Die Weihnachtspäckchenaktion „Geschenk mit Herz“ hat zum Jahreswechsel mehr als 82.000 Kindern weltweit eine ganz besondere Freude gemacht. Die meisten Geschenke wurden in Bayern gepackt und dann mit LKW nach Osteuropa gebracht, wo sie an bedürftige Kinder verteilt wurden. Dank finanzieller Spenden konnte die Hilfsorganisation humedica, die hinter der Aktion steckt, aber auch gut 13.000 Päckchen in Überseeländern wie Brasilien, Niger, Äthiopien oder Sri Lanka packen und verschenken.

Insgesamt wurden dieses Mal 82.228 Kinder überall auf dem Erdball beschenkt. Allein in Bayern packten unzählige Helfer 68.994 Päckchen für Kinder in Rumänien, Albanien, Serbien, Moldawien, Bulgarien und dem Kosovo. Bis kurz vor Weihnachten war unklar, ob Lieferungen auch in die Ukraine möglich sind. „Wir sind sehr froh, dass es schließlich doch geklappt hat und wir mehr als 10.000 Kindern eine kleine Ablenkung vom Krieg verschaffen konnten,“ erzählt Damien Marion, der bei „Geschenk mit Herz“ für die Betreuung der Partner vor Ort zuständig ist. Verteilt werden die Weihnachtspackerl in der Regel in Waisen- oder Krankenhäusern sowie Kindergärten und Schulen. Empfänger sind Kinder, die unter schwierigen Bedingungen aufwachsen müssen und auch im weiteren Verlauf des Jahres von humedicaoder Partnern der Organisation unterstützt werden.

Es gibt so viele Kinder auf dieser Welt, die in elenden Verhältnissen leben müssen. Ihnen zu Weihnachten eine Freude machen zu können, ist jedes Jahr aufs Neue ein tolles Erlebnis“, sagt „Geschenk mit Herz“-Aktionsleiterin Roswitha Bahner-Gutsche. „Unser herzlicher Dank geht an die fleißigen Päckchenpacker, aber auch die vielen ehrenamtlichen Helfer, ohne die diese Aktion nicht möglich wäre.“

Wie hier in der Ukraine machten die „Geschenke mit Herz insgesamt mehr als 82.000 Kindern weltweit eine ganz besondere Freude. Foto: humedica

Durchgeführt wird die Weihnachtspäckchenaktion „Geschenk mit Herz“ von der Hilfsorganisation humedica mit Sitz in Kaufbeuren. Päckchenpacker aus ganz Bayern packen die „Geschenke mit Herz“ entsprechend einer speziellen Packliste. Neben Utensilien für die Schule, Hygieneprodukten wie Duschgel oder einer Zahnbürste und Spielzeug enthalten die Päckchen auch etwas Warmes. „Bei den Verteilungen herrschen oft Minusgrade. Dennoch treffen wir bei den Verteilungen immer wieder Kinder ohne Schuhe oder nur in dünner Kleidung, weil sich ihre Eltern warme Kleidung schlichtweg nicht leisten können,“ erklärt Aktionsleiterin Roswitha Bahner-Gutsche. “Deshalb ist es wichtig, dass immer auch Handschuhe, eine Mütze oder ein Schal im Päckchen landen.“

Wer sein Päckchen gepackt hat, gibt dieses in einer der rund 1.600 Sammelstellen in ganz Bayern ab. Von dort wird es dann durch ehrenamtliche LKW-Fahrer abgeholt und ins humedica-Hauptquartier in Kaufbeuren gebracht, wo wiederrum ehrenamtliche Helfer jedes einzelne Paket versandfertig machen und darauf kontrollieren, ob auch wirklich das drin ist, was reingehört. „Immer wieder kommt es vor, dass Menschen wichtige Produkte der Packliste vergessen,“ erklärt Bahner-Gutsche. „Dabei ist es uns wichtig, dass alle Päckchen ungefähr gleichwertig sind, damit niemand enttäuscht ist. Manchmal fischen wir leider auch Dinge aus den Päckchen, die wenig kindgerecht sind.“    

Möglich ist die Aktion neben den Päckchenpackern und unzähligen ehrenamtlichen Helfern vor allem dank der Unterstützung durch Sternstunden e.V. sowie des Medienpartners Radio Bayern 2.

Auch außerhalb Europas macht „Geschenk mit Herz“ Jungen und Mädchen eine Freude. Wer in Deutschland nicht selbst ein Päckchen packen möchte, kann die Aktion auch finanziell unterstützen. In Ländern wie Äthiopien, Sri Lanka, Brasilien, Kolumbien, Simbabwe, oder Togo packen Partner von humedicadank der Spenden direkt am Ort die Päckchen. Das erhält nicht nur die Wertschöpfung im jeweiligen Land, es spart auch Transportkosten. Auf diese Weise konnten bei Geschenk mit Herz weitere 13.234 bedürftige Kinder eine ganz besondere Weihnachtsfreude erleben.

„Wenn Du einmal die Detonation einer Bombe gehört hast – das vergisst Du nie“

„Ich bin Ärztin – ich habe einen Eid darauf geschworen, anderen Menschen zu helfen“, erklärt Yulija. Sie ist selbst Mutter – trotzdem oder genau deswegen fährt sie immer wieder in die Nähe der Frontlinie, um anderen Frauen und ihren Kindern zu helfen. Yulija ist bei einem Krankenhaus in Kyiv angestellt. Regelmäßig fährt sie aber mit sogenannten mobilen Kliniken in Gebiete, wo die Gesundheitsversorgung nicht so gut ist wie in der Hauptstadt. Seit im Februar der Krieg in der Ukraine begonnen hat, ist das fast überall im Osten der Fall – vor allem da, wo gekämpft wird oder gekämpft wurde.

Hilfe vor allem in den umkämpften Gebieten

„Hier in Kyiv gibt es genügend gute Ärzte,“ sagt Yulija. „Ich möchte dort helfen, wo meine Hilfe dringender gebraucht wird.“ Deshalb steigt sie immer häufiger in die zu kleinen Krankenhäusern umgebauten Rettungswägen und fährt Stunde um Stunde Richtung Kriegsgebiet. „Es ist nicht nur die medizinische Hilfe, die wir leisten,“ berichtet sie. „Die Menschen haben durch uns auch das Gefühl, dass das Leben weiter geht und dass jemand an ihren Sorgen Anteil nimmt.“ Viele von Yulijas Patienten haben alles verloren und sind traumatisiert. „Wenn Du einmal gehört hast, wie eine Bombe wenige Häuser von Dir entfernt detoniert – das vergisst Du nie.“

Die Trauer um ihre Angehörigen ist allgegenwärtig in der Ukraine. Foto: PFR

humedica unterstützt die mobilen Kliniken, mit denen Yulija unterwegs ist, finanziell. „Es werden immer mehr zu mobilen Kliniken umgebaute Krankenwägen benötigt und die brauchen medizinische Geräte,“ erklärt Felix Dekant, der bei humedica das Projekt betreut. „Ich bin den Spendern sehr dankbar, die diese Hilfe möglich machen.“

Hilfe wird in den ukrainischen Kriegsgebieten quasi überall benötigt. Seit Beginn der Kampfhandlungen Ende Februar machen sich deshalb Woche für Woche LKW von der humedica-Zentrale in Kaufbeuren aus auf den Weg Richtung Osten. „Sie haben meist Medikamente und andere medizinische Güter geladen, mit denen wir Krankenhäuser und andere soziale Einrichtungen im ganzen Land unterstützen,“ erklärt Damien Marion, der bei humedica die Hilfsgütertransporte koordiniert. „Darüber hinaus verteilen unsere Partner Lebensmittel an all diejenigen, die durch den Krieg alles verloren haben. Jetzt im Winter ist es kalt. Strom fällt immer wieder aus. Energie zum heizen ist kaum zu bekommen. Wir verteilen deshalb auch Brennholz und Generatoren.“

Egal ob umgebauter Krankenwagen oder Gemeinderaum: Die Ärzte behandeln die Menschen dort, wo immer es möglich ist.

