Projektgeschichten:

Von Flüchtlingen für Flüchtlinge

Community Health Worker in Melkadida

von Nora Parasie, 19.11.2016

Im äthiopischen Flüchtlingslager Melkadida unterstützen 15 Community Health Worker (CHWs) humedica dabei, die Menschen im Camp in Gesundheits- und Hygienefragen aufzuklären. Das gemeinsame Ziel ist klar: Die Zahl vermeidbarer Neuerkrankungen soll durch das vermittelte Wissen reduziert werden. Wie das funktioniert, zeigt die Geschichte von CHW Hiltira.

Tea Talk über Durchfall und Hygiene

Hiltira ist Somali. Vor fünf Jahren trieb sie die Hungersnot und die Angst vor der Al Shabab-Miliz ins Flüchtlingslager Melkadida. Sie floh allein mit ihren fünf Kindern. Erst zwei Jahre später stieß ihr Mann zu ihnen. „Das war eine furchtbare Zeit. Ich wusste nicht, wie ich meine Kinder versorgen sollte“, berichtet sie heute. Doch dann erhielt sie die Möglichkeit, an einem Unterricht teilzunehmen. Sie lernte lesen und schreiben. 2013 begann sie schließlich, bei humedica als Community Health Worker zu arbeiten.

"Ich wurde geschult, Aufklärungskampagnen zu veranstalten. Zu Themen wie HIV, Impfungen, Durchfall, Würmer oder Hygiene besteht hier dringender Informationsbedarf. Ich habe immer erst bei mir selber angefangen: Früher habe ich zum Beispiel weniger auf Sauberkeit geachtet. Heute reinige ich meine Räume, ich achte auf saubere Kleidung und wasche mir immer die Hände. Inzwischen habe ich genug, um meine Kinder zu versorgen. Ich habe selbst viel gelernt und konnte dazu beitragen, dass sich auch bei meinen Nachbarn und in der Gesellschaft etwas geändert hat."

Hiltira, Community Health Worker von humedica

Heute steht Hiltira als Community Health Worker vor 30 Zuhörerinnen und erklärt ihnen während des sogenannten humedica Tea Talks Wissenswertes rund um die Themen Gesundheit und Hygiene. „Gesundheit steht auf zwei Beinen: Zum einen zählt die Prävention von Krankheiten – dafür seid ihr verantwortlich“, erklärt Hiltira ihren Zuhörerinnen. „Zum anderen geht es um die Behandlung der Krankheiten. Dafür ist humedica zuständig und betreibt deshalb die Gesundheitsstation im Flüchtlingslager.“

Beim humedica Tea Talk erfahren die Flüchtlinge Wissenswertes rund um die Themen Gesundheit und Hygiene. Foto: humedica

Schwerpunkt: Sexuell übertragbare Infektionen

Den größten Schwerpunkt ihrer Aufklärungsarbeit sieht sie derzeit im Bereich sexuell übertragbarer Infektionen. „Neben meinen Vorträgen gehe ich auch zu Familien und frage sie zunächst, ob es in Ordnung ist, dass ich ihnen von diesem Problem in unserer Gesellschaft erzähle. Nur selten schicken mich die Leute weg. Häufig sprechen mich betroffene Frauen direkt an. Ich ermutige sie dann, sich in der Gesundheitsstation behandeln zu lassen. Am besten mit ihrem Partner. Manchmal begleite ich sie auch“, erklärt sie.

Nicht nur Popcorn und Tee, sondern auch der gute Ruf von humedica hat an diesem Nachmittag viele Frauen zum Tea Talk geführt. humedica ist den Flüchtlingen durch die große Gesundheitsstation im Camp bekannt, mit der sie rund 43.000 Flüchtlinge versorgt. Parallel zu dieser Arbeit sind 15 Community Health Worker von humedica in unterschiedlichen Zonen des Camps unterwegs und betreiben, wie Hiltira, gesundheitliche Aufklärung.

Alle CHWs sind selbst somalische Flüchtlinge, die von humedica-Krankenpfleger Mohammed fortgebildet und begleitet werden. Jeden Morgen und Nachmittag trifft er sich mit den CHWs in der Gesundheitsstation. Bevor Hiltira und ihr Kollege Hassan sich an diesem Vormittag auf den Weg in eine Zone des Lagers machen, haben sie ein Paket bekommen mit allem, was man braucht, um Tee und Popcorn für einen Tea Talk vorzubereiten. Hassan hält den gleichen Vortrag wie Hiltira für die Männer.

Zwei weitere Helfer sind ebenfalls in die Zone gefahren, um die Nachricht zu verbreiten: humedica ist da, es gibt Tee, Popcorn und einen Vortrag. Andere CHWs besuchen Familien heute zuhause. Sie sprechen über Präventionsmaßnahmen, erinnern Patienten an ihre Folgeuntersuchungen und die richtige Einnahme der Medikamente und organisieren den Transport besonders kranker Patienten in die Gesundheitsstation.

Ein weiterer Community Health Worker ist heute in der Gesundheitsstation geblieben. Er nutzt die Zeit, um den wartenden Patienten etwas über Hygiene und Durchfall zu erzählen.

Sichtbare Veränderungen

Nach den Vorträgen wird nachmittags dann mit Mohammed geübt. „Bei unseren Treffen lasse ich die CHWs die Vorträge nochmal halten, die sie bereits vor den Flüchtlingen gehalten hatten. Das ist eine gute Übung für sie. Alle tauschen sich aus und geben sich Rückmeldungen, und ich ergänze anschließend“, erklärt der Krankenpfleger. Seit drei Jahren begleitet und coacht er die Flüchtlingshelfer. Hin und wieder ist er auch selbst im Camp unterwegs und kann deutliche Veränderungen erkennen:

Bei regelmäßigen Treffen bildet humedica-Krankenpfleger Mohammed die Community Health Worker weiter. Foto: humedica

„Man kann bei den Flüchtlingen einen großen Unterschied zu vorher erkennen. Besonders die Einstellung zurr Hygiene hat sich verbessert: Die Menschen nutzen die Toiletten, achten auf Sauberkeit der Kleidung, benutzen zunehmend sauberes oder abgekochtes Wasser, waschen sich die Hände und schneiden die Fingernägel. Das ist so wichtig. Die Menschen hier respektieren uns und hören uns aufmerksam zu. Manchmal entschuldigen sie sich sogar dafür, dass sie früher Dinge ganz anders gemacht haben.“

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Hinweis: Die medizinischen Hilfsmaßnahmen in Äthiopien setzt humedica dank der Unterstützung des Auswärtigen Amts der Bundesrepublik Deutschland bereits seit 2011 um.

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