Warum die Ebola-Katastrophe noch nicht überwunden ist

von LKO, 12.02.2015

Wendepunkt, Aufatmen, Entwarnung. Die Begriffe, die wir in der aktuellen Berichterstattung zum Thema Ebola vernehmen, folgen einer überwiegend positiven Konnotation und verleiten den geneigten Leser dazu, ein Ende der tödlichen Epidemie und damit das Ende der leidigen Thematik Ebola zu schlussfolgern.

Nun, es stimmt schon: Die mit 22.000 bestätigte Gesamtzahl der Infektionen liegt weit unter dem konstruierten Schreckensszenario von 1,4 Millionen Ebola-Fällen zu Beginn des neuen Jahres. Zweifelsohne ein Fakt, den man im Kampf gegen die Epidemie auf der Habenseite verbuchen muss.

Doch ist ein Rückgang an Neuinfektionen bereits Grund genug, um aufzuatmen? Ausreichender Anlass, um eine optimistische Trendwende in Westafrika zu proklamieren? Die bis dato 9.000 gezählten Todesopfer, sowie die fatalen Folgen der Epidemie sprechen eine andere Sprache und besagen nur so viel: Zeit um aufzuatmen ist für Helfer und Betroffene noch lange nicht.

Es liegt auf der Hand, dass die von Ebola am stärksten betroffenen Länder Guinea, Sierra Leone und Liberia schon vor dem Ausbruch der Seuche mit allerhand Problemen zu kämpfen hatten, die sich nun weiter verschärft haben. Die großen Löcher, die bereits in der Vergangenheit in ihren Gesundheitssystemen klafften, sind inzwischen kaum mehr zu stopfen.

Ein Gros des medizinischen Personals hat sich bei der Behandlung mit Ebola-Patienten selbst infiziert, viele sind daran verstorben. Wie also, soll ein Gesundheitssystem, dass bereits vor der Epidemie am Boden war, weiter funktionieren? Kann es sich von diesem massiven Rückschlag überhaupt erholen?

Fragen, die neben der Abdeckung der alltäglichen medizinischen Arbeit, auch die Versorgung der Ebola-Überlebenden betreffen. Die von Experten als „Post-Ebola-Syndrom“ bezeichneten Folgen der Infektion umfassen Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Haarausfall und Gedächtnisprobleme.

Hinzu kommen psychische Störungen. Viele der Überlebenden konnten nur hilflos zusehen, wie ihre Kinder, ihre Eltern oder ihre Partner unter schwersten Schmerzen den Kampf gegen den Virus verloren. Angstattacken und Depressionen sind die wenig überraschenden Folgen, die neben den physischen Nachwirkungen nun medizinisch behandelt werden müssen.

Doch auch wer sich nicht mit Ebola infiziert hat, leidet häufig an den Folgen der Epidemie. Familien, die ihren Ernährer verloren haben, stehen vor der Frage ihrer Existenz. Kinder, denen die Eltern genommen wurden, kämpfen auf der Straße um ihr Überleben. Aus irrealer Angst vor Ansteckung möchte sich niemand um sie kümmern. Sie hatten zwar das Glück eine Infektion zu vermeiden, leiden nun aber unter einer gesellschaftlichen Stigmatisierung, die für viele den Tod bedeuten könnte.

Zu diesen trostlosen Umständen gesellt sich schließlich der Fakt, dass ein Wiederaufflammen der Epidemie unter den aktuellen Umständen jederzeit möglich ist. Sinkende Infektionszahlen sind nach Erkenntnis der behandelnden Ärzte kein ausreichendes Indiz für ein baldiges Ende der Seuche. Zu hoch sei die Dunkelziffer der Erkrankten, zu unklar die genauen Ansteckungswege. Ein unglücklicher Zufall genügt und die unsichtbare Katastrophe Ebola schlägt mit voller Wucht erneut zu.

Und so gibt es trotz der rückläufigen Zahl an Neuinfektionen keinen Grund, um bei dieser Epidemie, dem größten Ebola-Ausbruch aller Zeiten, aufzuatmen oder gar an Entwarnung zu denken. Denn auch wenn 42 Tage keine Neuinfektionen auftreten und der Ausbruch offiziell für beendet erklärt werden kann, sehen sich die Menschen in Westafrika mit wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten konfrontiert, die sie über Jahre begleiten werden.

humedica unterstützt das am schwersten von Ebola betroffenen Land Liberia mit gezielten Hilfsgüterlieferungen. Atemmasken, Schutzanzüge und Desinfektionsmittel ermöglichen medizinischem Personal sich vor einer Infektion zu schützen und erlauben gleichzeitig die Behandlung von anderweitig erkrankten Menschen.

Wie es mit der Epidemie weitergeht, vermag in diesen Tagen niemand zu sagen, weshalb es einmal mehr heißt: Durchatmen, Kräfte sammeln, weiterhelfen!

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