Interview:

Vor zehn Jahren: Einsatz bei Nacht und Nebel

Schnelle humedica-Erdbebenhilfe in Italien

von Heike Knauff-Oliver

Es war 2009, in der Nacht zum Montag vor Ostern, als die Erde in den Abruzzen bebte: 300 Tote, Hunderttausende Obdachlose und Verletzte. Schnelle Hilfe war notwendig; der Landweg nach Italien zu lang und unsicher. Mit dem Flugzeug bedurfte es einer Sondergenehmigung und eines erfahrenen Piloten. Der ließ sich finden. Stefan Unzicker, Allgäuer Unternehmer mit Kleinflugzeug war sofort bereit zu helfen. Persönlich flog er das dreiköpfige Team, bestehend aus einem Koordinator und zwei humedica-Ärzten. Noch am Montagabend, nach erteilter Erlaubnis der Bundeswehr am Kaufbeurer Fliegerhorst, ging es los.

An die „Nacht und Nebel Aktion“ erinnert sich Stefan Unzicker ganz genau: „Es war dunkel und eng an Bord. Bis Innsbruck konnte man die Lichter am Boden noch erkennen, dann war es mit dem Sichtflug vorbei. Die Stimmung war leicht angespannt. Erst als ich eine Runde Fruchtriegel gab, löste sich die Beklemmung“, das weiß er noch.

Im Gepäck hatten die Ersthelfer Medikamente und nur das nötigste Verbandszeug für den Katastropheneinsatz. Nach fast zweistündiger Flugzeit landete das Flugzeug mit den Ersthelfern an Bord in Pescara, am Rande des Erdbebengebietes. „Das war auch ganz gut so, denn hier konnte das Einsatzteam weiteres Verbandszeug erwerben. In der Cessna konnte nicht so viel transportiert werden“, berichtet Unzicker. Er flog am nächsten Tag zurück ins Allgäu, während das humedica Team gleich mit Behandlungen loslegte.

Schnelle Hilfe beim Erdbeben in Italien 2009; das humedica-Team Sebastian Seibert, Koordinator Markus Köhler, Pilot Stefan Unzicker sowie die beiden Ärzte Prof. Dr. Bernd-Dieter Domres und Tobias Kees. Foto: xlfoto/Harald Langer

Die Zerstörung durch das Beben war in der Provinzhauptstadt L’Aquila am ersichtlichsten. Die Hilfe der meisten Organisationen konzentrierte sich deshalb auf dieses Gebiet. Dem humedica Grundsatz folgend „die Vergessenen nicht vergessen“ kümmerte sich das Team um die Menschen im 40 Kilometer entfernten Dorf Tossicia. Hier gab es Verletzte und zahlreiche Häuser wurden zerstört, Hunderte Menschen verloren ihr Zuhause.

Nach und nach konnten Hilfsgüter- und Nahrungsmittel in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern in der Region verteilt werden. In den Folgemonaten half humedica beim Aufbau eines Gemeindezentrums in Tossicia. Damit wurde ein Ort des Austauschs, des Trostes und der Gemeinschaft geschaffen. Dieses langfristig angelegte Hilfsprojekt für die Menschen des rund 1.500-Seelen-Dorfes konnte 2014 eingeweiht werden. Die Investition hätte das wirtschaftlich schwache Dorf selbst nicht tragen können.

„Jederzeit würde ich wieder in einer solchen Situation helfen“, bekennt Stefan Unzicker, der Allgäuer Pilot und Unternehmer (Firma "Moving Terrain"): „Uns geht es gut und wir leben relativ sicher. Wir haben die Möglichkeit etwas zu tun und die sollten wir nutzen.“

Gemeinschaftszentrum in Tossicia Foto.humedica

So wie 2009 in Mittelitalien hilft humedica in vielen Katastrophen- und Krisengebieten der Welt. Damit viele Menschen in Not wieder hoffen können, sind wir auf Unterstützung angewiesen. Bitte helfen Sie uns weiterhin zu helfen!

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