Moria: Was tun gegen Verzweiflung und Traumata?

von Julia Kittnar,  13.07.2020

Knapp 20.000 Menschen an einem Ort, der nur für rund 2.800 Menschen gedacht war: Das ist die Realität des Flüchtlingslagers Moria auf der griechischen Insel Lesbos. „Der erste Eindruck ist sehr erdrückend“, beschreibt humedica-Einsatzkraft Julian die Situation. „Das eigentliche Camp Moria ist um ein Gefängnis herum gebaut, mit meterhohem Maschendrahtzaun, Betonpfeilern und Stacheldraht.“

Inzwischen hat sich das Camp aber verselbstständigt. Die Flüchtlinge haben sich in den Hügeln niedergelassen, die das Lager einkesseln. Da sie sonst nichts hatten, haben sie sich aus Brettern, Wellblech, Plastik und allem, was sie finden konnten, Unterkünfte gebaut. Ein Lager von der Größe einer Kleinstadt ist auf diese Weise entstanden – eine Kleinstadt, aus den unterschiedlichsten Kulturen zusammengewürfelt.

„Die Menschen kennen sich nicht und sind zu einem großen Teil schwer traumatisiert“, berichtet Julian. „Sie leben hier unter den menschenunwürdigsten Umständen: Im Winter friert es, im Sommer sind es teilweise 40 Grad im Schatten.“

Einsatzkraft Julian im Schutzanzug: Das Corona-Virus hat die Arbeitsbedingungen im Camp Moria erschwert. Foto: humedica

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Zusammen mit der niederländischen Partnerorganisation Bootvluchteling versucht humedica den Menschen dort zu helfen. „Wir sind für die Notfallversorgung zuständig und versuchen gleichzeitig mit etwa sieben anderen medizinischen NGOs grundlegende medizinische Bedürfnisse abzudecken“, erzählt Julian. Nach dem Corona-Ausbruch und Angriffen von rechten Gruppen aus ganz Europa auf Flüchtlinge und NGO-Mitarbeiter mussten sich in den letzten Monaten aber viele Mitarbeiter zurückziehen.

„Die Lage dort ist für alle überfordernd“, berichtet Einsatzkraft Stefanie, die selbst während dieser Zeit vor Ort war. Vier Wochen half sie im Camp, zwei weitere stand sie unter Quarantäne.

„Verzweiflung ist hier ein großes Thema“, erzählt sie. Das Schicksal einer Mutter hat sie besonders mitgenommen: „Diese Frau hatte auf der Flucht ihr Kind verloren. Eines nachts in der Türkei war es einfach weg. Sie weiß nicht einmal, ob es noch lebt.“ Solche Geschichten getrennter Familien gibt es im Camp viele. Etwa 1.500 unbegleitete Minderjährige leben dort, der Jüngste von ihnen gerade einmal vier Jahre alt.

„Es bricht mir das Herz, die Geschichten der Menschen zu hören und nichts unternehmen zu können“, erzählt Julian. „Die meisten Patienten haben körperliche Leiden, die auf psychische Leiden zurückzuführen sind. Sie haben unerklärliche Schmerzen am ganzen Körper, Durchfall oder Luftnot.“ Die psychischen Leiden rühren aber nicht nur von der Trauer um geliebte Menschen. Die Flüchtlinge haben oft auch Gewalt erlebt, mussten Vergewaltigungen, Folter und Misshandlungen über sich ergehen lassen.

Einsatzkraft Stefanie blickt auf den sogenannten Schwimmwestenfriedhof. Dort liegen die Hoffnungen Geflüchteter begraben. Foto: humedica

Julian fühlt sich hilflos: „Ich habe als Arzt nicht viele Möglichkeiten. Wir können Seuchen behandeln, auch Krätze, Läuse oder Entzündungskrankheiten. Aber wir können Menschen nicht über das hinweghelfen, was sie traumatisiert.“

Und so besteht das Leben im Camp zu einem großen Teil aus Warten: Warten auf den blauen Stempel, der einen nach Athen bringt. Warten in der Essensschlange, in der man zu jeder Tageszeit drei Stunden ansteht. Und warten auf den Arzt.

„Wir haben für die Behandlung Tickets vergeben. 200 Patienten konnten wir am Tag behandeln“, erklärt Stefanie. „Um neun Uhr fing unsere Schicht an. Um diese Zeit standen die Menschen aber schon zwei Stunden in der Schlange.“ Egal ob Ärzte, Unterkünfte, Essen oder Toiletten: In Moria mangelt es an allem.

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