihnen", macht Wolfgang Groß klar. "Wir haben in den vielen Jahren unserer Arbeit immer wieder feststellen dürfen, dass Hoffnung, Frieden und Zukunft auch in ausweglosen Situationen stecken."

Beispiel Sri Lanka: Der über Jahrzehnte bis 2009 andauernde Bürgerkrieg machte unzählige Kinder zu Waisen oder Halbwaisen. Aus dem anfangs von humedica betriebenen Kinderheim "House of Children" in Manipay wurde schnell ein Wohnheim, in dem in der Woche viele Schüler wohnen, deren Heimweg von der "Angel International School" zu lang ist.

Gemeinsam mit "International School Jaffna" bietet humedica mehr als 1.000 Kindern aus der ehemaligen Bürgerkriegsregion die Möglichkeit einer hervorragenden Ausbildung. Schüler mit oft über einen langen Zeitraum schwierigen Lebensumständen finden in den Lehranstalten auch einen Ort, der Teil ihrer Identität, ihrer Zukunft wird. Vor allem aber erhalten sie die Chance, dem Kreislauf der Armut zu entfliehen.

Der Schulabschluss findet international Anerkennung und berechtigt zu höheren Ausbildungsvarianten. Ein Projekt, das seit vielen Jahren durch Spenden und den persönlichen Einsatz hervorragender Einsatzkräfte getragen wird. Wir können einen Unterschied machen!

Beispiel Äthiopien: Eine der ältesten Kulturen unserer Erde kennt aus der jüngeren Vergangenheit neben blutigen kriegerischen Auseinandersetzungen, insbesondere mit Eritrea, auch immer wieder furchtbare Hungersnöte. Inner- und außerhalb der lebhaften Hauptstadt Addis Abeba leiden Millionen Menschen unter struktureller Armut, hier kämpfen Kinder täglich um ihr Leben. Sie haben Lebensmittelknappheit, fehlenden Bildungschancen, Armut und anderen Gewalten nichts entgegenzusetzen.

Im humedica-Patenschaftsprogramm werden sie gemeinsam mit ihren Familien aufgefangen und nachhaltig gestärkt. In zwei Armenvierteln von Addis und dem außerhalb gelegenen, eher ländlichen Debre Zeyt sowie dem in der östlichen Grenzregion angesiedelten Jijiga versorgen humedica-Teams vor allem auch Kinder mit Grundnahrungsmitteln, Schulmaterialien, Kleidung.

Darüber hinaus unterhält humedica zwei Kindertagesstätten, in denen die kleinen Besucher regelmäßige Mahlzeiten bekommen, sie in jeder für sie notwendigen Hinsicht liebevoll versorgt werden. Dies umfasst Nachhilfeunterricht ebenso, wie Sport- und Computerkurse. Auch dieses Projekt lebt von Patenschaften und Spenden aus Deutschland sowie dem persönlichen Einsatz von pädagogischen und medizinischen Fachkräften. Wir können einen Unterschied machen!

Während Sie diese Zeilen lesen, stehen humedica-eigene oder von humedica unterstützte Einsatzkräfte auch Kindern in Brasilien, Indien, dem Kosovo, im Libanon, dem Niger, der Ukraine oder auf den Philippinen bei. Bedarfsorientierte, zielgerichtete, durchdachte Hilfe, die das Wohl der Kinder im Blick hat und auf deren gute Zukunft ausgerichtet ist.

Kein schlechtes Gewissen - überzeugte Hilfe

Wann sind Sie der Unterschied?

Kurz vor Redaktionsschluss dieses Infobriefs bemüht sich das Team der Hauptzentrale in Kaufbeuren intensiv um die Finanzierung eines Projekts für die Kinder, die von dem brutalen Krieg im Gaza-Streifen betroffen sind. Es geht inhaltlich um die Verarbeitung erlittener Traumata von Kindern auf beiden Seiten.

Seit vielen Jahren bereits ist humedica als Organisation in Israel zugelassen, arbeitet in den palästinensischen Autonomiegebieten, ist durch die Nachhaltigkeit der Arbeit bei allen beteiligten Parteien und Interessensgruppen anerkannt. "Wir haben die Möglichkeit und die nötige Infrastruktur, um dieses Projekt, für mich eine Herzensangelegenheit, umzusetzen", stellt Wolfgang Groß fest. "Jetzt erbitten wir Unterstützung."

Wir suchen Förderer allerdings nicht auf Basis eines schlechten Gewissens, sondern der festen Überzeugung, dass jeder Einzelne imstande ist, im Rahmen seiner Möglichkeiten einzugreifen. Darum möchten wir Sie heute bitten: Greifen Sie ein! Verändern Sie! Verschenken Sie! Wann sind Sie der Unterschied?

      humedica e. V.
      Stichwort "Gaza"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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