Drei Fragen an… Dr. Philipp Fischer

Er war vor wenigen Wochen zum wiederholten Mal Teil eines humedica-Ersteinsatzteams, dieses Mal auf dem Archipel Vanuatu im Südpazifik: Dr. Philipp Fischer, Unfallchirurg/Orthopäde aus dem rheinischen Bonn. Im kurzen Gespräch verrät er, warum die wahren Helden zu Hause bleiben.

Philipp, warum machst Du Einsätze im Bereich der Katastrophenhilfe?

Für mich gibt es verschiedene Motivationsgeber, Katastrophenmedizin und –management interessieren mich sehr, außerdem habe ich einen inhaltlich entsprechenden Lehrauftrag an der hiesigen Universität, da ist es von Vorteil und sicherlich auch authentisch, Praxiserfahrung zu haben. Andererseits ist es mir eben auch wichtig, die Hilfe zu den Menschen zu bringen, die ohne uns möglicherweise keine bekämen. Und es tut gut, mit anderen medizinischen Situationen als unseren hier in Deutschland konfrontiert zu werden.

Was sind die Besonderheiten eines solchen Einsatzes?

Es gibt verschiedene Umstände, die man zwingend beachten muss, der Eigenschutz und der des Teams etwa. Man muss unbedingt versuchen, einen Teamspirit zu entwickeln, was angesichts der meist widrigen Verhältnisse alles andere als leicht ist. Außerdem halte ich es für eminent wichtig, möglichst eng und entsprechend intensiv mit den lokalen Partnern zu kooperieren; nur so bekommt man einen realistischen Einblick in die aktuelle Situation, deren Bedarfe und Umstände. Nur mit diesem Einblick ist sinnvolle Hilfe möglich. Das funktioniert bei humedica sehr gut.

Gibt es besondere medizinische Herausforderungen?

Ja, die gibt es ohne jeden Zweifel. Wir sind immer auf lokale Ressourcen angewiesen und versuchen, diese zu nutzen. Nicht immer ist alles zerstört und so ist auch nur ein erhaltener Raum im ansonsten vielleicht kaputten Krankenhaus besser als Behandlung unter freiem Himmel oder in einem Zelt. Wir müssen versuchen, die Patienten in kurzer Zeit so umfänglich wie irgend möglich zu behandeln, viele können kein zweites Mal kommen.

Insgesamt kann man sagen, dass die Medizin im Einsatz sehr viel haptischer, ja, manueller wird. Eine Weitervermittlung an Spezialisten ist nicht möglich, es gibt kaum technische Unterstützung bei der Diagnosestellung, viel basiert auf der Erfahrung der Einsatzkräfte, natürlich auch unserer sehr breiten, guten Ausbildung. Hilfreich ist auch der Umstand, sich im Zweifel mit anderen Kollegen abstimmen zu können.

Insgesamt aber möchte ich betonen, dass wir uns sicherlich nicht für Helden halten, auch wenn die Bedingungen nicht immer einfach sind. Die wahren Helden sind die zurückgebliebenen Familien, Freunde, Angehörigen. In meinem Fall meine Frau, die nicht nur die Sorgen um mich trägt, sondern sich gleichzeitig auch noch für zwei Wochen alleine um vier Kinder kümmern muss.

Vielen Dank für Deinen Einsatz und dieses Gespräch, Philipp.

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