Katia und ihr Sohn Tymur sind dankbar für diese Hilfe. Die Ärztin und ihr neunjähriger Sohn flohen kurz nach Kriegsbeginn aus ihrem Dorf in der Nähe von Kyiv – gerade noch rechtzeitig. Nachdem sie weg waren, wurde es komplett zerstört. Wer fliehen wollte, wurde umgebracht. Unterwegs gerieten die beiden in Bombenbeschuss. „150 Meter von uns weg klaffte plötzlich eine Lücke in einem Wohnblock, in die vier Kleinbusse passten.“ Tymur kommen die Tränen, wenn er daran zurückdenkt. Immer wenn er ein Geräusch hört, wird er wachsam. Jetzt sind die beiden erstmal in Sicherheit – so es die gibt in einem Land, in dem Krieg herrscht.

32 Kamele, 26 Kühe und 135 Ziegen besaß Hawa mal – jetzt sind sie fast alle tot. Was die Tiere produzierten, davon konnten die alleinerziehende Mutter und ihre fünf Kinder leben – den Rest verkauften sie. Hawas Mann starb, als sie mit dem jüngsten Kind schwanger war – seitdem muss die 49-jährige die Familie allein durchbringen. Alles andere als einfach im Süden Somalias, wo es seit über vier Jahren nicht geregnet hat. „Die Böden sind ausgetrocknet. Es wächst dort kaum noch etwas. Wir hatten einen Brunnen, doch der ist versiegt,“ erzählt Hawa. „Wasser zuzukaufen konnte ich mir nicht leisten – das ist viel zu teuer.“

Also verließ sie schweren Herzens ihre Weideflächen und zog mit ihrer Familie nach Dollow, wo es große Flüchtlingslager gibt. Bevor sie in Dolow ankam, war sie mehrere Tage dorthin unterwegs und erinnert sich noch sehr genau an die Strapazen der Reise: „Wir wussten nicht, wo wir die nächste Mahlzeit hernehmen sollten. Tagelang hatten wir nichts zu essen. Wir mussten um Wasser betteln, denn die Wasserstellen waren versiegt. Wo es noch Wasser gab, war es verunreinigt. Wasser aus Flaschen gibt es nur in den großen Städten und für viel Geld. Das konnten wir uns nicht leisten,“ berichtet Hawa. Sie ist froh, jetzt Hilfe zu bekommen.

Mit Lebensmittelgutscheinen Hunger bekämpfen

Über den örtlichen Partner „Kaalmo Relief & Development“ (KRD) versorgt humedica Hawas Familie und viele andere im Camp mit Lebensmitteln. Die Familie erhält Gutscheine, die sie im Geschäft gegen Reis, Bohnen, Zucker, Reis und Weizenmehl eintauschen kann. „Das hilft, dass ich meine Familie wieder ernähren kann“, erzählt Hawa dankbar.

„Das Gutscheinsystem, das wir in Dollow anwenden, hat gleich mehrere Vorteile“, erklärt Vjollca Racaj, die bei humedica für das Projekt in Somalia verantwortlich ist. „Die Familien können das essen, was sie mögen und wie es ihrer traditionellen Ernährung entspricht. Da wird nichts vorgegeben. Dadurch, dass die Gutscheine bei örtlichen Händlern eingelöst und die Lebensmittel nicht einfach verteilt werden, unterstützen wir außerdem die örtliche Wirtschaft. So erhalten wir die Lebensgrundlage auch für die örtlichen Händler und schaffen Arbeitsplätze für sie.“

Auch Mohammed freut sich über die Unterstützung. Der Vater von neun Kindern hätte nie damit gerechnet, für das Hilfsprogramm von KRD und humedica ausgewählt zu werden. „Ich musste mich entscheiden, schicke ich meine Kinder zur Schule oder kaufe ich essen“, erzählt er. „Jetzt stellt sich die Frage nicht mehr. Dafür bin ich sehr dankbar.“

Dank Ihrer Spende konnten wir das Leben der Familien von Hawa und Mohammed verändern. Bitte bleiben Sie mit uns an der Seite der Menschen am Horn von Afrika.  

Seit vielen Jahren führt humedica zusammen mit dem christlichen lokalen Partner Prison Fellowship (PF) medizinische Einsätze in Gefängnissen in Uganda, Togo oder auch dem Sudan durch. Die Menschen in den Gefängnissen haben häufig unterschiedliche Hintergründe, einige sind dort ohne Verurteilung oder warten auf ihr Gerichtsverfahren. Was alle gemeinsam haben ist eine fehlende medizinische Versorgung. In den Gefängnissen fehlen Ressourcen und Fachkräfte, um die Insassen zu versorgen, die dort oft auf engstem Raum leben. Im Oktober diesen Jahres war nun Dr. med. Silke Grünberg mit einem humedica-Team im Sudan, um ihnen zu helfen.

Heiße 38 Grad Celsius erwarteten uns, als wir am Abend des 15. Oktobers in Khartum, der Hauptstadt des Sudan, aus dem Flugzeug stiegen. Für die meisten Teammitglieder nichts Neues, denn bereits im Vorjahr war das Team zum Einsatz im Sudan gewesen. Damals mussten wir unsere Arbeit wegen eines Militärputsches vorzeitig beenden und einige Tagen im Hotel ausharren – denn auch der Flughafen war infolge der Ereignisse gesperrt.

Ankommen im Sudan und ein herzliches „Hallo“

Dieses Mal konnten wir am Flughafen viele alte Bekannte aus den vergangenen Einsätzen herzlich begrüßen. Allen voran Mama Niamat, eine rüstige Dame in den Siebzigern, die es sich – trotz diverser Gebrechen – nicht hat nehmen lassen, uns persönlich in die Gefängnisse zu begleiten und dort die Administration zu übernehmen. Und ebenso Margaret, eine taffe Enddreißigerin, die für uns die komplette Logistik, wie Hotelübernachtungen, Essen und Inlandsflüge, übernommen hat und immer mit Rat und Tat an unserer Seite stand.  

