Nothilfe für die Opfer von Zyklon „Pam“

von Margret Müller, 26.03.2015

Zerstörung und Not soweit das Auge reicht: Die Lage auf dem südpazifischen Inselstaat Vanuatu ist nach dem katastrophalen Zyklon „Pam“ noch immer erschütternd. Die vielen, zum Teil weit auseinander gelegenen Inseln erschweren die Umsetzung schneller und umfassender Hilfe, Trinkwasser und Lebensmittel der Betroffenen werden immer knapper.

Als erstes medizinisches Team erreichten die humedica-Einsatzkräfte die stark zerstörte Insel Tanna im Süden Vanuatus, um dort Verletzte zu versorgen. In ihrem aktuellen Blog berichtet Medienkoordinatorin Margret Müller von den Umständen auf der Insel und zeichnet ein Bild vom Leben der Menschen nach der Katastrophe.

Blog: Das verschwundene Dorf

„Sonntagmorgen: Nach dem täglichen Koordinationstreffen aller Hilfsorganisationen, Militärs und nationalen Katastrophenhelfer auf der Insel Tanna, schwärmt jeder zu seinen Tageseinsätzen aus. Wir fahren heute in den Norden der Insel. Nach einer halben Stunde endet die befahrbare Buckelpiste und wir laden unsere Hilfsmittel in ein kleines Boot, das mich schwer an eine Nussschale erinnert. Uns werden abgeschnittene Kanister in die Hände gedrückt. Eine Fahrt mit Eigenbeteiligung also, das Boot hat ein kleines Leck.

Nach einer Stunde Wasserschippen, Flugfische beobachten und azurblaue Tauchstellen überfahren, erreichen wir ein Korallenriff, wo wir unsere Medikamente durchs Wasser ziehen und schließlich unser Ziel erreichen. Das Dorf Lungabill existiert nicht mehr wirklich, nur ein kleines Gebäude der Schule steht noch, in dem nun 50 Frauen schlafen. In dem vergeblichen Versuch Schutz vor der brennenden, unerbittlichen Sonne zu finden, sitzen die Dorfbewohner in kleinen Grüppchen unter Baumstammresten.

Das humedica-Ersteinsatzteam auf dem Weg zum Hilfseinsatz. Foto: humedica

Diese Dorfgemeinschaft lebt abgeschieden, arm und auf sich allein gestellt. Alle haben zusammengelegt, um nach dem Zyklon Benzin für eine Bootsfahrt zu dem Krankenhaus, in dem wir sonst arbeiten, zu kaufen. Der ganze Ort wurde vom Sturm umgeblasen, die ehemaligen Hütten erkennt man nur noch an den Bergen aus Palmzweigen, die sich hier und da auftürmen. Ohne Haus und Schatten ist es tagsüber unerbittlich heiß und nachts wird es so kalt, dass wir heute kleine Kinder mit Bronchitis und Lungenentzündung behandeln müssen.

Die Wassertanks des Dorfs sind zerstört. In ihnen wurde das Regenwasser und damit die einzige Süßwasserquelle gespeichert. Es gibt nur noch Wasser für zwei Wochen, dabei beginnt schon in einem Monat die trockene Jahreszeit ohne Regen. Noch essen sie, was sie nach dem Sturm reif an den umgestürzten Bäumen und Pflanzen gefunden haben, aber auch das wird nicht mehr lange reichen.

Eine lange Schlange bildet sich um unsere Klinik und will bis zum späten Nachmittag nicht kürzer werden. Die Verletzungsmuster sind ähnlich: Die Menschen kommen mit Überlastung und Schmerzen von den Aufräumarbeiten und vielen unversorgten Wunden, die seit dem Zyklon nur mit Palmblättern verbunden wurden und an denen sich schlimme Infektionen gebildet haben. Selbst unter starken Schmerzen lachen sie uns an und machen ein paar Witze.

Allgemein ist es ein unglaublich lustiges Dörfchen – überall hören wir Gekicher und Gelächter. Es ist uns ein Rätsel. Wir sind es gewohnt immer einen oder mehrere Ärzte in unserer Reichweite zu haben, über deren Wartelisten wir ausgiebig schimpfen können. Das Leben in absoluter Abgeschiedenheit und ohne jede Hoffnung auf Hilfe von außen ist uns fremd und sorgt für viel Gesprächsstoff in unserem Team. Für die Verletzungen nach dem Zyklon sind es auf jeden Fall keine guten Bedingungen.

Für die Menschen im Dorf gibt es bei Verletzungen eigentlich nur zwei Alternativen: die Wunde heilt oder das Dorf muss das Ersparte zusammenlegen, um Hilfe zu holen. Doch heute gab es noch eine weiter Alternative: uns. Die ersten Ärzte seit Jahren in diesem abgeschiedenen Winkel der Erde.“

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit auf Vanuatu weiterhin mit einer konkreten Spende und ermöglichen Sie uns die Durchführung existenzieller Hilfe an einem der abgelegensten Orte der Welt. Vielen Dank!

      humedica e. V.
      Stichwort "Zyklonhilfe Vanuatu"
      IBAN DE35 7345 0000 0000 0047 47
      BIC BYLADEM1KFB
      Sparkasse Kaufbeuren

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