Mit Liebe wachsen

humedica-Logistikleiter Hermann Schäffler im Porträt

von Julia Kittnar,  25.04.2022

Warum lebe ich überhaupt? humedica-Logistikleiter Hermann Schäffler stellte sich diese Frage schon in jungen Jahren. Die Antwort darauf rettete ihm sein Leben.

Die Rolle als Leiter der humedica-Logistik scheint Hermann Schäffler wie auf den Leib geschneidert. Er ist 1,92 m groß – ein stattlicher Mann. Praktisch veranlagt, wie er sagt. Als Sohn eines Bauern wächst er auf einem Hof im Landsberger Raum auf, in sein Berufsleben startet er als Landmaschinenmechaniker.

An diesem Punkt hätte sich ein anderer vielleicht bereits eine dauerhafte Anstellung bei einem lokalen Arbeitgeber gesucht. Schäfflers Lebenslauf hingegen ist geprägt von Veränderung und verrät die Vielseitigkeit des 60-Jährigen: Nach einem Gartenbaustudium ist er als Berater für biologischen Anbau von Obst und Gemüse bei Naturland tätig. Es folgt eine Anstellung als Hausmeister in der Verwaltung einer Unterkunft für Asylbewerber, wo er sich schnell zum Verwaltungsleiter hocharbeitet. Zwischendurch bewirbt er sich als Entwicklungshelfer in Afrika, damals ohne Erfolg. Bis er 1998 schließlich bei humedica landet.

Sein Antrieb zu so viel Veränderung? „Ich möchte nicht der Bremsschuh sein für das, was Gott für mich vorgesehen hat. Ich will offen sein für Veränderung und auch neue Wege gehen“, erklärt er. Ein Leben führen, das Gott gefällt – für manche mag diese Vorstellung seltsam anmuten. Doch Schäffler erzählt immer wieder davon, wenn er über sein Leben spricht. Und vor allem erzählt er davon, was das für ihn bedeutet.

So zum Beispiel, wenn er von seiner großen Leidenschaft, dem Gärtnern, schwärmt: „Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften hat mich schon immer interessiert. Es muss aber stimmig sein. Wenn man sich für die Umwelt engagiert, aber dann für einen halben Kilometer mit dem Auto zum Einkaufen fährt, passt das für mich nicht zusammen“, kritisiert er. Schäffler mahnt: „Das, was wir hier machen, hat Einfluss auf die ganze Welt.“

Während er davon spricht, gerät er immer mehr in Rage. Diese Ungerechtigkeit auf der Welt ist für ihn ungeheuerlich. Doch schon im nächsten Moment löst sich sein ernster Blick: „Für Gott ist jeder Mensch wertvoll. Da gibt es keinen Unterschied – ob er in Afrika, Asien oder Europa lebt, ob er reich oder arm ist: Jeder Mensch ist gleich wertvoll, unabhängig davon was er geleistet hat oder leisten kann. Das ist meine Grundmotivation“, offenbart der ­humedica-Mitarbeiter.

Jeder Mensch ist wertvoll

Zentral ist für Schäffler deshalb die Art der Hilfe. Die besteht für ihn nicht nur aus materiellen Werten. Zum Beispiel bei „Geschenk mit Herz“: Schäffler hat die Aktion, bei der Ehrenamtliche Weihnachtspäckchen für Kinder packen, von Anfang an begleitet. „2003 haben wir mit 900 Päckchen angefangen. Die habe ich selbst mit einem kleinen VW-LKW eingesammelt. Und dieses Jahr waren es rund 85.000 Päckchen!“, berichtet er begeistert. „Aber was für mich zählt, ist das, was bei den Kindern dabei ankommt. Der Gedanke: Da hat irgendwo jemand an mich gedacht.“

Dieses Gefühl – ich bin geliebt – ist für Schäffler auch ganz persönlich wichtig. „Ich kenne das aus meinem eigenen Leben. In meiner Jugend gab es eine Phase, in der ich dieses Gefühl nicht hatte, obwohl es mir theoretisch an nichts gefehlt hat und auch meine Eltern immer für mich da waren. Aber das ist nicht bei mir angekommen. Ich war dann als Bub oben im Dachboden mit einem Strick und wollte mich umbringen“, schildert er. Irgendetwas hielt Schäffler davon ab. Seitdem ist er mehr denn je davon überzeugt: Gott will, dass jeder Mensch lebt, sich entfalten und aufblühen kann.