Nach der Eröffnungszeremonie mit mehreren sudanesischen Generälen und dem deutschen Botschafter nahmen wir am Tag nach unserer Ankunft unsere Arbeit auf.

Fußfesseln, die betroffen machen

Für die nächsten drei Tage hieß es dann, den mehr als 7.000 Inhaftierten des Gefängnisses in Al-Huda zu helfen. Einige von ihnen haben Fußketten, die bei jedem Schritt rasseln. Dieses Geräusch, diese Ketten machten uns sehr betroffen, denn die Gefangen mit Fußfesseln sind die, die zum Tode verurteilt wurden. Die Inhaftierten werden nicht in Al-Huda hingerichtet. Dafür werden sie in ein anderes Gefängnis gebracht und dort erhängt. Für mich war besonders dramatisch, dass der Gefangene selbst nicht weiß, wann das passieren wird: Morgen? Oder in drei Jahren?

Trotzdem konnten wir auch Verbesserungen seit unserem letzten Besuch in Al-Huda feststellen: Es wurde eine Krankstation eingerichtet mit Röntgengerät, Zahnarztstuhl und einem Labor.

Frauen mit Familie – im Gefängnis

Als Nächstes stand das Omdurman Frauengefängnis auf dem Plan. Auch dort waren wir schon alte Bekannte. Das Gefängnis ist immer etwas besonders, da die Frauen ihre Kinder dort bis zum fünften Lebensjahr bei sich haben. Deshalb haben wir dort auch immer eine große Anzahl von pädiatrischen Patienten – erfreulicherweise meist ohne schwere Erkrankungen, denn vor Ort gibt es ein Labor und zumindest einige Medikamente für Kinder.

Sind die Kinder älter als fünf Jahre sollen sich die Familien der Insassen weiter um die Kinder kümmern. Ob das immer gelingt, ist für uns unklar. Falls es keine Angehörigen gibt, gehen wir davon aus, dass die Kinder auf der Straße leben müssen.

Am 21.10.22 waren Proteste in allen größeren Städten angekündigt. Unsere Sicherheitskräfte waren besorgt und brachten uns von Khartum ins zirka 150 Kilometer südlich liegende Wad Madani. Das funktionierte reibungslos, nur arbeiten sollten wir an diesem Tag nicht mehr. Das Gefängnis dort würde uns erst am nächsten Tag in Empfang nehmen. Das „Willkommen“ war dafür umso größer, denn wir wurden mit einer Blaskappelle empfangen.

Wie ein einfacher Sturz zu einer Behinderung wird

Der gesundheitliche Zustand der Gefangenen war leider nicht besonders gut. Es zeigten sich viele Hautkrankheiten, wie Krätze und Pilzinfektionen der Haut sowie Infektionskrankheiten. Unsere Erfahrung als Mediziner sagt uns, dass das meist auf schlechte hygienische Zustände zurückzuführen ist. In Wad Madani bin ich Muhammad*, einem zirka dreißigjährigen, jungen Mann, begegnet. Er war sechs Monate zuvor gestürzt und hatte sich eine Kniescheibe gebrochen. Eine sachgemäße, zeitnahe Behandlung hatte nicht stattgefunden. Da die Kniescheibe die Sehne verbindet, die vom Schienbein zur Oberschenkelmuskulatur führt, ist er im Augenblick unfähig das Bein gestreckt zu halten. Es knickt bei jedem Schritt weg.

Muhammad hat durch den Sturz eine Behinderung, die durch eine relativ einfache Behandlung zu verhindern wäre. Als Ärzte weisen wir bei unseren Besuchen im Gefängnis immer wieder auf solche Missstände hin und rieten, Muhammad solle in einem Krankenhaus behandelt werden. Die Entscheidung darüber liegt allerdings in der Hand der Gefängnisleitung.

Zurück in Khartum erwartete uns als nächstes ein Gefängnis, in dem auch politische Gefangene inhaftiert sind, unter anderem Omar al-Bashir, der ehemalige Präsident des Landes. Wir würden ihn während der Behandlungen allerdings nicht zu Gesicht bekommen.

Es folgte ein dreitägiger Aufenthalt in Port Sudan und dem nahegelegenen Suakin. Die Zustände im Gefängnis in Port Sudan waren ähnlich wie in Khartum: Man scheint bemüht, eine gewisse Grundversorgung zu gewährleisten. Hingegen war im Gefängnis in Suakin, welches nur ein ganz klein ist und weit außerhalb liegt, der Bedarf an allem groß.

Fazit: Die humedica-Gefängniseinsätze helfen!

Nach der ereignisreichen Reise im Sudan, stelle ich fest: Es sind positive Entwicklungen in Bezug auf die medizinische Versorgung der Gefangenen zu erkennen, wie die Etablierung einer Krankenstation in Al-Huda und die Versorgung der inhaftierten Frauen und Kinder. Insgesamt konnten wir 2.034 Patinnen und Patienten behandelt und zusätzlich 361 zahnärztliche Behandlungen vornehmen.

Auch war es bei Notfällen (wir hatten einige wenige) möglich die Patienten sofort zum Krankenhaus zu transportieren. Eine Tatsache, die früher nicht immer möglich war. Die stadtnahen Gefängnisse scheinen zudem mehr Austattung zu haben als die eher ländlich gelegenen. Die regelmäßigen Besuche eines humedica-Teams mit dem Partner PFI über viele Jahre haben meiner Meinung nach Früchte getragen. Eine gute Nachricht!

*Name geändert

Vor allem durch Gipfel wie den Mount Everest bekannt, bietet Nepals Natur auch abseits sportlicher Aktivitäten große Herausforderungen. Naturkatastrophen gehören hier zum Leben dazu. Wie die Nepalesen gelernt haben, damit umzugehen.

Langsam und stetig, beinahe rhythmisch kämpfen sich die Fahrzeuge, Menschen und Tiere auf Nepals Straßen voran. Rund sechs Stunden brauchen wir für die 160 Kilometer von Nepalgunj, das im Westen Nepals liegt, nach Chaurjahari, wo wir das Krankenhaus besichtigen wollen, das humedica unterstützt.

Auf unserem Weg fahren wir an bunten Häusern in Kastenform vorbei, gelb pinkrosa und grün wechseln sich ab. Teilweise kann man auch die roten Ziegel sehen, aus denen sie gebaut sind. Je ländlicher es wird, desto einfacher werden auch die Hütten, manche scheinen ganz aus Lehm zu sein. Irgendwann hört dann die Straße auf, zumindest das, was wir als Straße bezeichnen. Stattdessen: Festgefahrener hellbraun-gelblicher Boden.

Wobei das „fest“ von der Jahreszeit abhängt. „In der Regenzeit fahren die Menschen halt soweit sie kommen“, erzählt Thomas Meier, Partnership und Communications Manager beim Partner Human Development and Community Services (HDCS) und für humedica koordinierend in Nepal tätig. Als wir einen Blick aus dem Fenster werfen, sehen wir eine Autorikscha, die sich gerade durch ein etwa 40 Zentimeter tiefes Schlagloch kämpft.

