HINTERGRUND: Krankheitsbilder

von LKO, 17.07.2015

In Deutschland gilt die Infektionskrankheit Tuberkulose längst als gut behandelbar und ist deshalb kaum noch Thema der öffentlichen Wahrnehmung. Doch außerhalb der westlichen Wohlstandsgesellschaft sieht die Realität anders aus. Durch die zunehmende Entwicklung multiresistenter Keime sterben jedes Jahr über eine Million Menschen an den Folgen einer Tuberkulose. Die Meisten von ihnen in armen Ländern - Tendenz steigend.

Doch was ist eine Tuberkulose überhaupt? Was macht sie so gefährlich? Und warum sind einmal mehr die Menschen entwicklungsschwacher Länder besonders betroffen? Diesen und weiteren Fragen widmen wir uns in einem neuen Beitrag unserer Hintergrundreihe über häufig auftretende Krankheitsbilder in Ländern der zweiten und dritten Welt.

Tuberkulose

Bei einer Tuberkulose, kurz Tb oder Tbc genannt, handelt es sich um eine chronisch verlaufende Infektionskrankheit, die in nahezu allen Fällen durch den Erreger Mycobactericum tuberculosis ausgelöst wird. Dieser wird in erster Linie auf dem Luftweg durch eine Tröpfcheninfektion übertragen und befällt in der Regel die Lunge eines Menschen. Doch die alleinige Infektion mit dem Erreger bedeutet nicht, dass die Krankheit auch zwangsläufig ausbricht. Meistens entwickelt sich eine Tuberkulose bei chronisch kranken oder immungeschwächten Menschen, wie etwa HIV-Patienten.

Die Übertragung einer Tuberkulose-Infektion erfolgt über die Luft, etwa wenn Menschen husten oder niesen. Foto: humedica

Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass rund ein Drittel der Weltbevölkerung mit dem Erreger infiziert ist, wovon fünf bis zehn Prozent eine behandlungsbedürftige Tuberkulose entwickeln. Mit etwa 1,5 Millionen Todesopfern im Jahr 2013, bleibt sie weltweit die häufigste und bedrohlichste Infektionskrankheit. Dass 95 Prozent der Opfer dieser eigentlich leicht zu behandelnden Krankheit aus entwicklungsschwachen Regionen, wie Südafrika und Osteuropa, stammen, ist dabei wenig überraschend. Zu oft fehlen den Betroffenen die Zugänge zu medizinischer Versorgung oder die Mittel für die benötigten Medikamente.

Erschwerend hinzu kommt die komplizierte Diagnose einer Tuberkulose. Unspezifische Symptome, wie Husten, Fieber, Gewichtsverlust und gelegentliche Brustschmerzen können auf eine Vielzahl von Krankheiten hindeuten und signalisieren nur selten eine Infektion mit dem Mycobactericum tuberculosis. Vermutet der Arzt eine Tuberkulose-Infektion, kann er sich mit einer Blutuntersuchung, einem CT oder einer Sekret-Probe aus den Atemwegen Gewissheit verschaffen. Wenn sich der Verdacht bestätigt, können Patienten mit einer mehrmonatigen Antibiotika-Therapie behandelt und für gewöhnlich geheilt werden.

Doch so vermeintlich einfach ist es nicht immer: Mehr und mehr Menschen entwickeln Resistenzen gegen die vorhandenen Medikamente und erkranken an einer sogenannten multiresistenten Tuberkulose, kurz MDR-TB. Eine entsprechende Behandlung ist zwar möglich, bedeutet jedoch eine bis zu zwei Jahre andauernde Therapie mit vielen Nebenwirkungen, wie der Schädigung des Nervensystems oder des Hörvermögens.

Wenn ein Patient, neben dieser Multiresistenz, noch zusätzliche Resistenzen gegen die Ersatzmedikamente entwickelt, spricht man von einer extrem resistenten Tuberkulose oder auch XDR-TB. Eine Behandlung dieser Krankheitsform ist nur noch beschränkt möglich und so sterben viele Patienten während der mehrere Jahre andauernden Therapie.

Bei den weltweiten Hilfsmaßnahmen kommt humedica immer wieder mit der tückischen Krankheit in Berührung und unterstützt die Betroffenen mit ärztlicher Behandlung oder umfassenden Medikamentenspenden. Auch im Rahmen der regelmäßigen Einsätze in Gefängnissen, die mit ihren schlechten hygienischen Bedingungen und den meist viel zu vielen Menschen auf zu wenig Platz eine wahre Brutstätte für Tuberkulose bieten, leistet humedica medizinische Hilfe und ermöglicht Kranken die Chance auf Heilung.

Die weltweiten Krankheitszahlen gehen zwar langsam zurück, doch die eklatante Zunahme der Multiresistenten Tuberkulose in osteuropäischen Ländern, wie Moldawien oder der Ukraine, bereitet Grund zur Sorge. Die Armut der Menschen und ihre mangelhafte Gesundheitsversorgung verhindert eine angemessene Behandlung und verursacht schweres Leid.

Doch internationale Bemühungen um eine Verbesserung der Situation existieren: Bis 2025 will die Weltgesundheitsorganisation die Zahl der Tuberkulosetoten um 75 Prozent reduzieren. Ein ambitioniertes Ziel!

Dieser Artikel enthält Informationen von DocCheck Flexikon und NetDoktor.

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