Projektgeschichten:

Najlas erste Schritte

Einzelfallhilfe aktuell

von LKO, 27.05.2016

Schnelle, nachhaltige und umfassende Hilfe für möglichst viele Menschen in Not. Mit diesem Ziel vor Augen leisten die haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräfte von humedica seit Jahren weltweite Not- und Katastrophenhilfe. Obwohl dieses Engagement auf die Unterstützung einer großen Anzahl von Menschen abzielt, begegnen die humedica-Einsatzkräfte im Rahmen ihrer Arbeit immer wieder Schicksalen, wo großflächige Hilfsmaßnahmen nicht greifen und die Situation eine individuelle Zuwendung erfordert. Menschen, die sich aufgrund mangelnder Ressourcen oder äußerer Umstände nicht selbst helfen können. In diesen Fällen tritt die humedica-Einzelfallhilfe in Aktion.

Mehrmals im Jahr realisiert humedica diese besondere Art der Hilfe. Maßnahmen, die mitunter über Leben und Tod entscheiden und immer wieder auch das Leben ganzer Gruppen verbessern. Im Rahmen unseres Einzelfallhilfe-Fragebogens, möchten wir Ihnen die Menschen und ihre Situation hinter den aktuellen humedica-Einzelfallhilfen vorstellen.

Heute möchten wir Ihnen Najla aus Bosnien-Herzegowina und ihre besondere Geschichte vorstellen.

Name und Alter:

Najla, vier Jahre

Projektland:

Bosnien-Herzegowina

Wie ist die humanitäre Situation im Projektland?

20 Jahre sind inzwischen vergangen, seit der Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina beendet und das Friedensabkommen von Dayton die Einwohner des südosteuropäischen Landes von der drei Jahre andauernden Gewalt erlöste. Der Großteil der zerstörten Dörfer und Städte konnte inzwischen wieder aufgebaut werden, doch noch immer gibt es von Landminen durchzogene Gebiete, sowie Spannungen zwischen den einzelnen Ethnien.

Die Wirtschaft des kleinen Landes sieht sich immer wieder mit Korruption und einer hohen Arbeitslosigkeit konfrontiert, die gerade die jüngere, gut ausgebildete Bevölkerungsschicht zur Emigration in den Westen treibt. Rund ein Viertel aller Bosnier hat keine Arbeit und selbst wer Glück hat und einen Job findet, kann sich mit dem durchschnittlichen Monatslohn von knapp über 400 Euro keine großen Sprünge erlauben.

Unerwartete Schicksalsschläge wie Krankheit oder den Verlust eines Einkommens, kann der Großteil der Bevölkerung nicht abfangen und so rutschen viele Familien in die Armut. Besonders schwer trifft es in Bosnien Mitglieder der Roma-Bevölkerung, die durch die Folgen von Diskriminierung häufig sogar extremer Armut ausgesetzt sind.

Unter welchen Umständen lebte Najla zu Beginn der Einzelfallhilfe?

Gemeinsam mit ihrer alleinerziehenden Mutter Elma, lebt Najla bei ihren Großeltern in der bosnischen Stadt Bugojno. Durch einen frühkindlichen Sturz erlitt Najla ein Trauma, aus dem eine Hirnschädigung resultierte. Bis heute ist sie in ihrer Motorik stark eingeschränkt und kann weder selbstständig sitzen noch stehen. Auch das Sprechen fällt ihr schwer und so kommuniziert sie bis auf einige wenige Worte vor allem nonverbal mit ihrer Umwelt.

Weil Najla rund um die Uhr betreuet werden muss, bleibt ihrer Mutter keine Zeit zu arbeiten, und so lebt die vierköpfige Familie von der Rente des Opas und einer kleinen staatlichen Unterstützung. Letztere ist allerdings viel zu gering, um Najla eine angemessene Therapie zu ermöglichen. Doch auch wenn genügend Geld vorhanden wäre, gäbe es in ihrer Heimatstadt keine passenden Anlaufstellen, wie betreute Kindergärten oder eine Fördereinrichtung. In ganz Bugojno arbeitet nur ein Physiotherapeut mit Najla, und diesem fehlt es an der nötigen Ausbildung, um ihre Behinderung angemessen behandeln zu können.

Da die medizinische Versorgung in Bosnien auch sonst nicht mit EU-Standards zu vergleichen ist, suchte Najlas Mutter Elma nach Möglichkeiten ihrer Tochter im Ausland helfen zu lassen. Nach einem Hinweis ihrer Tante wurde sie auf humedica aufmerksam, wo Najla aufgrund der Schwere ihres Schicksals in das Programm für Einzelfallhilfe aufgenommen wurde.

Wie hilft humedica Najla?

Als das humedica-Team Najla kennenlernte, wurde schnell klar, dass ihre Situation besondere Unterstützung bedarf und sie nur durch die Therapiemöglichkeiten in Deutschland Chancen auf eine positive Entwicklung hat. Vor diesem Hintergrund organisierte humedica eine Behandlung im Sozialpädiatrischen Zentrum am Klinikum Weiden und übernahm die anfallenden Kosten.

In dem bayerischen Zentrum konnte Najla durch die leitende Ärztin Dr. Susanne Rinnert umfassend untersucht und anschließend von einem Teams aus Physio-, Logo- und Ergotherapeuten gezielt behandelt und unterstützt werden. Mit Erfolg: Bereits drei Wochen nach Beginn der Therapie stand Najla mit einer Mobilisierungshilfe zum ersten Mal in ihrem Leben auf eigenen Beinen und sorgte so für einen ganz besonderen Moment bei allen Helfern. Auch Mutter Elma erhält eine gesonderte Beratung und Anleitung und lernt dabei, wie sie Najla in Zukunft bestmöglich fördern und versorgen kann.

Wie so oft, ist auch die Einzelfallhilfe für Najla ein Resultat vieler engagierter Helfer, die sich selbstlos für das kleine Mädchen aus Bosnien einsetzen. Dabei steht neben dem hilfsbereiten und flexiblen Team des Sozialpädiatrischen Zentrums in Weiden besonders eine Frau im Fokus. Die ehrenamtliche Helferin Tina Braun erklärte sich sofort bereit, Najla und ihre Mutter während ihres Aufenthalts in Deutschland kostenfrei bei sich wohnen zu lassen. Ein toller Einsatz, der hohe Kosten spart, die nun wiederum in Najlas Therapie fließen können.

Wie lebt Najla heute?

In wenigen Wochen wird Najla ihre Therapie in Bayern beenden und mit ihrer Mutter nach Bosnien zurückkehren. Doch bereits jetzt konnte sie viele kleine Fortschritte erzielen, die ihr Leben in Zukunft positiv verändern werden. Ihre Ängste vor fremden Menschen und unbekannten Situationen konnten abgebaut und ihre motorischen Fähigkeiten ausgebaut werden. Außerdem verfügt ihre Mutter Elma nun über viel mehr Wissen, um den Alltag für Najla leichter zu gestalten und gemeinsam mit ihr die nächsten Schritte zu einem einfacheren Leben zu gehen.

Das humedica-Team wird die Entwicklung von Najla auch nach dem Ende der Therapie in Deutschland beobachten und sie auch in Zukunft mit der Bereitstellung nötiger Hilfsmittel bestmöglich unterstützen.

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