Das Krankenhaus in Chaurjahari ist abgelegen. Die Straße wird immer abenteuerlicher: Auf der einen Seite des Weges wird der Abhang immer steiler, auf der anderen Seite die Berge immer höher, sodass man das Gefühl bekommt, nördlich des Krankenhauses könne nicht mehr viel kommen. Trotzdem ist es zentraler Anlaufpunkt für viele Menschen aus der Umgebung. Manche tragen ihre Angehörigen und Freunde bis zu drei Tage auf einer Trage dorthin, damit ihnen geholfen wird.

Binisha mit ihrem Mann und ihrem neugeborenen Sohn.

Eine von ihnen ist Binisha*. Die 22-Jährige war schwanger und hat sich auf den Weg gemacht, als ihre Wehen einsetzten. Vier Stunden Fußweg sind es von ihrem Zuhause bis nach Chaurjahari. Ihr Mann hat sie getragen, ihre Mutter kam mit. „Ich kannte das Krankenhaus schon vorher und wollte deshalb auch unbedingt zur Geburt herkommen“, erzählt Binisha. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte: Sie hatte wenig Fruchtwasser und benötigte einen Kaiserschnitt. „Jetzt bin ich überglücklich“, lacht die frisch gebackene Mutter während sie ihren kleinen Sohn präsentiert.

Wie wir erfahren, sind viele Geschichten hier im Krankenhaus aber nicht mit so einem freudigen Ereignis verbunden. Viele der Patienten leiden an Verbrennungen, weil in Nepal oft noch an einer offenen Feuerstelle gekocht wird. Die häufigsten Verletzungen sind allerdings orthopädischer Natur: Bauern rutschen im steilen und während der Regenzeit schlammigen Gelände aus; Frauen, die im Wald auf Bäume klettern, um Futter für das Vieh zu sammeln, fallen herunter; schlecht gewartete Busse kommen von den unebenen Straßen ab und stürzen im schlimmsten Fall den Abhang hinunter. Gründe für Brüche gibt es in Nepal viele.

Welche dramatischen Auswirkungen so ein Sturz haben kann, hören wir von Bikram, den wir im Parbat-Gebiet treffen. Nachdem wir eine der sich ewig windenden Bergstraßen entlanggefahren sind, halten wir nahe eines Abhangs. Von dort geht es zu Fuß einen schmalen langen Weg zu Bikrams Haus, das malerisch gelegen ist. Doch so schön die Gegend in der Trockenzeit auch wirkt, so gefährlich ist sie während der Regenzeit. Das musste Bikram am eigenen Leib erfahren, als er vor zehn Jahren ausrutschte. Die Folge: Eine Querschnittslähmung.

Bikram und seine Frau präsentieren die Handwerksarbeiten, die Bikram selbst herstellt.

„Ich bin hier dank meiner Familie und unseren Nachbarn. Sie haben für den Transport ins Krankenhaus zusammengelegt, sodass ich sofort operiert werden konnte. Hier im Dorf beschimpft mich auch niemand als behindert, Sie unterstützen mich alle“, erzählt Bikram gerührt. Diese Unterstützung machte ihm Mut, weiterzumachen. Er lernte, wie er kleine Hocker selbst herstellen kann, die er dann auf dem Markt verkauft. Und auch kleinere Reparaturen an dem Rollstuhl, den er durch humedica und den Partner International Nepal Fellowship (INF) erhalten hat, führt er selbst durch. „Durch meinen Unfall habe ich gelernt, wie wichtig es ist, den Mut und das Vertrauen in sich selbst nicht zu verlieren. Man muss weiter etwas tun. Ich gebe nach wie vor, was ich kann. Das hat mir geholfen, meinen Frieden mit dieser Sache zu machen“, verrät Bikram.

Den Menschen in Nepal machen aber nicht nur Knochenbrüche zu schaffen. Wie gewaltig die Natur ist, welche Kraft sie hat, merkt man hier deutlicher als in Deutschland. „Wenn durch einen Erdrutsch die Straße versperrt ist oder sogar weggespült wurde, wird einfach drumherum gebaut. Je weiter man ins Gebirge kommt, desto eher ist das dann aber nicht mehr möglich“, erzählt uns Meier, als wir an eine solche Abbruchkante kommen. Erdbeben, Erdrutsche und Sturzfluten: Mehrere Tausend solcher kleinen Katastrophen gibt es in Nepal jährlich.

Auch Gita lebt in so einem Gebiet, das die Natur fest im Griff hat: Überflutungen sind in Raptisonari nichts Ungewöhnliches. Ein Großteil der Bevölkerung lebt dadurch am Existenzminimum, denn jedes Mal, wenn der nahe liegende Fluss auf ein Vielfaches seiner normalen Größe anschwillt, ist alles verloren, was vor den Wassermassen nicht gerettet werden kann. Viele Menschen haben deshalb nichts mehr. Sie müssen jedes Mal wieder von Null anfangen. humedica hat deshalb mit dem Partner INF Nepal ein Projekt gestartet, durch das sich die Menschen langfristig etwas aufbauen können, das ihnen niemand nehmen kann.

Gita zeigt ihr neu erworbenes Wissen an der Nähmaschine.

So hat Gita einen Nähkurs besucht. Gerade einmal vier Monate später hat sie schon so viele Aufträge, dass sie damit ihre Familie versorgen kann. Als wir sie besuchen, näht sie gerade ein Nachthemd für eine Kundin. Traditionelle Kleidung ist in der ländlichen Gegend besonders gefragt. „Ich interessiere mich aber mehr für moderne Kleidung, auch wenn die Nachfrage nicht so hoch ist. Da würde ich gern noch mehr lernen und ausprobieren. Am liebsten würde ich irgendwann auch selbst Kurse geben“, verrät sie schüchtern lächelnd.

Gitas Zukunftspläne, Bikrams Mut, Binishas Freude: Es sind die Menschen, die die Reise durch Nepal so besonders gemacht haben – und in einer Welt voller Katastrophen auch mir Hoffnung gegeben haben.

„Das Besondere an ‚Geschenk mit Herz‘ ist diese unglaubliche Dynamik“, Roswitha Bahner-Gutsche ist voll dabei, wenn sie von „ihrer“ Aktion spricht. Sie leitet die Weihnachtspäckchenaktion von humedica seit vielen Jahren und weiß: „Geschenk mit Herz bringt alle zusammen.“

Jung und Alt, Unternehmen und Privatpersonen, Männer und Frauen, Kinder und Erwachsene, die Menschen hier in Deutschland und die Kinder in Osteuropa und Übersee. Einfach jeder ist bei der Weihnachtspäckchenaktion von ­humedica mit Freude dabei. 2022 wird „Geschenk mit Herz“ 20 Jahre alt. „Es ist unglaublich, welche Energien die Aktion freisetzt. Jeder möchte ein Teil davon sein und Kinder in Not glücklich machen“, ist Bahner-Gutsche begeistert.

