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Reisebericht eines Hilfsgütertransports

Wie der humedica-Bus albanischen Erdbebenopfern helfen soll

von Christian Schnetter / Sebastian Zausch, 21.01.2020

Nach dem Erdbeben sind viele Häuser unbewohnbar. Foto: humedica

Aus heiterem Himmel fallen Trümmer von der Decke. Die Erde bebt. Risse ziehen sich durch die Mauern des Gebäudes. Wie lange wird es noch standhalten? Nach dem schwersten Erdbeben der letzten Jahrzehnte Ende November 2019 in Albanien sind die Menschen traumatisiert. Bin ich in meinem Haus noch sicher? Was passiert, wenn die Erde erneut alles in Schwankungen versetzt? Bei dem Beben der Stärke 6,4 kamen mehr als 50 Menschen ums Leben. Unzählige wurden verletzt. Viele Menschen trauen sich nicht mehr in ihre Häuser. Sie sind traumatisiert und auf Hilfe angewiesen.

Unser örtlicher Partner „Swiss Foundation for Innovation (SFI)“ betreut die Menschen in den betroffenen Gebieten seit dem Erdbeben, sowohl medizinisch, als auch dabei, wieder auf die Beine zu kommen. Das Erlebte zu verarbeiten ist für die Opfer des Bebens einer der wichtigsten Schritte in einen, wie auch immer gearteten, Alltag. Doch das wird noch lange dauern.

Alban Bytyqi war für humedica im Ersteinsatzteam in Albanien. Im Video sagt er: Danke für Ihre Unterstützung:

Das humedica-Einsatzteam, das unmittelbar nach der Katastrophe nach Albanien reist, berichtet: Neben Utensilien für das tägliche Leben benötigen die Menschen vor allem Hilfe für ihre Seele. Die Entscheidung ist schnell getroffen. Kurz vor Weihnachten schickt humedica seinen VW-Bus als Spende in das Balkanland. Er soll dem Partner dauerhaft dabei helfen, traumatisierte Menschen aus ihrem gewohnten Umfeld heraus zu holen, damit sie sich in „neutraler“ Umgebung öffnen und gemeinsam mit ausgebildeten Psychologen das Erlebte verarbeiten können.

Die beiden Einsatzkräfte Dieter Schmidt und Christian Schnetter, sollen den Bus nach Albanien bringen. Dieter war bereits Teil des ersten Einsatzteams und kennt die Situation, in der sich die Menschen befinden, daher gut. Neben dem Bus bringen sie Hilfsgüter auf den Balkan, vor allem Zeltmöbel, die helfen sollen, den Alltag in den provisorischen Unterkünften übersichtlicher zu machen.

Christian Schnetter und Dieter Schmidt (v.l.) bringen den Bus und die Hillfsgüter nach Albanien. Foto: humedica

Den Ablauf dieses ganz besonderen Hilfsgütertransports schildert Christian Schnetter in seinem Reiseblog.

Freitag

Ich bekomme einen Anruf von humedica, ob ich für einen Einsatz in Albanien zur Verfügung stehe. Es soll ein Bus mit Hilfsgütern nach Tirana/Albanien gebracht werden. Ich sage zu und beginne mit meinen Vorbereitungen.

Helfen Sie langfristig!

Auch Sie können helfen, Menschen nach einer Katastrophe beizustehen. Als Förderer machen Sie Hilfe planbar. Danke für Ihre Unterstützung.

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Montag

Der Wecker klingelt. Es ist 04:50 Uhr. Eigentlich zu früh zum Aufstehen. Nach dem Frühstück geht es mit dem Auto zum Bahnhof und von dort mit dem Zug nach Kaufbeuren. Es ist noch kalt und bewölkt. Teilweise sieht man den Mond durch die Wolken spitzen.
In Kaufbeuren angekommen, holt mich die Projektleiterin Vjollca mit dem Auto ab und wir fahren gemeinsam in die humedica-Zentrale.

Christian Schnetter und Dieter Schmidt vor dem Start im humedica-Bus. Foto: humedica

Um 10:30 ist der Pressetermin. Dieter und ich werden interviewt und ein Fotograf macht schöne Bilder von der Hilfslieferung, die aus Sanitärutensilien und Zeltmöbeln besteht.

Die Lieferung ist gut verpackt, in einem schönen dunkelblauen Bus. Das Gute daran ist, dass die Verpackung auch noch mobil genutzt werden kann. Mittlerweile ist es 11:00 Uhr. Es wird Zeit loszufahren. Wir verabschieden uns bei allen Anwesenden, fahren Richtung Österreich und dann weiter nach Verona/Italien. Das Alpenpanorama ist wirklich beeindruckend.

Herrliches Alpenpanorama während der Fahrt. Foto: humedica

Als wir um 13:00 Uhr in Österreich auf einem Autobahnparkplatz Pause machen, werden wir von einer großen Schar Spatzen umringt. Herrlich, wie flink und geschickt diese kleinen Vögel die Krümel aus Dieters Hand fressen.

Die Fahrt verläuft gut und ohne Probleme. Es ist trocken, so um die 10°C und teilweise bewölkt. Um circa 17:00 Uhr kommen wir in Verona/Italien an. Nachdem wir im Hotel eingecheckt haben, gehen wir Essen und unterhalten uns über unseren Einsatz und was uns die kommenden Tage erwarten wird. Es gilt die Fähre in Ancona/Italien rechtzeitig zu erreichen und nicht nur das. Die Zollformalitäten und der Check-In wollen auch rechtzeitig abgeschlossen sein.

