Nach dem Erdbeben in Albanien: Lara konnte nicht sprechen

Was die Zwölfjährige erlebte

von Julia Kittnar,  27.03.2020

Als Lara* aufwachte, bebte der Boden. Die Wände wackelten und Putz fiel ihr auf Kopf und Körper. Lara ist zwölf Jahre alt. An das schwere Erdbeben, das ihre albanische Heimat am 26. November 2019 traf, erinnert sie sich mit Schrecken.

„Ich habe meinen Kopf mit meinen Händen bedeckt und wollte laut nach meiner Mama rufen, aber meine Stimme war weg“, erzählt Lara. „Ich konnte hören, wie meine Mutter mich rief, aber ich konnte nicht sprechen. Ich war wie ohnmächtig.“ Laras Schwester und ihr Bruder weinten, die Mauern des Hauses, die Ziegel und die Decke stürzten ein. Überall im Haus fielen Steine herab.

Kein Stein steht mehr auf dem anderen. Bei dem Erdbeben am 29. November 2019 haben viele Menschen in Albanien ihr Zuhause verloren. Foto: humedica

Lara lebte zum Zeitpunkt des Erdbebens in Grecë, einem Dorf nahe Tirana. Die Region rund um die albanische Hauptstadt wurde besonders schwer getroffen. 51 Menschen starben und rund 1.000 Verletzte mussten versorgt werden. 14.000 Menschen waren vorübergehend aus der Region geflohen und ohne Obdach.

Auch Lara mit ihrer Familie war betroffen: „Unser Haus ist nicht mehr bewohnbar. Mama, Papa, meine Schwester, mein Bruder und ich leben jetzt in einem Zelt. Auch unsere Schule ist nach dem Erdbeben eingestürzt“, schildert sie. Nur einen Tag nach der Katastrophe halfen humedica und der Partner „Swiss Foundation for Innovation“ (SFI) vor Ort mit dem Lebensnotwendigsten wie z.B. mit Lebensmitteln, Matratzen, Zeltmöbeln und Hygiene-Kits.

So dringend notwendig diese Hilfe war, so wichtig ist es, Betroffene auch längerfristig zu unterstützen. Das Erdbeben hat nicht nur materiell Spuren hinterlassen: Viele hat das Erlebte traumatisiert. Auch Lara brauchte Hilfe, um ihre Erfahrung zu verarbeiten. „Nach dem Erdbeben wollte ich nichts tun, ich wollte nicht einmal mehr reden“, erzählt sie.

Lara wollte nach dem Erdbeben nicht mehr sprechen. Die psychosoziale Therapie im Kinderzentrum von humdica und "Swiss Foundation of Innovation" haben ihr geholfen, das Erlebte zu verarbeiten. Foto: humedica

Geholfen hat Lara das Kinderzentrum von humedica und SFI. Dort kann sie spielen und Spaß können. Lara nimmt an einem Rekreationsprogramm teil, in dem sie psychosoziale Betreuung erhält. Mit den Betreuern spricht sie über ihre Gedanken und Gefühle. „Ich fühle mich dort sehr sicher und habe eine tolle, schöne Zeit mit den anderen Kindern“, sagt sie.

In den Dörfern gibt es viele Kinder wie Lara, die Pflege und psychosoziale Hilfe brauchen, um die Erfahrungen, die sie gemacht haben, verarbeiten zu können. Der blaue humedica-Bus bringt sie in das Kinderzentrum, das Lara und den anderen Kindern eine Perspektive bietet.

Der humedica-Bus bringt die Kinder in das Kinderzentrum, wo sie spielen und Spaß haben können.

Lara hat seit dem Erdbeben viel gebastelt. Ihr Favorit ist ein selbstgemachter Bilderrahmen mit einem Bild darin, das sie selbst gemalt hat. Wenn Lara groß ist, will sie einmal Lehrerin werden. Bis dahin hat sie aber einen ganz einfachen Wunsch: Ein Zuhause mit einer Wand. „Wann auch immer wir ein neues Haus haben, möchte ich dort meinen Bilderrahmen an die Wand hängen“, hofft Lara.

*Name geändert

Schnelle Hilfe bei Katastrophen und einen nachhaltigen Weg aus der Not

Als humedica-Förderer unterstützen Sie unsere weltweite Hilfe und machen im Leben von Menschen in Not einen spürbaren Unterschied.

humedica-Förderer werden
Ihr Browser ist veraltet!

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um diese Website korrekt darzustellen.

Den Browser jetzt aktualisieren×