Deshalb ist „Geschenk mit Herz“ auch so erfolgreich. Zwischen 70.000 und 85.000 Weihnachtspäckchen packen die Menschen in Bayern jedes Jahr. Diese werden dann in Kaufbeuren kontrolliert und anschließend per LKW nach Osteuropa transportiert. „Wie viele Menschen tatsächlich daran beteiligt sind, dass wir am Ende strahlende Kinderaugen sehen können, ist kaum abzuschätzen“, freut sich Bahner-Gutsche. „Es dürften Hunderttausende sein, vom Schulhausmeister über Unternehmen bis hin zu unzähligen privaten Initiativen. Einen großen Anteil unter den Päckchenpackern machen Kindergärten und Schulklassen aus. Viele Lehrer und Erzieher bauen das Thema Solidarität mit Ärmeren in den Unterricht ein und packen gemeinsam mit den Kindern Weihnachtspäckchen. Das Thema passt sehr gut zu St. Martin“, weiß Bahner-Gutsche.

Dabei war „Geschenk mit Herz“ nicht immer so groß. „Wir haben vor 20 Jahren im Umkreis unseres Standortes Kaufbeuren begonnen“, erinnert sich humedica-Lagerleiter Hermann Schäffler an die Anfänge und erzählt weiter: „Damals waren es rund 900 Päckchen, die hier in der Stadt und den umliegenden Gemeinden gepackt wurden.“ Erst als ein paar Jahre später Sternstunden e. V. als Partner dazu kam und der Bayerische Rundfunk zunächst mit Radio Bayern 3, später mit Bayern 2 Medienpartner wurde, nahm die Aktion richtig an Fahrt auf. Die meisten „Geschenke mit Herz“ wurden im Jahr 2014 gepackt. Damals waren es mehr als 93.000.

Die Päckchen werden nochmal liebevoll kontrolliert, bevor sie an die Kinder geliefert werden.

Jedes einzelne gepackte Geschenk wird in der humedica-Lagerhalle noch einmal angeschaut. Deshalb ist es wichtig, dass Deckel und Paket jeweils extra beklebt sind und das Päckchen nur mit einem Gummiband verschlossen ist. Die Kontrolle sei notwendig, damit die Päckchen ungefähr gleichwertig sind, erklärt Bahner-Gutsche. „Man stelle sich vor, zwei Kinder machen miteinander ihre Geschenke auf. Eines ist prall gefüllt mit teuren Spielsachen, im anderen sind nur ein paar wenige Kleinigkeiten. Wie würden Sie sich als das Kind mit dem zweiten Geschenk fühlen?“ Die „Geschenk mit Herz“-Koordinatorin verweist auf die Packliste: „Dadurch, dass wir in der Packliste vorgeben, welche Dinge ins Päckchen gehören, wollen wir solche Ungleichheiten verhindern. Gleichzeitig haben die Päckchenpacker trotz der Liste noch immer genügend Freiräume, um ein individuelles Geschenk zu gestalten.“

Die Kontrolle ist aber auch für etwas anderes gut. „Einmal habe ich eine Krankenkassenkarte aus einem Päckchen gefischt“, erinnert sich Bahner-Gutsche. „Ein Kind hatte sie bewusst, aber ohne Wissen der Mutter, ins Päckchen gepackt. Es habe dafür sorgen wollen, dass sich das Kind, welches das Paket erhält, auch eine gute medizinische Versorgung leisten könne.“ Über eine Kontaktaufnahme mit der Krankenkasse habe man die Karte schließlich zurückgeben können. Aber auch Autoschlüssel und andere Dinge, die aus Versehen ins Päckchen gerutscht seien, habe man laut Bahner-Gutsche schon gefunden.

Paul Sandor Photography

„Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre ‚Geschenk mit Herz‘ gar nicht möglich. Jedes Jahr nach St. Martin stehen sie in der humedica-Lagerhalle und kontrollieren Päckchen“, berichtet die Aktionsleiterin. Auch bei den meisten Sammelstellen, bei denen Päckchen überall in Bayern abgegeben werden können, sind Ehrenamtliche die treibende Kraft. Und die LKW, die die Päckchen von den Sammelstellen in die humedica-Zentrale in Kaufbeuren transportieren, werden ebenfalls ehrenamtlich gesteuert. „Viele dieser Fahrer nehmen sich extra Urlaub und freuen sich das ganze Jahr auf die Fahrten“, verrät Bahner-Gutsche. „Oft bringen die Kinder die von ihnen gepackten Geschenke persönlich zum LKW und schicken sie damit quasi auf die Reise zu einem anderen Kind.“ „Geschenk mit Herz“ verbindet eben.

Etwas Besonderes geplant ist zum 20-jährigen Jubiläum der Aktion nicht. „Wie immer stehen die Kinder im Mittelpunkt“, erzählt Bahner-Gutsche. „Die strahlenden Kinderaugen am Anfang und am Ende der Aktion sehen zu können, ist für uns Fest genug. Wir hoffen für die nächsten 20 Jahre.”

Vielen Dank für Ihr Interesse. Die Anmeldung für die Veranstaltung ist bereits beendet.

Seit fast einem Jahr herrscht Krieg in der Ukraine. Durch die Kampfhandlungen wurde vielerorts die medizinische Versorgung stark in Mitleidenschaft gezogen. Infrastruktur wie Krankenhäuser und Kliniken sind beschädigt oder zerstört.

Hier setzt die Hilfe von humedica an. Wir unterstützen Mobile Kliniken, um den Menschen in ehemals besetzten Gebieten eine kostenlose gesundheitliche Grundversorgung zu ermöglichen.

Wir möchten Ihnen in einer interessanten Kurzveranstaltung zeigen, welche Leistungen die Mobilen Kliniken anbieten und warum diese Hilfe jetzt und in den kommenden Wochen und Monaten so wichtig ist. Melden Sie sich jetzt über das nachfolgende Formular an.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Wann?

Am Donnerstag, den 26. Januar von 12:05 Uhr bis 12:35 Uhr

Wo?

Digital per Zoom

Beinahe 90 Millionen Menschen waren Ende 2021 auf der Flucht. Was das für sie bedeutet? Das kann man sich gar nicht richtig vorstellen. Drei Menschen erzählen ihre Geschichte. Davon, wie es ist, flüchten zu müssen.

„Entweder du fliehst oder du stirbst“, fasst Tihomir Lipohar, Abteilungsleiter Internationale Projekte und Zusammenarbeit bei humedica, seine Entscheidung zusammen. 1991 brach im ehemaligen Jugoslawien Krieg aus und stellte den gebürtigen und muttersprachlichen Kroaten vor die Wahl: Bleibe ich und riskiere mein Leben oder gehe ich?

Vor diese Entscheidung wurden bereits viele Menschen gestellt. Allein Ende 2021 waren laut UNHCR knapp 90 Millionen Menschen auf der Flucht, Tendenz steigend. Die Gründe dafür sind vielfältig. Neben Krieg ist es vor allem der Hunger, der Menschen dazu bringt, ihre Heimat zu verlassen. Die grundsätzliche Entscheidung „Flucht oder Tod“ bleibt dabei die Gleiche.