„Das ist wie bei meinen Pflanzen“, vergleicht Schäffler. „Du kannst eine Pflanze verkümmern lassen oder eine Umgebung schaffen, in der sie aufblüht. Eine Rose wird eine Rose und ein Apfel wird ein Apfel. Man kann eine Rose nicht zu einem Apfel machen. Aber jeder hat ein Potenzial, das sich entfalten soll.“ Mit Tränen in den Augen fügt er hinzu: „Dass jeder Mensch so wertvoll ist, das kann man nicht immer zum Ausdruck bringen.“

Für Logistikleiter Hermann Schäffler ist Liebe das Wichtigste. Foto: humedica

Für Schäffler selbst sei sein Glauben der Schlüssel zur Heilung gewesen. Dabei spielt die Liebe für ihn eine besondere Rolle: „Ich wusste, Liebe ist das Wichtigste. Aber es hat eine Weile gedauert zu begreifen, dass das mehr als die Liebe zu einer Frau ist. Dass Liebe tiefer und weitreichender ist und viel mehr Formen hat“, erinnert er sich. Für ihn bedeutet echtes Christentum in dieser Liebe zu leben und sie als Werkzeug zu sehen, mit dem sich ganze Gesellschaften verändern lassen.

„Ich bete um Liebe“

Auch in ganz alltäglichen Situationen helfe ihm das. „Alleine in der Ehe gibt es immer mal wieder Situationen, die schwierig sind. Ich bete dann immer: Gott schenke mir Liebe für meine Frau. Das ist meiner Meinung nach das Gebet, das am schnellsten erhört wird – wenn man Gott um Liebe für jemanden bittet.“

Diese Liebe möchte Schäffler weitergeben – privat wie beruflich. Während er privat in seiner Gemeinde Paare mit Eheseminaren unterstützt, sorgt er beruflich dafür, dass alles im Fluss bleibt. „Das ist wie im Lager. Ich kann nicht alles behalten, weil vielleicht niemand mehr etwas spendet. Nein – die Hilfsgüter sollen nicht zu lange im Lager stehen. Erst wenn wir die Spenden weitergeben und helfen, kann etwas Neues nachkommen“, erklärt er.

Herausforderungen meistern

Trotzdem sieht er sich in der humanitären Logistik auch vor Herausforderungen gestellt. Die sogenannte „Letzte Meile“, also die letzten Kilometer zum Ziel, sind schwierig zu planen. Vor allem an Orten, die weit weg sind und vielleicht gerade eine Katastrophe erlebt haben. Auch die stark gestiegenen Preise stellen die Logistik vor eine kaum zu lösende Herausforderung. „Ein Container von China nach Europa hat vor zwei Jahren 1.800 Euro gekostet. Jetzt kostet er 18.000 Euro, also das Zehnfache!“, entrüstet sich Schäffler.

Auch wenn es Schäffler Spaß macht, Lösungen zu erarbeiten, wo es noch keine gibt: Angesichts dieser Lage fühlt er sich manchmal hilflos. Er hofft, dass es gelingt, lokale Strukturen zu stärken, damit die Menschen etwas unabhängiger von den Weltmärkten werden. Bis dahin tut er, was er kann – mit seinem nachhaltigen Garten, mit seiner Arbeit bei humedica und mit seinen Gebeten.

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