Interview:

Drei Fragen an… Dr. Markus Hohlweck

von LKO, 22.12.2015

Die Flüchtlingslager im Libanon, der Taifun auf den Philippinen oder die Erdbeben in Haiti und Nepal: Der Bonner Internist Markus Hohlweck war in den vergangenen Jahren bei beinahe allen großen Katastropheneinsätzen von humedica als ehrenamtlicher Helfer dabei. Sein jüngster Hilfseinsatz führte ihn vor wenigen Wochen an die serbisch-mazedonische Grenze, um geschwächten Flüchtlingen eine medizinische Versorgung zu ermöglichen.

Im kurzen Gespräch veranschaulicht er die Besonderheiten der aktuellen Situation im Westbalkan.

Markus, was unterscheidet die Flüchtlingshilfe in Serbien von einem anderen humedica-Nothilfeeinsatz, wie etwa nach einem Taifun oder einem Erdbeben?

Bei dem Einsatz zur Versorgung der Flüchtlinge in Serbien, steht neben der medizinischen Hilfe vor allem die menschliche Zuwendung im Vordergrund. Die Menschen, die während unserer Nachtschichten an unserer "kleinen Ambulanz" in Presevo vorbeigekommen sind, waren erschöpft, unterkühlt und unsicher wie es für sie weitergehen wird.

Nach den Strapazen ihrer bisherigen Reise waren wir oft die ersten Menschen, die freundlich mit ihnen gesprochen haben und sie mit einem Lächeln begrüßt haben. Eine Decke, ein heißer Tee, menschliche Zuwendung und zehn Minuten vor unserem Heizofen waren oft wichtiger als Hustensaft und Schmerzmittel.

Unter was litten die Menschen? Gab es bestimmte Krankheitsbilder, die Eure Hilfe bestimmten?

Viele Patienten hatten aufgrund der ungewohnten, tagelang andauernden Fußmärsche in oft nicht passenden Schuhen Blasen an den Füßen. Hinzu kamen Schmerzen in allen Gelenken und vermutlich stressbedingte Kopfschmerzen. Aufgrund der kalten Temperaturen gab es viele bronchitische Infekte mit Fieber und Husten – vom Kleinkind bis zum Erwachsenen. Vereinzelt litten die Menschen auch an Magen-Darm Infektionen mit Übelkeit und Erbrechen. Zum Glück mussten nur wenige Patienten direkt ins Krankenhaus. In diesen Fällen lagen die Gründe dann meist an schwerer Überzuckerung oder akuten Abdomen.

Gab es im Rahmen dieser Hilfe besondere Bilder oder Begegnungen, die dir im Gedächtnis geblieben sind?

Während unserer bitterkalten Nachtschichten herrschte immer eine besondere Stimmung. Das sind Bilder, die einem in Erinnerung bleiben.

Vermummte, in Decken gehüllte Familien, mit nichts als Flipflops an den Füßen, die um drei Uhr nachts wie in Trance die Straße entlang eilen. Die kleinen Kinder ohne einen Ton der Klage, ohne zu weinen. Die Eltern jeweils mit zwei Plastiktaschen in denen das ist, was von ihrem bisherigen Leben übrig geblieben ist. Gestandene Männer, die bibbernd in eine Decke gehüllt irgendwo allein am Straßenrand kauern, die einfach nicht mehr können und warten, dass die Nacht irgendwie vorbeigeht.

Gut war zu erfahren, dass es durch die vielen anderen freiwilligen Helfer in Presevo Menschen gibt, die versuchen den Flüchtlingen durch ihren ehrenamtlichen Einsatz den bestmöglichen Empfang in der EU zu bereiten. Mit einem Lächeln, heißem Tee, Kleidung und dem Gefühl willkommen zu sein.

Vielen Dank für diese Einblicke, Markus!

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