Projektgeschichten:

Schwangerschaftsvorsorge im Flüchtlingslager

humedica-Hebamme leistet gezielte Hilfe für werdende Mütter

von LKO, 28.07.2016

Das Leben in einem provisorischen Flüchtlingslager fernab der Heimat ist bereits ohne gesundheitliche Belastungen kein Leichtes. Kommen zu diesen Umständen noch zusätzliche Herausforderungen, wie eine Schwangerschaft, stehen viele weibliche Flüchtlinge vor einer gefühlten Herkulesaufgabe. Wie die Gesundheit des Babys während der Schwangerschaft gewährleistet und wo das Kind wohl am sichersten auf die Welt gebracht werden kann, sind nur zwei von vielen Fragen, über die sich schwangere Flüchtlinge Gedanken machen.

Um möglichst viele werdende und junge Mütter auf ihrem Weg zu unterstützen, beschäftigt humedica im Rahmen der medizinischen Versorgung syrischer Flüchtlinge im Libanon, neben Ärzten und Apothekern, auch eine Hebamme. Neben dem Fokus auf Schwangerschaftsfürsorge gehören auch die postnatale Betreuung und die Planung und Durchführung von Aufklärungskampagnen zu ihrer Arbeit. Bis zu 200 Frauen profitieren jeden Monat in verschiedenen Flüchtlingscamps entlang der syrischen Grenze von dieser wichtigen Form der Hilfe.

Mit welchen täglichen Herausforderungen sich unsere Hebamme Sandy konfrontiert sieht und wo die größten Schwierigkeiten in der Hilfe liegen, hat sie für uns in einem persönlichen Bericht zusammengefasst:

„Seit ich im August 2014 begonnen habe, mit humedica in den syrischen Flüchtlingslagern als Hebamme zu arbeiten, habe ich viele Verhaltensänderungen rund um die Themen Schwangerschaft und Geburt erlebt. Zu Beginn unserer Hilfe nahmen viele schwangere Frauen die Medikamente und Vitamine, die sie von uns verschrieben bekamen, nicht ein. Sie fühlten sich gut und dachten, sie würden die medikamentöse Unterstützung nicht benötigen. Nicht selten litten sie wenig später an typischen Anzeichen wie Vitaminmangel oder Blutarmut.

Inzwischen zeigt unsere Arbeit jedoch Wirkung: Schwangere sowie frischgebackene Mütter kommen mit ihrem Nachwuchs in unsere regelmäßigen Sprechstunden in den Lagern, um sich untersuchen zu lassen, benötigte Medikamente zu holen oder auch um offene Fragen zu klären.

Auch das Angebot, zusätzlich zu unserer medizinischen Basisversorgung noch eine stationäre Klinik aufzusuchen, um dort jedes Schwangerschaftstrimester eine Echografie und - wenn nötig - Blutuntersuchungen durchführen zu lassen, wird heute gerne angenommen. Nachdem wir im Rahmen unserer Aufklärungskampagnen immer wieder auf die Gefahren und möglichen Komplikationen einer Haus- bzw. in diesem Fall einer Zeltgeburt hinweisen, bringen die Frauen ihre Kinder zunehmend in naheliegenden Krankenhäusern zu Welt. Natürlich spielt der Umstand, dass das Flüchtlingshilfswerk UNHCR inzwischen 75 Prozent der anfallenden Kosten übernimmt, eine tragende Rolle bei dieser Entscheidung.

Im Rahmen meiner Arbeit versuche ich den Frauen so viele Verhaltenstipps wie möglich mit auf den Weg zu geben. Etwa, dass es weder für sie selbst noch für ihre Kinder gesund ist, viele Babys zeitnah hintereinander zu gebären, oder welche unterschiedlichen Möglichkeiten der Verhütung für sie existieren. Die Familienplanung ist ein wesentliches Thema, auf das ich mich in meiner Beratung besonders konzentriere.

Doch trotz der grundsätzlich positiven Entwicklung werde ich bei meiner Arbeit immer wieder mit kleineren und größeren Herausforderungen konfrontiert. So bleibt es nach wie vor schwierig, Bewusstsein für bestimmte Themen zu schaffen und konkrete Verhaltensänderungen zu bewirken. Vor allem, wenn die Frauen seit Jahren von Standpunkten überzeugt sind und diese sich quer durch die verschiedenen Flüchtlingscamps auch weiterhin verbreiten. Manche Frauen nehmen etwa ganz bewusst keine wichtigen Nahrungsergänzungsmittel ein, weil sie fest glauben, dass diese eine Abtreibung verursachen würden. Und so erzähle ich immer wieder, wie wichtig die Vitamine sind und dass sie statt eines Abbruchs sogar den Verlauf der Schwangerschaft positiv beeinflussen.

Eine Patientin der vergangenen zwei Jahre ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Während unserer Sprechstunde in einem Lager trafen wir eine schwangere Frau, die an Hepatitis erkrankt war und deshalb ihr Baby abtreiben wollte. Ich versuchte, ihr klarzumachen, dass ihr Kind nicht automatisch ebenfalls an der Krankheit leiden würde und bot ihr eine Behandlung an, die ihr Leiden lindern und ihren Schwangerschaftsverlauf verbessern würde. Wir übermittelten sie zu einem lokalen Frauenarzt, der einige zusätzliche Untersuchungen durchführte und eine spezielle Behandlung verordnete, die humedica für die Frau finanzierte.

Nach achtmonatiger Schwangerschaft brachte die Frau ihr Baby etwas zu früh zur Welt, weshalb das Kleine noch einige Tage auf der Frühgeborenen-Station bleiben musste. Einige Tests später war jedoch klar, dass sich der Junge nicht mit der Hepatitis-Erkrankung seiner Mutter infiziert hatte und er das Krankenhaus vollkommen gesund verlassen konnte. Es sind Fälle wie diese, die mir immer wieder zeigen, wie wertvoll unsere Hilfe in den Flüchtlingslagern am Ende des Tages ist.“

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Hinweis: Die medizinischen Hilfsmaßnahmen im Libanon kann humedica dank der Unterstützung des Auswärtigen Amts der Bundesrepublik Deutschland bereits seit 2012 umsetzen. Darunter fällt auch die Schwangerschaftsvorsorge und -begleitung.

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