Dass diese Entscheidung nicht leichtfällt, merkt man Lipohar an, wenn er von seinen eigenen Erfahrungen berichtet. „Niemand möchte auf der Flucht sein. Das ist kein normaler Zustand“, erklärt er. „Du lässt in so einer Situation ja auch die Zukunft zurück. Ich habe mir Gedanken gemacht, was die anderen sagen, wenn ich zurückkommen möchte. Ob sie dann fragen, wo ich gewesen bin, als es brenzlig war, als es wichtig war.“ Flüchten und nicht mehr zurückkehren war keine Option für ihn – ebenso wie das Leben seiner Familie sowie sein eigenes aufs Spiel zu setzen.

Also beschloss er, erst einmal seine Frau und seine sieben und neun Jahre alten Mädchen in Sicherheit zu bringen. „Wenn man flieht, überlegt man sich, wo kann ich hin? Wo habe ich einen Bezugspunkt?“, erzählt Lipohar. Erste Station war daher die Heimat seiner Frau im Norden des heutigen Kroatiens. Als er sich daran zurückerinnert, muss er kurz lachen. „Ich habe damals zu meiner Frau gesagt: Ich ziehe meinen besten Anzug an. Ich werde doch nicht in irgendwelchen Klamotten flüchten. Ich ziehe mich an!“, fällt es ihm wieder ein.

Obwohl alle heil bei den Schwiegereltern ankommen, überschattet die Belastung, der die Kinder ausgesetzt waren die Wiedersehensfreude. Denn auf dem Weg kommt die Familie an mehreren Kontrollpunkten serbischer Aufständischer vorbei. Der Vater verhandelt die Durchfahrt, während Gewehre auf ihn gerichtet sind. „Als mir meine jüngere Tochter hinterher beschrieben hat, wie sie sich gefühlt hat, habe ich verstanden: Sie hatte das erste Mal in ihrem Leben Angst. Es hat mich wütend gemacht, dass Menschen ein Kind in so einen Zustand versetzen“, erzählt er, während sich seine Stimme selbst heute noch leicht aufgebracht hebt.

Als es schließlich auch im Norden Kroatiens zu unsicher wird, flüchtet die Familie weiter nach Deutschland, wo Lipohar einen Teil seiner Jugend verbracht hat. Er selbst kehrt als humanitärer Helfer immer wieder für mehrere Monate zurück nach Kroatien.

Manchmal ist er 16 Stunden am Tag unterwegs, um zu helfen. Die Arbeit hält in beschäftigt. „Das ist wie bei einer frischen Wunde – alles ist noch warm und frisch und du fühlst es noch gar nicht richtig. Das Emotionale, das Verarbeiten dieses Traumas kommt viel später“, beschreibt der heutige Abteilungsleiter den Zustand, in dem er sich damals befunden hat.

Wenn er doch einmal etwas Zeit zum Nachdenken hatte, packte ihn die Wut. Die Wut darüber, dass jemand anderes sich das Recht nimmt, sein Leben normal weiterzuleben, während man selbst zum Spielball wird und fliehen muss. „Ich glaube an Gott und habe deshalb in der Bibel nach ähnlichen Situationen wie meiner gesucht. Das hat mir für mein Mindset wirklich geholfen“, erklärt er, wie er es geschafft hat, weiterzumachen. „Speziell eine Stelle in den Sprüchen des Salomo war für mich wichtig. Dort heißt es: ‚Der Kluge sieht das Unglück kommen und verbirgt sich; die Unverständigen laufen weiter und leiden Schaden.‘ Fliehen bedeutet für mich dadurch nicht, dass ich meine Eigenwertschätzung verliere. Es heißt nur, dass ich nicht dumm bin. Dieser Gedanke hat mir am meisten geholfen. Zu erkennen: Ich kann jetzt nichts tun als auszuweichen.“

Anderen, die helfen wollen rät er, einfach zuzuhören. „Wenn jemand mit sich hadert, was er in so einer Situation tun soll, hat er oft 90 Prozent der Lösung schon parat. Dann ist es wichtig, jemanden zu haben, der einem das bestätigt. Man sieht ja an der Situation mit der Ukraine, wie schwierig so eine Entscheidung sein kann“, rät Lipohar.

Von der Ukraine nach Deutschland und zurück

Einer, der erst vor kurzem solche Überlegungen anstellen musste, ist Jed Johnson von unserer Partnerorganisation „Wide Awake International“ in der Ukraine. Er und seine Frau stammen aus den USA und haben sich 2013 entschlossen, in die Ukraine zu ziehen, um dort Menschen und speziell Kindern mit Behinderung ein Zuhause zu geben. Am 7. März 2022 mussten sie fliehen. „Wir haben 36 Menschen nach Kaufbeuren ins Allgäu gebracht. Menschen mit Behinderung sowie deren Familien und unser Team, um sie zu unterstützen“, erzählt Johnson.

Ankunft der Jugendlichen in Kaufbeuren

Trotz der risikoreichen Lage in der Ukraine fiel die Entscheidung nicht leicht. Einige Familien blieben in der Ukraine. „Für manche ist es unvorstellbar, alles zurückzulassen“, erklärt Johnson die Beweggründe. „Manche haben aber auch schlicht Angst, ihre Kinder an einem anderen Ort nicht versorgen zu können. Sie denken, sie können nirgendwo sonst überleben und sprechen auch keine anderen Sprachen.“

Auch für die Familien, die nach Deutschland gekommen sind, ist es nicht leicht. „Unsere ganze Arbeit dreht sich um Familien und deren Zuhause. Hier müssen die Kinder, um die wir uns kümmern wieder in Einrichtungen leben. Viele der Kids haben auch Traumata aus ihrer Zeit in Einrichtungen. Jetzt, da sie wieder in einer leben, kommen diese Dinge wieder hoch, auch wenn es schön ist und die Menschen so freundlich sind“, gibt der Initiator der Initiative zu bedenken. Er und sein Team beschlossen deshalb im Juli in die Ukraine zurückzukehren.

Für manche hier kein leicht nachzuvollziehender Gedanke – schließlich herrscht in dem Land nach wie vor Krieg. Doch Sicherheit, so Johnson, sei heute nicht das, was wir dachten, dass es sei: „Egal, ob du an COVID, wegen Bomben, an Krebs oder Altersschwäche stirbst, es geht darum: Wie hast du dein Leben gelebt? Hier leben wir nicht, hier überleben wir. Wenn du Flüchtling bist, bist du immer auf die Freundlichkeit, die Hilfe von anderen angewiesen. Das ist nett, aber man weiß nicht, was man selbst tun kann, speziell, wenn man die Sprache nicht spricht und die sozialen Normen nicht kennt.“

Aber nicht nur die psychische Verfassung der Kinder und die Sehnsucht nach dem Zuhause lassen eine Rückkehr zu. Als das Team im März nach Deutschland kam, war das russische Militär gerade einmal 75 Kilometer von ihrem Zuhause entfernt. Jetzt ist es am anderen Ende des Landes. Drei Tage vor der Rückkehr erzählt Johnson, wie sich das für ihn anfühlt: „Ich bin aufgeregt, zurückzukehren, glücklich, dass wir alle zusammen sein werden. Und ich fühle das Gewicht der Verantwortung, dann wieder in einer Kriegszone zu leben. Aber ich weiß, dass es der Ort ist, an dem wir sein sollten und helfen wollen.“

Nach wie vor sind grundlegende Bedürfnisse für die Menschen in der Ukraine entscheidender Schlüssel zur Hilfe. Einfache Dinge, wie Nahrung, Unterkunft und körperliche Gesundheit. Bald wird aber vor allem auch psychische Hilfe nötig sein. „Die Menschen, mit denen wir gesprochen haben, sind im Überlebensmodus. Manche haben kein Zuhause mehr und sorgen sich um ihre Unterkunft, manche sorgen sich darum, woher sie Essen bekommen. Daran zu denken, wie es ihnen geht, fühlt sich unsicher an“, berichtet Johnson seine Erfahrungen im Frühjahr und Sommer 2022.

