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Flüchtlinge frieren bei Minusgraden

von LKO, 13.01.2017

Nicht nur in Deutschland fallen die Temperaturen zurzeit weit unter den Gefrierpunkt und sorgen für verschneite Gebiete und spiegelglatte Straßen. Auch weiter östlich bringt der Wintereinbruch fatale Auswirkungen mit sich:

Auf der sogenannten Balkanroute frieren tausende Flüchtlinge bei Schnee und Minusgraden, die kalten Temperaturen bergen enorme Risiken für Leib und Leben der Menschen. Wer noch nicht durch die Strapazen der Flucht und das lange Warten in den provisorischen Unterkünften krank wurde, der wird es spätestens unter diesen Umständen.

Bis zu – 20 Grad in Serbien

In Serbien, wo sich nach offiziellen Angaben aktuell rund 7.200 Flüchtlinge aufhalten, ist die Situation besonders problematisch. Viele der temporären Lager sind nicht für den Winter geeignet und meist nur dürftig mit wichtigen Hilfsmitteln, wie Decken, Öfen und warmen Mahlzeiten ausgestattet. Besonders hart trifft es die Menschen, die keinen Platz in einer staatlichen Unterkunft bekommen haben und mitunter in einfachen Zelten oder verlassenen Gebäuden Schutz vor der Kälte suchen müssen. Wie dramatisch sich die Lage tatsächlich gestaltet, bestätigen die ersten Medienberichte über erfrorene Flüchtlinge.

In den serbischen Grenzorten Presevo und Bujanovac behandeln die Helfer von humedica täglich zwischen 50 und 120 Patienten. Das rund 800 Personen große Lager in Presevo, beherbergt vor allem junge, allein reisende Flüchtlinge aus Afghanistan und Pakistan.

„Viele unserer Patienten haben bereits eine monatelange und extrem kräftezehrende Flucht vor der Gewalt in ihrer Heimat hinter sich. Dass sie nun erneut Angst um ihr Leben und ihre Gesundheit haben müssen, ist nur schwer zu ertragen“, erklärt humedica-Koordinatorin Karin Frischknecht, die sich gemeinsam mit ihrem lokalen Ärzteteam um die medizinische Versorgung der Flüchtlinge in Südserbien kümmert.

„Wir geben alles, um diese gefährliche Situation für die Menschen zu verbessern und ihre kältebedingten Erkrankungen so schnell und so gut wie möglich zu behandeln. Doch so lange es so kalt ist, bleibt die Lage alarmierend.“

Karin Frischknecht, humedica-Koordinatorin

Viele Flüchtlinge sind nicht ausreichend mit festen Schuhen und warmer Kleidung zum Schutz gegen die kalten Temperaturen versorgt. Foto: Christoph Jorda

Ohne Schuhe und warme Kleidung

Im libanesischen Bekaa-Tal, einige Flugstunden südöstlich von Presevo, fallen die Temperaturen zwar nicht ganz so tief unter den Nullpunkt, doch auch dort sehen sich die Flüchtlinge aktuell mit den Herausforderungen des hereingebrochenen Winters konfrontiert. Die provisorischen Zeltsiedlungen, die im Libanon rund einer Million syrischen Flüchtlingen als Unterkunft dienen, verwandeln sich durch das nasskalte Wetter in eisige Schlammgruben.

Dank umfassender Hilfsgüterverteilungen verfügen viele der Zelte inzwischen über kleine Öfen, die die Familien besonders nachts vor der Kälte schützen. Doch die schlechte Versorgungslage mit Decken, warmer Kleidung und festen Schuhen erweist sich auch hier als Problem, das sich in einem starken Anstieg kranker Patienten widerspiegelt.

Vera Eibl, die die medizinischen Hilfsmaßnahmen von humedica im Libanon koordiniert, beschreibt die Lage als prekär: „Für unsere mobile Klinik bedeutet die Kälte nicht nur viele kranke Kinder und erkrankte erwachsene Patienten, sondern auch spezielle Herausforderungen unser Team und die Logistik betreffend. Die Flüchtlinge drängeln sich in die Wärme des Zeltes, um dort auf ihre Behandlung zu warten. Man stelle sich vor, bei Sturm, Regen und Schnee sammeln sich in einem etwa 20 Quadratmeter großen Zelt 30 oder sogar noch mehr wartende Patienten und zwei Ärzte, die gemeinsam mit ihrer Apotheke versuchen, die Kranken in Ruhe zu behandeln. Hinzu kommt, dass viele der kranken Kinder ohne Schuhe und warme Kleidung in unsere mobile Klink kommen.“

Die Ärzteteams von humedica behandeln aktuell vor allem Grippesymptome und Atemwegserkrankungen, wie Husten und Lungenentzündungen. Über 150 Patienten, die zum Großteil aus Kindern bestehen, erhalten so jeden Tag eine medizinische Versorgung.

Der Andrang ist groß: Bis zu 150 Patienten behandeln die humedica-Teams täglich im Libanon. Foto: humedica

Keine Besserung in Sicht

Weder im Libanon noch in den stärker betroffenen Balkanstaaten ist eine Verbesserung der Wetterverhältnisse in Sicht – der Winter ist in vollem Gange. Bitte bleiben Sie weiterhin Teil unserer Hilfe und stehen sie den Flüchtlingen in Serbien und im Libanon mit Ihrer konkreten Spende oder Fördermitgliedschaft zur Seite. Vielen Dank!

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Hinweis: Die medizinischen Hilfsmaßnahmen in Serbien und dem Libanon von humedica werden durch das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland bereits seit 2015 respektive 2012 unterstützt. Neben der ärztlichen Versorgung konnten in der Vergangenheit außerdem mehrmals bedarfsgerechte Hilfsgüterverteilungen zugunsten der Flüchtlinge durchgeführt werden.

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