Hintergrund:

Was, wenn hier Corona ausbricht?

Ernste Lage für Flüchtlinge auf Lesbos

von Sebastian Zausch,  19.03.2020

Der "Schwimmwestenfriedhof" im Camp Moria auf Lesbos lässt viel über das Leid der Menschen auf der Flucht erahnen. Foto: humedica

„Wenn es hier im Flüchtlingslager einen Corona-Fall geben sollte, wäre das eine Katastrophe“, berichtet Rebekka. Sie ist aktuell als medizinische Einsatzkraft für humedica und die niederländische Organisation „Bootsvluchteling“ im größten Flüchtlingslager Europas, in der Ortschaft Moria auf der griechischen Insel Lesbos, tätig. „Die Menschen leben eng aufeinander, meist in Hütten, die sie aus Holzpaletten und Zeltplanen zusammengezimmert haben. Eine ausreichende Isolierung wäre hier gar nicht möglich.“ Genaue Zahlen, wie viele Menschen in diesem ursprünglich auf etwa 3.000 Menschen ausgelegten Lager leben, gibt es nicht. Schätzungen gehen von mehr als 18.000 aus.

Rebekka und ihre Kollegen in Schutzausrüstung im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Foto: humedica

Rebekka und ihre Kolleginnen behandeln viele Patienten mit grippeähnlichen Symptomen – auch, weil es viele chronische Erkrankungen im Flüchtlingslager gibt. „Zudem war es Anfang der Woche sehr kalt. Die Menschen haben in ihren Zelten gefroren. Jetzt haben viele von ihnen eine Erkältung.“ Wer Symptome aufweist, die auf Corona hindeuten, wird gleich separiert. „Jeden Tag überweisen wir etwa ein bis zwei Verdachtsfälle ins örtliche Klinikum. Bislang waren alle Tests negativ – Gott sei Dank“, freut sich Rebekka, auch, weil es auf der Insel nicht ausreichend Intensivbetten für eine mögliche Versorgung der Flüchtlinge gibt.

Was sie tun sollten, um sich gegen Corona zu schützen, wissen die Menschen in Moria. Nur – die nötige Hygiene und genügend Abstand zu halten, ist in einem Flüchtlingslager schier nicht möglich. „Wir haben einen Bestand an Sicherheitskleidung für uns als Helfer“, sagt Rebekka. „Wie lange die allerdings reichen würde, sollte im Lager tatsächlich Corona ausbrechen, vermag keiner zu sagen“.

Bei einem Feuer im Lager kam ein Kind ums Leben. Die Flammen haben sich rasend schnell verbreitet. "Es ist schwer mit anzusehen , wie Menschen, die eh kaum etwas besitzen, den letzten Rest auch noch verlieren", sagt Rebekka. Foto: humedica

Dringenden Bedarf gibt es auch an medizinischen Helfern. Aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie sind medizinische Fachkräfte in ihren Heimatländern unabkömmlich. „Vor ein paar Tagen wurden zwei Ärzte kurz nach ihrer Ankunft hier zurück in ihre Heimat beordert“, erzählt Rebekka. Andere bekommen nicht die notwendige Freistellung ihres Arbeitgebers. Und selbst wer Zeit hätte, dem erschweren Reisebedingungen und Quarantänevorschriften einen Einsatz für die Flüchtlinge auf Lesbos. „Wir sind ein gutes Team“, berichtet Rebekka und lobt vor allem auch das Miteinander der unterschiedlichen Hilfsorganisationen. „Wenn aber nicht bald weitere Mediziner kommen, sieht es schlecht aus mit der Versorgung der Menschen hier im Flüchtlingslager. Was passiert dann mit all den chronischen Patienten, die zum Beispiel regelmäßig ihr Insulin brauchen? Und was, wenn hier Corona ausbricht?“

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Headerfoto: Tessa Kraal, Bootsvluchteling

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