Er selbst, der die Ukraine inzwischen als Heimat empfindet, sieht sich vor ähnliche Herausforderungen gestellt: „Zu helfen, während man selbst ein Flüchtling ist, ist hart. Ich weiß, es wird der Zeitpunkt kommen, an dem ich an meinem Trauma arbeiten muss. Aber jetzt habe ich keine Zeit dafür. Eines Tages werde ich mich darum kümmern“, stellt er nüchtern fest.

Von Tigray in den Sudan – Flucht mit einer Behinderung

Auch die Familie von Melkyes sorgt sich momentan erst einmal um Grundlegendes, denn der sechs Jahre alte Junge ist querschnittsgelähmt. Seine beiden Eltern Abraha und Salamaweit mussten mit ihren drei kleinen Kindern aus Tigray fliehen, wo 2019 ein politischer Konflikt entbrannte. Seitdem ist es dort nicht mehr sicher und auch Privatpersonen sind vor Angriffen der sich bekriegenden Parteien nicht geschützt.

In Tigray hatte die Familie ein Restaurant, das für ihr Auskommen sorgte. Der Schritt, in den Sudan zu flüchten und alles zurückzulassen, war für sie besonders schwer, denn jetzt stehen sie vor dem Nichts. „Wir stehen vor Herausforderungen, da sowohl mein Mann als auch ich arbeitslos sind. Daher sind wir auf die Hilfe und die finanziellen Mittel von Hilfsorganisationen angewiesen“, berichtet Mutter Salamaweit von der schwierigen Situation, in der selbst tägliche Mahlzeiten keine Selbstverständlichkeit mehr sind.

Melkyes und seine Familie mussten aus Tigray fliehen – für Melkyes besonders schwer, denn er kann nicht laufen.

Zusätzlich zur Flucht belastet die Familie, dass sich Melkyes im Flüchtlingslager nicht frei bewegen kann. Ein Tumor schädigte sein Rückenmark und lähmte ihn. Nun kann er nur noch sitzen oder auf dem Bett liegen. Salamaweit ist dankbar, dass der Junge in dieser belastenden Situation unterstützt wird. „Die Hilfe von humedica ist besonders erwähnenswert, da sie uns mit Medikamenten versorgen“, erzählt die dreifache Mutter.

Denn Flucht bedeutet nicht, dass es einem plötzlich gut geht. Flucht bedeutet aus der gewohnten Umgebung gerissen zu werden, einfach alles zurückzulassen. Flucht bedeuten existenzielle Ängste und psychische Belastung. Weltweit waren Ende 2021 knapp 90 Millionen Menschen in dieser furchtbaren Situation. Wir sind dankbar, dass wir gemeinsam mit unseren Spendern und Partnern wenigsten einem Teil von ihnen helfen können.

Frauen am LKW-Steuer? – Ja bitte!

Christa Geyrhalter ist eine echte Powerfrau. Langeweile in der Rente kennt sie nicht: Enkel, Ehrenämter und Nebenjob organisiert sie nebenbei. Dabei macht sie, wie sie sagt, nur noch Dinge, die ihr Spaß machen – wie zum Beispiel LKW fahren bei humedica.

„Hallo? Christa Geyrhalter am Apparat“, schallt es freundlich-spritzig aus dem Telefon. Einen Termin mit Christa Geyrhalter zu vereinbaren, ist ein Vergnügen. Nach einer Minute und zwanzig Sekunden ist alles geklärt: Wer, wann, wo und worum es geht stehen fest und sind schon auf Geyrhalters kleinem Notizblock notiert. Zeit für Smalltalk bleibt auch noch – heute hat sie keine Zeit, da ist ein Enkel zu Besuch. Aber schon morgen ginge es.

Geyrhalter ist bestens organisiert. Seit 2020 ist die ehemalige Personalratsvorsitzende der Stadt Kaufbeuren in Rente und hat bereits fünf Ehrenämter aufgenommen sowie einen Nebenjob als Coach. Was Geyrhalter dabei wichtig ist: Dass ihr all das wirklich Spaß macht. „Ich will nichts mehr machen, weil es jetzt eben sein muss. Solche Aufgaben, bei denen man eher sagt ‚Naja, machen wir halt‘ kennt man aus dem Beruf. Jetzt muss ich nichts mehr und habe dadurch nochmal eine ganz andere Motivation“, verrät sie das Geheimnis ihres vollen Kalenders.

Ein Ehrenamt, das ihr gleich doppelt Freude bereitet, ist das LKW-Fahren für die humedica-Aktion „Geschenk mit Herz“. Denn Geyrhalter liegen nicht nur Kinder besonders am Herzen, sie fährt auch leidenschaftlich gerne – egal ob es ihr 125er Roller oder der Siebeneinhalbtonner bei humedica ist. „Ich habe mich gefreut, als ich mit 18 Jahren festgestelt habe, dass ich sehr gerne fahre. ‚Das bleibt nicht so‘ haben viele zu mir gesagt. Das stimmte bei mir aber nicht“, verrät Geyrhalter.

Dabei blieb es jedoch immer beim Hobby: „Mal die Route 66 zu fahren, wäre in jungen Jahren natürlich ein Traum gewesen. Aber letztendlich mache ich das als Hobby. Man wäre dann ja die ganze Zeit alleine ‚auf dem Bock‘, wie es so schön heißt“, überlegt Geyrhalter.

Power im Doppelpack

Bei humedica fährt sie allerdings nicht allein. Um die Päckchen der Weihnachtsaktion „Geschenk mit Herz“ von den Sammelstellen in die Zentrale nach Kaufbeuren zu bringen, fahren die Ehrenamtlichen zu zweit. Dabei durfte Geyrhalter ihre Beifahrer selbst aussuchen. „Meine Mitfahrerin ist Sybill Schuster-Nussrainer. Sie ist immer mit am Start, letztes Jahr bei insgesamt 15 Fahrten“, freut sich die humedica-Ehrenamtliche über ihr tolles Team.

