Traumapädagogik in Nepal

von Sebastian Schilling, 07.10.2015

Lachende Kinder, die über den Schulhof rennen, glückliche Gesichter, die einem Puppentheater folgen oder singende und vor Freude tanzende Jungen und Mädchen: All das sind keine Bilder, die man aktuell aus dem von den Erdbeben im Frühjahr schwer gezeichneten Nepal erwarten würde.

Am 25. April und 12. Mai 2015 bebte in dem Himalayastaat gleich zweimal die Erde und hinterließ Zerstörung und Verzweiflung. Knapp 8.800 Menschen starben in den Trümmern, weitere 22.000 wurden verletzt. Auch heute, rund vier Monate nach der Katastrophe, wird Nepal immer wieder von Nachbeben heimgesucht. Die Menschen leben in dauernder Angst vor einer erneuten Tragödie, viele von ihnen wagen sich noch immer nicht in ihre Häuser zurück.

Damit betroffene Kinder die schlimmen Erlebnisse rund um das Erdbeben verarbeiten und wieder einen ersten Schritt in Richtung Normalität gehen können, leistet humedica umfassende Unterstützung für den Verein stART, der sich in nepalesischen Schulen im Rahmen von Traumapädagogik engagiert.

„Große Katastrophen, wie das Erdbeben in Nepal, sind sehr traumatische Erlebnisse und können bei zu später Intervention zu lebenslangen posttraumatischen Belastungsstörungen führen. An diesem Punkt setzen wir an und bietet den Kindern durch künstlerische und psychosoziale Aktivitäten, Stabilität und einen Weg aus den Ängsten.“, erklärt Francesco Zoccarato, Teamleiter von stART, die geleistete Hilfe.

Mit einem bunten Team aus erfahrenen Traumapädagogen und Kunsttherapeuten wurden in Nepal seit dem Erdbeben mehrere Schulen im Kathmandutal und in Sindhupalchowk besucht, die besonders schwer vom Erdbeben betroffen waren. Das Feedback dazu ist positiv. „Wir bekommen immer wieder Anfragen aus neuen Schulen, sowie den Wunsch an die schon besuchten Schulen zurückzukehren. Vor allem die Lehrer sind sehr interessiert an unserer Arbeit, da auch sie den Bedarf an Traumainterventionen wahrnehmen, aber zu diesem Thema selbst meist kaum Erfahrungen haben.“, schildert Traumapädagoge Christoph Bednarik.

Während vormittags bereits verschiedene Aktivitäten in den Unterricht integriert werden, um den routinierten Schulablauf nicht zu unterbrechen, stehen am Nachmittag die Lehrer im Fokus. Der theoretische Hintergrund der Hilfsmaßnahmen wird erklärt und alle Fragen rund um das Thema Trauma werden diskutiert und beantwortet. Anschließend folgen praktische Übungen, die den Lehrern verschiedene Spiele und Traumainterventionen an die Hand geben, um auch nach der Abreise des stART-Teams weitere Traumahilfe in den Unterricht integrieren zu können.

Es wird noch viel Zeit vergehen, bis die Kinder in Nepal die Erlebnisse rund um das Erdbeben komplett verarbeitet haben, doch die Bilder lachender Mädchen und Jungen auf dem Schulhof zeigen, dass das Konzept der Traumahilfe funktioniert und die Kinder Schritt für Schritt auf ihrem Weg zurück in die Normalität begleiten kann.

Wenn auch Sie ein Kind und seine Familie in der schweren Zeit nach der Katastrophe begleiten möchten, haben Sie mit dem humedica-Familienpatenschaftsprogramm die Möglichkeit dazu. Durch einen monatlichen Beitrag sichern Sie die Grundversorgung von Betroffenen und ermöglichen Familien in Not eine bessere Zukunft.

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