Spatzen füttern auf der Hinfahrt, eine willkommene Abwechslung. Foto: humedica

Dienstag

Früh brechen wir nach Ancona auf. Je weiter südlich wir kommen, desto wärmer wird es. Als wir um 11:00 Uhr in Ancona ankommen ist es sonnig, 17°C, teilweise bedeckt und eine leichte Brise weht.

Im entsprechenden Gebäude checken wir nun ein und bekommen die Dokumente, damit wir an Bord der Fähre gehen können. Nun werden noch die Formalitäten für den Zoll erledigt. Zwar kommt man um das Warten nicht herum, dennoch sind wir positiv überrascht, wie hilfsbereit die Zöllner sind und wie zügig die Formalitäten erledigt werden können.

Da wir noch etwas Zeit haben (Boarding ist 2h vor Abfahrt), erkunden wir die Zufahrt zur Fähre.

Dieter auf dem Weg zum Zoll. Foto: humedica

Mittlerweile ist es dunkel geworden und wir stehen in der Schlange der Autos, die vom Zoll bereits abgefertigt wurden und auf die Fähre auffahren wollen. Hier heißt es wieder: geduldig warten. Wir schauen zu, wie LKW um LKW und PKW um PKW in das Schiff hineinfahren. Der Bauch der Fähre scheint Unmengen an Fahrzeugen schlucken zu können.

Nachdem wir im Unterdeck den Bus abgestellt haben, geht es zur Rezeption. Wir bekommen den Schlüssel für unsere Kajüte und stellen unser Gepäck ab. Danach gehen wir nach draußen um zuzuschauen, wie sich die Fähre weiter mit LKWs, PKWs und Personen füllt.

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Dann ertönt das Nebelhorn - die Fähre legt ab – es geht endlich los. Wir stehen am Bug und bewundern wie präzise man ein großes Schiff durch so einen kleinen Hafenausgang steuern kann. Etwa 15 Stunden werden wir hier verbringen. Wir freuen uns auf die Ankunft in Albanien und sind gespannt, was uns dort erwartet.

Mittwoch

Gespanntes Warten auf der Reling vor dem Anlegen. Im Hintergrund: Die Skyline von Durres. Foto: humedica

Wir haben bereits gefrühstückt, ausgecheckt, stehen an der Reling und schauen zu wie die Fähre im Hafen „eingeparkt“ wird - es ist 12:00 als uns die Skyline von Durrës/Albanien begrüßt.

Nun muss die Fähre noch entladen werden, bevor wir zu unserem Bus können. Das Wetter ist vielversprechend:
erst warm und grau, im Laufe des Tages sonnig, 17°C und windstill.

Nachdem wir mit unserem Bus von Bord gefahren sind, reihen wir uns in die Schlange der Passkontrolle ein. Währenddessen erzählt uns ein Polizist, dass seine Frau mit den beiden Kindern (2 und 5 Jahre) alleine Zuhause ist. Sie sind traumatisiert und trauen sich nicht mehr in ihr Haus. Er muss arbeiten und kann sich nicht um seine Familie kümmern. Gemeinsam das Erlebte verarbeiten - können sie so nicht.

Dieses Gespräch stimmt uns traurig. Letztendlich ist es aber eine Bestätigung, dass der Bus wirklich benötigt wird um psychologische Hilfe leisten zu können.

Nachdem wir erfolgreich durch die Passkontrolle sind, parken wir den Bus auf dem Zollparkplatz. Ich bleibe im Auto und Dieter macht sich mit dem Dokumentenstapel auf zur „Dogana“, dem albanischen Zoll. Stunde um Stunde vergeht. Zwischendurch kommunizieren wir per SMS. Es heißt wieder geduldig zu sein.

Um 19:00 Uhr kommt Christian Vögeli, der Chef des lokalen Projektpartners SFI. Wir gehen gemeinsam Essen, unterhalten uns über die vielen verschiedenen Hilfsangebote die SFI anbietet. Schnell und effektiv konnten sie Betroffenen nach dem Erdbeben helfen. Darüber, dass sie Dank des Busses ihre Hilfe ausweiten können, freut er sich. Wir übergeben die Dokumente und Schlüssel des Busses, dann geht es ins Bett.

Jetzt heißt es „schnell“ schlafen. Unser Flug von Tirana/Albanien über Istanbul/Türkei nach Stuttgart, bzw. München startet bereits um 02:50 Uhr. Es heißt Abschied nehmen.

In aller früh startet der Flieger zurück nach Deutschland. Foto: humedica

Donnerstag

Wir stehen früh auf, um unseren Flug zu bekommen. Nach Check-In und Passkontrolle begeben wir uns zum Gate.

Als wir in Istanbul ankommen, dürfen wir einen wunderschönen Sonnenaufgang genießen. Gemeinsam sprechen wir über das Erlebte und freuen uns, dass durch dieses Projekt vielen Betroffenen geholfen werden kann.

Auch für uns heißt es nun Abschied nehmen.Dieter fliegt nach München und ich fliege nach Stuttgart. Auch wenn es kein typischer Katastropheneinsatz war, so sind wir von den Gesprächen und Begegnungen tief bewegt. Die Einsatztasche ist bereits wieder gepackt um mit humedica weiteren Menschen zu helfen.

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