Christa Geyrhalter mit ihrer Team-Kollegin und Beifahrerin Sybill Schuster-Nussrainer bei einer Abholung in München

Geyrhalter und Schuster-Nussrainer waren, seit sie 2020 mit ihrem Ehrenamt begonnen haben, das einzige reine Frauenteam. „Die beiden fallen schon auf“, erzählt Roswitha Bahner-Gutsche, Ehrenamtskoordinatorin bei humedica. Aber nicht, weil sie das einzige Frauenteam sind: „Sie bringen einfach gute Laune mit und strahlen dann eine Menge Power aus“, findet Bahner-Gutsche.

„Es ist ein tolles Miteinander“

„Es ist ein tolles Miteinander. Wenn mal etwas ist, kann man sich jederzeit an die humedica-Mitarbeiter wenden“, freut sich auch Geyrhalter über die gute Stimmung.Aber auch bei den Abholungen hat ihr Team gute Erfahrungen gemacht. „Meistens sind die Menschen sehr freundlich und hilfsbereit. Auch in Lagern, wo professionell gearbeitet wird. Wir sind ja viel langsamer, weil wir das nicht jeden Tag machen. Aber da ist immer viel Toleranz und Geduld da“, lacht Geyrhalter.

Die Ehrenamtliche findet es wunderbar, dass sie sich die LKW-Touren, soweit es geht, aussuchen und so ihre Zeit selbst einteilen kann: „So viele LKWs und Menschen so zu koordinieren, dass sie an an die richtige Stelle zum richtigen Zeitpunkt kommen und dass dort dann alles gemanagt wird – das ist ein großes Dankeschön wert“, lobt die humedica-Fahrerin die Organisation der Aktion „Geschenk mit Herz“.

Das richtige Ehrenamt finden

Besonders genießt die Ehrenamtliche, die bereits selbst vier Enkel hat, den Kontakt zu den Kindern, die jedes Jahr an Schulen und Kindergärten viele der Geschenke packen. „Ich finde das Konzept, dass Kinder Kindern helfen, ganz fantastisch. Viele wollen auch wissen, in welche Länder das dann geht“, erzählt Geyrhalter.

Auch bei ihren anderen Ehrenämtern liegt ihr Fokus auf Kindern. So ist sie beispielsweise bei Mentor – Bundesvereinigung der Leselernhelfer – engagiert und spielt, bastelt und liest einmal die Woche an der Konradinschule mit einem Mädchen, um ihr die Sprache näher zu bringen. „Ich lese gern. Deshalb unterstütze ich das auch“, verrät Geyrhalter. Für sie ist Lesen Grundvoraussetzung, um im Leben an ein Ziel zu kommen.

Für andere, die ihren Sinn und ihr perfektes Ehrenamt noch suchen, hat sie einen Rat: „Ich glaube, dass es für jeden ein Ehrenamt gibt, das auf sein eigenes Bedürfnis und seinen Charakter zugeschnitten ist“, erklärt der erfahrene Coach. Die Schwierigkeit sei nur, es auch zu finden. Sie selbst hat über Kollegen von dem Ehrenamt bei humedica erfahren. „Deshalb erzähle ich in meinem Bekanntenkreis, was ich hier tue.“

Noch auf der Suche nach Ihrem Ehrenamt? Dann melden Sie sich doch bei unserer Ehrenamtskoordinatorin Roswitha Bahner-Gutsche und erfahren, ob bei humedica vielleicht eine Aufgabe auf Sie wartet, die perfekt zu Ihnen passt.

Roswitha Bahner-Gutsche
08341 966 148 480
r.bahner-gutsche@humedica.org

Katastrophe ohne Ende – warum unsere Hilfe für die Flutopfer von Pakistan jetzt wichtiger ist, denn je

„Das Wasser war überall. Alles wurde zerstört“, berichtet Menno*. Sie und ihre Familie haben alles verloren. „Das Haus ist nicht mehr bewohnbar, das Vieh tot. Wir haben kein Einkommen mehr. Wovon sollen wir leben?“ fragt sie.

Menno lebt im Süden Pakistans – dort wo im Sommer die heftigsten Monsunregenfälle seit Jahrzehnten nieder gingen. Ein Drittel Pakistans wurde dabei überflutet. Über 1.300 Menschen starben, Unzählige verloren ihre Existenz. Insgesamt waren 33 Millionen Menschen von den Folgen der Überflutungen betroffen – die Hälfte davon Kinder.

„Es hat lange gedauert, bis jemand kam, um uns zu helfen“, berichtet Menno. „Wir mussten hungern – einen Tag fanden wir etwas zu essen – am nächsten wieder nicht. Am meisten setzt das den Kindern zu.“

Einen Tag gibt es etwas zu essen, den nächsten nicht. Das ist für Kinder besonders gefährlich.

Über den lokalen Partner „Pak Mission Society“ (PMS) war humedica schnell vor Ort. Dank der Unterstützung unserer Spender konnten wir Menno und viele andere Menschen im Land mit Lebensmitteln und weiteren Dingen versorgen, die ihnen das Überleben sicherten.

Doch auch jetzt, mehrere Monate nach der Katastrophe, ist die Lage für viele Betroffene aussichtslos. Menno hat Angst. „Wir leben noch immer in Zelten. Das Wasser fließt nur langsam ab und es ist feucht“, erklärt sie. „Wir haben keinen Ort, an dem es sauber ist.“   

„Oft ist es so, dass für die Betroffenen auf eine Katastrophe eine weitere folgt, die viel länger andauert“, weiss Steffi Gentner, erfahrene Einsatzkraft und bei humedica für die Koordinierung der Projekte zuständig. „Das Wasser und auch die mediale Aufmerksamkeit sind deutlich zurück gegangen, doch die Probleme der betroffenen Menschen bleiben groß. Sie müssen sich alles wieder aufbauen – das Haus, aber auch die restliche Existenz.“ Bei Menno haben die Fluten mit dem Vieh auch die wichtigste Einnahmequelle der Familie weggespült.

Das Wasser ist zurückgegangen. Doch jetzt sehen sich die Menschen in Pakistan mit zerstörter Infrastruktur konfrontiert.

Hinzu kommt, dass die Fluten in Pakistan auch große Teile der Infrastruktur zerstört haben. „Viele Krankenhäuser sind beschädigt und nicht einsatzbereit. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem Krankheiten wie Cholera drohen“, erklärt humedica Pakistan-Experte Klaus Haas. „Das Wasser kann nur sehr langsam abfließen. Zusammen mit Fäkalien bildet sie eine gefährliche Mischung.“

„Die Hilfsbereitschaft unmittelbar nach Katastrophen ist oft groß“, freut sich Steffi Gentner. „Oft ist es aber so, dass Katastrophen auch sehr schnell wieder aus dem öffentlichen Blickfeld verschwinden. Die Aufgabe von humedica ist es deshalb, die Menschen vor Ort, die nach wie vor unsere Hilfe brauchen, nicht allein zu lassen.“

Dafür sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen. Durch eine regelmäßige Spende befähigen Sie uns, auch langfristig an der Seite von Menschen in Not zu stehen. Herzlichen Dank.

*Name geändert