Hintergrund:

Es gibt noch viel zu tun

Vier Wochen nach der Explosion in Beirut

von Sebastian Zausch,  11.09.2020

We are staying - wir bleiben! Ein klares Statement der Menschen in den zerstörten Häusern Beiruts, dass sie nicht aufgeben. Foto: humedica

„Durch die plötzlich eingetretene Wirtschaftskrise und den extremen Währungsverfall hat sich die Situation für die Menschen im Libanon in den letzten Monaten eh schon massiv verschlechtert. Die Explosion in Beirut machte für viele von ihnen die Lage noch schlimmer“, sagt Roland Hassel. Er war unmittelbar nach der Katastrophe als humedica-Koordinator in das Land gereist, um die Lage einzuschätzen, die Bedarfe festzustellen und unsere Hilfe dort zu organisieren. Nach vier Wochen im Land ist er jetzt zurück nach Deutschland gekehrt.

Äthiopisches Hauspersonal ohne Perspektive

„Große Teile von mehreren Stadtvierteln wurden schwer getroffen“, erzählt er. „Dabei wurden neben Bürogebäuden und Lagerhallen auch viele bewohnte Häuser zerstört. Sehr viele verloren ihre Wohnung und ihren Arbeitsplatz. Eine der gefährdetsten Bevölkerungsgruppen sind dabei junge Migrantinnen die als Dienstpersonal in libanesischen Familien gearbeitet haben. Diese Frauen, die meist aus Äthiopien stammen, haben vor Ort keine Familie, oft keine Papiere und befinden sich auch rechtlich in einer sehr kritischen Situation. Ohne Geld und ohne die Möglichkeit in ihre Heimat zurück zu kehren, leben sie häufig zu zehnt oder sogar zwanzigst auf engstem Raum. Wir kümmern uns gemeinsam mit unserem Partner AMEL darum, dass sie in ihre Heimat zurückkehren können und unterstützen sie mit dem Nötigsten.“ erzählt Roland. „Vermeintliche Kleinigkeiten wie Damenbinden sind als Importgut durch den Währungsverfall für sie zum absoluten Luxusgut geworden. Menstruationshygiene ist häufig mit einem Tabu belegt, daher ist es oft ein vergessenes und vernachlässigtes Thema, aber es ist wichtig auch hier die Bedarfe festzustellen und zu decken.“

Roland im Gespräch mit einem Betroffenen. Foto: humedica

Überall in der Stadt werden freiwillige Helfer benötigt, die beim Wiederaufbau helfen. humedica übernimmt Aufwandsentschädigungen für Verpflegung und Transport der Helfer der lokalen Organisation „Sharing is Caring“ und vermittelt ihnen Kenntnisse in wichtigen Bereichen wie zum Beispiel psychologische Erstversorgung, damit der richtige Umgang mit den vielen von der Explosion traumatisierten Menschen gewährleistet wird.

Hilfe für diejenigen, die nichts haben

In Beirut arbeitet humedica eng mit den Social Development Centern von AMEL zusammen, einer Art Stadtteilbüros, die sich um die Bedürftigen im Viertel kümmern. Sie haben unter anderem Matratzen an diejenigen verteilt, die bei der Explosion ihr Dach über dem Kopf verloren haben. Gleichzeitig helfen sie mit Hygiene Kits, die Bevölkerung auf den bevorstehenden Anstieg der Infektionszahlen vorzubereiten.

Möglich ist unsere Hilfe nur Dank ihrer Spende.

Danke, dass Sie unsere Arbeit unterstützen und für die Menschen in Beirut spenden.

Jetzt spenden

„Aufgrund der steigenden Covid-19 Zahlen sowie den vielen zusätzlich Verletzten ist das Gesundheitssystem an seiner Belastungsgrenze“, berichtet Roland. „Es gab zwar einen Lockdown, dieser wurde aber aufgrund der benötigten Hilfsmaßnahmen wegen der Explosion aufgehoben und ein weiterer Lockdown konnte bei der brodelnden Stimmung in der Bevölkerung nicht wirklich umgesetzt werden und wurde schon nach ein paar Tagen wieder gelockert.“ Die Anzahl der Covid-19-Fälle stiegen in den Wochen seit der Explosion drastisch an und eine weitere Verschlechterung der Infektionslage ist zu befürchten

Unmittelbar nach der Explosion war das libanesische humedica-Team mit dem Klinikbus in Beirut unterwegs. Foto: humedica

Frauen nähen Stoffmasken

„Den geflüchteten Frauen in den Stadtteilbüros haben wir den Auftrag erteilt, Stoffmasken zu nähen. Der Erlös dient ihnen als Einkommen, die Masken wandern in die Hilfspakete, die humedica mit seinem Partner AMEL verteilt,“ so Roland weiter. Außerdem ist geplant, dass, wer sich eine medizinische Behandlung nicht leisten kann, finanziell unterstützt werden soll. „Wir kümmern uns um die besonders schweren Fälle, die sich ohne unsere Hilfe eine Behandlung nicht leisten können und bei denen wir glauben, dass die Eingriffe besonders hohe Chancen auf Erfolg haben. Auch wenn wir wissen, dass unsere finanziellen Mittel hier niemals für alle reichen werden, glauben wir trotzdem, dass wir hier wirklich etwas bewirken können.“ erklärt Roland das Vorgehen.

Insgesamt liegt noch viel Arbeit vor uns. Die erste Akuthilfe nach der Explosion war erst der Anfang. Jetzt gilt es einen langen Atem zu haben, um auch längerfristig und nachhaltige Hilfe leisten zu können.

Möglich ist unsere Hilfe nur Dank ihrer Spende.

Danke, dass Sie unsere Arbeit unterstützen und für die Menschen in Beirut spenden.

Jetzt spenden
Ihr Browser ist veraltet!

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um diese Website korrekt darzustellen.

Den Browser jetzt aktualisieren×