Vier Jahre Bürgerkrieg in Syrien: „Facetten des Krieges“

von Steffi Gentner/LKO, 14.07.2015

Seit vier Jahren zwingt der immer brutaler und auswegloser werdende syrische Konflikt seine Bevölkerung zur Flucht. Fernab ihrer Häuser und Städte sind die Syrer gezwungen, die Zerstörung ihrer Heimat, einst kulturelles Mekka des Nahen Ostens, mitanzusehen. Wann sie nach Syrien zurückkehren können, vermag niemand zu sagen. Vielmehr drängt sich das „ob“ dieser Frage auf. Und so leben inzwischen fast vier Millionen Syrer in den angrenzenden Ländern Libanon, Türkei, Jordanien und Irak, zum Teil unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Was macht so ein Leben mit einem Menschen? Mit einer Mutter, die Mann und Söhne in den Kämpfen verloren hat? Mit einem Kind, dem ein übergeordneter Konflikt die Zukunft raubt? Was macht die Existenz von Millionen Flüchtlingen mit einem kleinen Land, wie dem Libanon? Wann ist die Schmerzgrenze erreicht?

Die humedica-Reihe „Facetten des Krieges“ beleuchtet diese Fragen, gibt den Betroffenen ein Gesicht und erklärt die Schlagkraft eines Konflikts dieses Ausmaßes.

Die mobilen humedica-Kliniken: Immer das Ziel im Blick

Im vierten Teil unserer Reihe richten wir unseren Blick auf die Menschen, die sich der Hilfe für die syrischen Flüchtlinge verschrieben haben: den libanesischen, syrischen und deutschen humedica-Mitarbeitern im Libanon. Zwei sogenannte Mobile Medical Units sichern die medizinische Versorgung in aktuell 35 informellen Zeltsiedlungen im Bekaa-Tal nahe der syrischen Grenze und ermöglichen den Flüchtlingen damit häufig den einzigen Zugang zu ärztlicher Behandlung und dringend benötigten Medikamenten.

Wie viele Flüchtlingslager von den humedica-Teams betreut werden, variiert: Immer wieder werden ganze Camps Ziele von Zwangsräumungen durch die libanesische Armee, weil sie sich zu nahe an deren Checkpoints befinden und damit ein Sicherheitsrisiko darstellen. Seit Anfang des Jahres waren im Libanon insgesamt 34 Flüchtlingslager teilweise oder vollständig betroffen und mehr als 7.500 Menschen mussten umsiedeln.

Weil die Bewohner häufig zu spät oder überhaupt nicht informiert und keine alternativen Unterkunftsmöglichkeiten angeboten werden, flüchten sich die Menschen in neue, meist kleinere Zeltsiedlungen. Die Folge ist eine steigende Anzahl kleiner informeller Flüchtlingslager, die es zu lokalisieren und betreuen gilt.

Für die humedica-Mitarbeiter bedeuten diese Umstände einen ständigen Wechsel des Arbeitsumfelds und verlangen ein hohes Maß an Improvisation und Handlungsschnelligkeit. Hinzu kommt die Herausforderung, möglichst vielen Menschen mit nur begrenzten Mitteln zu helfen. Immer mit dem Wissen im Hinterkopf, nicht allen Bedürftigen beistehen zu können.

„Allein im Bekaa-Tal sind inzwischen über 400.000 syrische Flüchtlinge registriert. Angesichts der sich zuspitzenden humanitären Notlage, kann nicht genug betont werden, dass - mit nüchternem Blick auf die Zahlen - die Spendengelder nicht ausreichen.“, erklärt Projektkoordinatorin Steffi Gentner die Situation.

Wie dieser anspruchsvolle Arbeitsalltag aussieht und warum dabei das übergeordnete Ziel, Menschen in Not in ihrer schwersten Zeit zur Seite zu stehen, nie aus den Augen verloren wird, zeigen Ihnen die aktuellen Bilder des humedica-Teams:

Bei der morgendlichen Teambesprechung vergewissert sich ein Mitarbeiter auf einer Karte, wo sich die betreuten Flüchtlingscamps befinden. Die Karten werden monatlich anhand neuer Lager und Bewohnerzahlen aktualisiert. Je nach Größe wird dann über die Zusammensetzung des humedica-Teams entschieden. Foto: humedica/Carolin Gißibl

Bevor das Team aufbricht werden einmal mehr Equipment und Medikamente überprüft, die bereits am Vorabend wiederaufgestockt wurden. Die Apotheke im humedica-Lager umfasst über 110 verschiedene Medikamente, die in monatlichen Bestellungen lokal bezogen werden. Foto: humedica/Carolin Gißibl

Bevor ein Lager besucht wird, informieren die humedica-Mitarbeiter den Shawish, den Vorstand des Camps. Der Shawish kümmert sich dann um ein freies Zelt, das für die Untersuchungen zur Verfügung steht und informiert die Bewohner über den Besuchstermin. Um das entsprechende Behandlungszelt in der wirren Anordnung der Unterkünfte zu finden, bedarf es immer wieder einer guten Koordinierung. Foto: humedica

Ankommende Patienten werden zuerst durch den Field Officer namentlich registriert. Häufig sind es Mütter mit ihren Kindern. Der Shawish oder ein von ihm ausgesuchter Campbewohner unterstützt den Field Officer bei der Identifizierung der Patienten. Foto: humedica/Carolin Gißibl

humedica-Ärztin Natalie bei der Behandlung zweier syrischer Flüchtlingskinder. Wenn es die äußeren Umstände erlauben, sehen die humedica-Mediziner im Monat bis zu 3.400 Patienten. Foto: humedica/Iman El Houshaimi

Die humedica-Apothekerinnen achten darauf, dass die verschriebenen Medikamente ordnungsgemäß an die Patienten ausgegeben werden und die richtige Einnahme bekannt ist. Da viele Patienten nicht lesen können, helfen farbliche Markierungen. Foto: humedica

humedica ist Teil des Koordinierungssystems des UNHCR, weshalb regelmäßig UN-Mitarbeiter die humedica-Teams bei ihrer Arbeit besuchen. Aufgrund dieser engen Zusammenarbeit konnte humedica in den vergangenen Monaten eine Reihe von Workshops für andere humanitäre Akteure organisieren. Foto: humedica/Carolin Gißibl

Medizinische Hilfe ist mehr als die Behandlung von Krankheiten. Und so nehmen sich die humedica-Ärzte immer wieder Zeit für die Kinder und zeigen ihnen, dass sie nicht allein sind. Foto: humedica/Carolin Gißibl

Bitte unterstützen Sie die Arbeit des humedica-Teams im Libanon mit einer konkreten Spende. Vielen herzlichen Dank! Foto: humedica/Rony Skaff

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