Jakarta: Zwischen Wolkenkratzer und Elendsviertel

humedica-Team: " Die Lebensbedingungen sind unfassbar"

von Anna Grabner-Strobach, 15.01.2020

Januar 2020. Für die Menschen in Indonesien beginnt das Jahr mit schweren Regenfällen und Überschwemmungen. Mehr als 60 Menschen haben ihr Leben verloren und Hunderttausende ihr Zuhause. Ein humedica-Einsatzteam war umgehend in der Katastrophe im Einsatz. Gemeinsam mit dem Partner Alpha Omega Foundation wurde das Team von einem Hilfskonvoi begleitet, um die dringend benötigten Versorgungspakete an die Menschen in den Katastrophengebieten zu verteilen, bis ein spielendes Kind am Rand der Autobahn, die Aufmerksamkeit der Helfer auf sich zieht.

Auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches, doch bei näherem Hinsehen erkennen sie, dass das Kind verdächtig nah an der Autobahn spielt. Auf Nachfrage an die Einheimischen wird klar, dies ist kein Einzelfall, sondern eine informelle Wohnsiedlung. Aus provisorischen Materialien wurden Hütten gebaut und die Hohlräume der Brücken zu menschlichem Wohnraum umfunktioniert. Gebückt muss das Team in eine solche Siedlung hindurchgehen, denn die Deckenhöhe beträgt nicht mehr als 1,20 m. Niemand ist freiwillig hier. Doch diese Menschen können nirgends woanders hin. Ob Katastrophe oder nicht, die Menschen hier erleben jeden Tag das Elend neu. Durch unseren Partner erfahren wir, dass ungefähr 200.000 Menschen in solch informellen Wohnsiedlungen hausen, ohne grundlegende Versorgungseinrichtungen, ohne Eigentumsrechte, ohne Elektrizität, Zugang zu sauberem Wasser, zu sanitären Einrichtungen und ohne ausreichenden Wohnraum.

Steigende Kosten zwingen die Menschen in solchen illegalen Wohnsiedlungen zu leben. Foto: Daniel Reiter, humedica

„Die Lebensbedingungen sind unfassbar. Die Kinder spielen mit dem Müll, den die Menschen aus dem Auto werfen.“, so berichtet das Einsatzteam. „Kaum vorstellbar wie es gewesen sein muss, als sich hier nach den heftigen Regenfällen die Wassermassen gesammelt haben.“

Jeder siebte Mensch weltweit, lebt in einem Elendsviertel. Häufig sind es Entwicklungsländer, die die Bilder solcher Wohnsiedlungen prägen. Aber auch aufstrebende Wirtschaftszentren, wie Jakarta sind davon nicht verschont. Die Hauptstadt Indonesiens erlebte mit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1945 einen regelrechten Bauboom. Industrialisierung, Landflucht und Verstädterung sind Begleiterscheinungen der treibenden indonesischen Wirtschaftskraft. Die bevölkerungsreichste Stadt Indonesiens fasst derzeit 13 Millionen Einwohner. Wolkenkratzer drängen sich dicht aneinander. Nahezu jeder Fleck ist zubetoniert. Hier fangen die Probleme an. Der Grund ist knapp und die Preise für Boden und Wohnraum schießen in die Höhe. Ärmere Menschen werden an den Rand der Stadt verdrängt. Die sogenannten illegalen informellen Siedlungen, entlang von Bahngleisen, neben Autobahnen und Brücken, entstehen.

In den Hohlräumen unter der Autobahn wachsen manche Kinder in Jakarta auf. Foto: Daniel Reiter: humedica

Und dann war da noch was mit Naturkatastrophen. Fast jedes Jahr zur Monsunzeit wird die Stadt von heftigen Regenfällen überschwemmt. Gründe dafür sind die natürliche Lage der Stadt sowie Fehler in der Städteplanung und ein fehlendes Abwassersystem. Eine Naturkatastrophe trifft die Menschen immer unvorbereitet, doch am schlimmsten leiden die, die gar nichts oder nur wenig haben und deren Zugang zu sauberen Wasser das Überleben bedeuten.

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