Was bleibt?

von Annette Weiberle/SRI, 29.06.2015

Krankenschwester Annette Weiberle aus Stuttgart hatte mit einem möglichen Einsatz im Rahmen eines medizinischen Teams bereits abgeschlossen, dann kam ein weiterer Anruf aus der humedica-Hauptzentrale und kurze Zeit später begann für die junge Schwäbin ein weiteres Abenteuer im Einsatz für Menschen in Not.

"In Stuttgart wird momentan viel im Erdreich gebuddelt und gebohrt. Manchmal kann man auf Brücken und auch in mehrstöckigen Bürogebäuden das Vibrieren noch in den obersten Etagen spüren. Das hat mich bisher hin und wieder verunsichert. Seit ich von meinem 14-tägigen Einsatz mit humedica in Nepal zurück bin, zucke ich zusammen. Ein Erdbeben! Was tun?

Im nächsten Moment kann ich über mich lachen, werde ich doch in meinem deutschen Alltag an eine intensive und wertvolle Zeit in Nepal erinnert. Eigentlich hatte ich zwei Wochen Aktivurlaub über Pfingsten geplant, Paddeln und Radtraining in Österreich, nachdem humedica den geplanten Nepaleinsatz zunächst wieder ausgesetzt hatte.

Auf die neuerliche, dann überraschende Anfrage aus Kaufbeuren fand ich innerhalb kürzester Zeit ein klares Ja, fing an zu packen, und fand mich bereits zwei Tage später in Istanbul wieder, wo unser Team aus zwei Ärzten, einem Koordinator und mir als Krankenschwester aufeinander trafen. Und wenig später erreichten wir dann bereits unsere Zielregion, die etwa 15 Kilometer von der Grenze zu Tibet entfernt liegt.

Die nächsten Tage versorgten wir in dem von Dr. Margrit Wille und Dr. Thomas Katzenbach eingerichteten Erste-Hilfe-Zelt auf simplen Hockern täglich durchschnittlich 60 Patienten, die meist alles verloren hatten und in dieser Region keine weitere Stelle für medizinische Hilfe ansteuern können. Schwierige hygienische Verhältnisse in und um die errichteten Zeltsiedlungen bergen dauerhaft die große Gefahr von ansteckenden Krankheiten. Durch unsere Arbeit und intensive Aufklärung konnte dieses Szenario verhindert werden, gleichzeitig wurde die Notwendigkeit von sauberem Wasser gemeinsam erarbeitet.

Ein Wasseraufbereitungsmodul mit dem schicken Namen „Paul“ von humedica wurde an das Dorf übergeben und dann direkt vor unserem Zelt installiert. Die Einheimischen bauten sofort ein Holzgerüst für „Paul“ und machten ihn für alle Menschen zugänglich.

An diesem Ort erfuhren wir, dass es Schwerkranke in abgelegenen Dörfern gibt und eine Siedlung von „Unberührbaren“ keinen Zugang zu medizinischer Versorgung hat. Einige Hundert Menschen hatten sich beim zweiten großen Beben am 12. Mai mitten in der Nacht auf einen Bergrücken geflüchtet – alte Menschen wurden hochgetragen, Ziegen und Kühe mitgenommen; dort lebten sie nun in einfachen selbstgezimmerten Zeltbehausungen. Aus Angst vor weiteren Beben wollten sie unter keinen Umständen ins Tal zurück.

Nach einer intensiven Planungsphase, unterstützt von einigen sehr engagierten jungen Männern aus der Gegend brachen Dr. Liesel Ruff und ich auf zu den „Unberührbaren“. Wir hatten die notwendigste Auswahl an Verbandsmaterialien und Medikamenten im Rucksack und waren sehr gespannt, was uns erwarten würde.

Zunächst eine phasenweise tatsächlich abenteuerliche Wanderung, auch ohne den beinahe klassischen Nepali-Stil in FlipFlops. Manche Passagen mussten schnell und mit Helm überwunden werden, da es auch in unserer Anwesenheit täglich Erdrutsche und Nachbeben gab. An unserem Ziel konnten wir feststellen, dass der Bedarf an medizinischer Versorgung sehr groß war. Vor allem ältere Menschen hatten schwere Verletzungen erlitten, da Sie sich während der Beben in den Häusern aufgehalten hatten. In Deutschland ist es unvorstellbar, dass mehrfache Rippenbrüche, und teilweise noch schwerwiegendere Verletzungen, ohne Schmerzmittel auszuhalten sind.

Nach unserer Rückkehr hatten wir ein sehr schönes Erlebnis: Ein uns irgendwie bekannt vorkommender Mann kam ins Zelt und fragte, ob wir noch mehr Tabletten hätten. Seiner Mutter, die wir einige Tage zuvor mit Rippenbrüchen und Lungenentzündung vorgefunden hatten, ginge es deutlich besser.

Neben Erlebnissen wie diesen bleibt auch das Gefühl der Dankbarkeit, an diesem hart getroffenen Ort helfen zu können, anzupacken. Und natürlich auch, meine Leidenschaft, Leben unter einfachsten Bedingungen, für ein derart großartiges und sinnvolles Projekt einbringen zu können.

Das ganze Team kann bezeugen, wie wunderbar Kaffee nach einem harten Tag in einem heißen, staubigen Behandlungszelt schmeckt, der durch ein Papiertaschentuch gefiltert wurde. Wir hoffen das Beste für dieses sympathische, freundliche Volk und den vielen Menschen, denen wir persönlich begegnet sind."

Wir stehen vielen Menschen in Nepal auch in den kommenden, schwierigen Monaten des Wiederaufbaus und Neuanfangs nachhaltig zur Seite. Werden Sie Teil dieses Engagements und unterstützen Sie unsere Hilfe mit einer konkreten Spende oder einer Patenschaft. Vielen Dank!

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