Interview:

Ein Land abseits der Aufmerksamkeit

von LKO, 19.02.2016

Die Probleme des kleinen Landes Benin und seiner Menschen erfahren angesichts der vielen großen globalen Krisen nur selten mediale Aufmerksamkeit. Dabei sind die Herausforderungen, mit denen sich der westafrikanische Staat konfrontiert sieht, nicht gerade klein: Im internationalen Vergleich ist Benin eines der ärmsten Länder der Welt.

Mehr als ein Drittel der zehn Millionen Einwohner leben unterhalb der Armutsgrenze und sind damit einem täglichen Kampf ums Überleben ausgesetzt. Damit einher gehen auch die schlechten medizinischen Standards. Besonders in den ländlichen Regionen leiden die Menschen unter einer mangelhaften medizinischen Versorgung und prekären Hygieneverhältnissen. Wer ernsthaft krank ist und nicht zu den wenigen Privilegierten gehört, hat ein Problem.

Um diesen Schwierigkeiten entgegenzuwirken, engagiert sich humedica bereits seit über sechs Jahren für die Menschen in Benin. Durch die Entsendung von Hilfsgüter-Containern werden verschiedene Krankenhäuser mit dringend benötigten medizinischem Materialien versorgt, die dadurch oft die einzige Möglichkeit erhalten, Kranke und Verletzte zu behandeln. Und der nächste steht bereits in den Startlöchern: Anfang März dieses Jahres verlässt erneut ein Container voller medizinischer Hilfsgüter das humedica-Lager in Richtung Benin.

Eine weitere Art der Hilfe findet ihren Weg durch die Zusammenarbeit mit dem Kaufbeurer Chirurgen Prof. Dr. Heinrich Stiegler. Der ehemalige Chefarzt des Klinikums Kaufbeuren engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich in Benin. Mindestens zwei Mal im Jahr reist er in die Hauptstadt Cotonou, wo er überlebenswichtige Operationen für Dialysepatienten durchführt und einheimische Chirurgen fortbildet. Die Helfer von humedica stehen ihm dabei mit der Bereitstellung verschiedener Medikamente und klinischer Instrumente zur Seite.

Wie es zu dieser Zusammenarbeit kam und in welchen medizinischen Bereichen Benin weiterhin dringend auf Hilfe angewiesen ist, erklärt uns Professor Stiegler im kurzen Interview.

„In Benin gibt es große Defizite“

Herr Prof. Stiegler, Sie engagieren sich seit Jahren als ehrenamtlicher Arzt in Benin. Warum fiel die Wahl dabei genau auf dieses Land?

Es gab einen persönlichen Kontakt zu einem beninischen Arzt, der mich wegen eines medizinischen Problems seiner Mutter kontaktierte. Grundsätzlich ging es dabei um Shunt-Operationen bei Patienten, die eine Hämodialyse – also ein Verfahren zur Blutwäsche – benötigten. Bevor ich angefangen habe, wurden in Benin keine Shunts gelegt. Die Patienten mussten dafür entweder ins Ausland oder bekamen einen Katheter, wovon sie dann eine Sepsis erhielten und starben.

Da also dieses generelle Problem in Benin existierte, nahm der oben genannte Arzt Kontakt mit dem Gesundheitsministerium in Benin auf, von wo mich dann die Bitte zur Unterstützung erreichte.

Wo sehen Sie im medizinischen Bereich den größten Nachholbedarf? Woran fehlt es in Benin am meisten?

Sowohl in der stationären, wie auch operativen Ausstattung gibt es in Benin große Defizite. Noch drängender ist die Versorgung allerdings in den Ambulanzen. Dort liegen akut Erkrankte stundenlang auf dem Boden herum. Es wäre geradezu ein Eldorado für Ebola gewesen, doch Gott sei Dank trat es dort nicht auf.

Außerdem nehmen wegen der zunehmenden Motorrad-Motorisierung die Unfälle massiv zu. Dann liegt die offene Fraktur neben dem akuten Bauch am Boden der Ambulanz…

Es gibt also räumliche und natürlich organisatorische Defizite. Dafür scheint es zumindest genügend Personal zu geben.

Wie sieht Ihre Hilfe konkret aus und wo kommt die Zusammenarbeit mit humedica ins Spiel?

Ich reise zweimal im Jahr für eine Woche nach Benin und operiere dort Shunts. Außerdem trainiere ich lokale Chirurgen, wo sich langsam aber sicher Erfolge abzeichnen, halte mit ihnen eine gemeinsame Sprechstunden ab und unterrichte Ärzte und Schwestern.

humedica unterstützt mich dabei mit der Beschaffung und Überführung der medizinischen Materialien, die wir vor Ort für die Hilfe benötigen. Aktuell wird wieder ein Container mit einer Ausstattung für 200 Operationen zusammengestellt. Für mich ist diese Hilfe essenziell. Als Einzelner ist man bezüglich Zoll und Organisation ziemlich hilflos.

Wann ist Ihr nächster Aufenthalt in Benin geplant?

So wie es aussieht, werde ich im April oder Mai wieder nach Benin reisen. Der letzte Aufenthalt war im Dezember 2015.

Vielen Dank für diese Einblicke und alles Gute für Ihre weitere Hilfe in Benin!

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