Erdbebenhilfe in Albanien

Vor dem Winter benötigen die Menschen vor allem Schutz vor der Kälte

von Sebastian Zausch,  05.12.2019

Da war diese vierköpfige Familie. Sie hat in einem Auto Zuflucht gefunden: Die Eltern und ihre beiden Kinder schlafen dort seit Tagen. Es ist ihr zuhause, seit vor gut einer Woche die Erde in Albanien bebte, wie noch nie zuvor. Die Menschen in der Erdbebenregion in Albanien trauen sich noch immer nicht in ihre Häuser. Immer wieder gibt es Nachbeben – nicht mehr ganz so heftig, wie letzte Woche, als mehr als 50 Menschen starben, 650 verletzt wurden und Tausende obdachlos wurden. Dennoch: Innerhalb einer Woche bebte die Erde mehr als 1.300 Mal in Albanien.

Ganze Familien wohnen derzeit im Auto. Foto: humedica

Viele Menschen sind zu Verwandten oder in den benachbarten Kosovo geflüchtet. Einige sind auch in einem der staatlich organisierten Zeltcamps untergekommen. Immer wieder trifft unser Einsatzteam auf Menschen, die im Freien übernachten – oder wie die vierköpfige Familie in ihrem Auto. Unser Team reagiert sofort, übergibt dem Familienvater noch am selben Tag ein Zelt.

Viele Menschen schlafen müssen bei den kalten Temperaturen im Zelt schlafen. Foto: humedica

Welche Hilfe benötigen die Menschen im Erdbebengebiet? Das herauszufinden ist die Aufgabe unseres Einsatzteams, das in diesen Tagen in Albanien unterwegs ist und gemeinsam mit unseren lokalen Partnern Swiss Foundation for Innovation (SFI) und Christ for the Nations Albania (CfN) Hilfsgüter verteilt. Zelte, Hygieneartikel, Decken und Lebensmittel für diejenigen, die vor dem Beben geflüchtet sind. All diese Gegenstände werden dringend benötigt in diesen Tagen, in denen auch in Albanien der Winter einzieht.

Die gesamte Hauswand wurde bei dem Beben zerstört. Foto: humedica

Neben den Städten Durrës und Thumanë liegen vor allem zwei Dörfer im Focus unserer Helfer, die im Rahmen der allgemeinen Hilfsmaßnahmen etwas vergessen wirkten: Peza und Ndroq. Als das humedica-Team hier eintrifft, schien vor ihnen kaum ein anderer Helfer hier gewesen zu sein. Die Menschen sind noch immer stark traumatisiert, trauen sich nicht in ihre Häuser. Einer der Männer, die Zuflucht in einem Zelt gefunden haben, weist unsere Einsatzkraft Dieter Schmidt darauf hin, ausreichend Abstand zum Gebäude zu halten. „Ansonsten fallen Gegenstände von oben auf das Zelt. Das ist gefährlich“.

Derzeit macht sich ein Hilfskonvoi mit Verbandsmaterialien auf den Weg nach Albanien. Auch Wärmeflaschen und andere wichtige Hilfsgüter konnten wir bereits organisieren. Benötigt werden beispielsweise größere, winterfeste Zelte, warme Decken und Schlafsäcke sowie Materialien zum Heizen, die die Menschen den kalten Winter besser überstehen lassen.

Die Menschen sind für jede Hilfe dankbar. Foto: humedica

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