„Wann blickt die Welt auf diesen Ort?“

Unbeschreibliche Situation an der serbisch-mazedonischen Grenze – Registrierung der Flüchtlinge führt zu Nadelöhr – Helfer verzweifelt – Versorgungslage extrem schlecht

von Steffen Richter, 13.10.2015

Seit Mitte September betreuen Einsatzkräfte von humedica im Rahmen von mobilen Kliniken Flüchtlinge an verschiedenen Stellen der sogenannten Westbalkanroute. Nach Stationen in Ungarn, Serbien und Kroatien behandelt das sechsköpfige Team mittlerweile am serbisch-mazedonischen Grenzstädtchen Presevo und berichtet von dramatischen Zuständen, die Grenzen des Vorstellbaren seien längst gesprengt. humedica appelliert an die deutsche Öffentlichkeit, Medien und die Bundesregierung, auch über die Grenzen unseres Landes hinaus zu blicken und die Sinne neu zu schärfen für die unvorstellbaren Zustände an Orten wie Presevo.

„Wir haben in 36 Jahren humanitärer Hilfe schon sehr viel gesehen“, erklärt humedica-Geschäftsführer Wolfgang Groß, „aber was unsere Helfer aus Presevo berichten, ist eine neue Dimension des Leids.“

Nachdem humedica am 18. September 2015 zwei mobile Einheiten mit zwei Fahrzeugen auf den Weg gebracht hatte und in den Wochen danach an verschiedenen Orten in Ungarn, Serbien und Kroatien gezielt helfen konnte, arbeitet das mittlerweile ausgetauschte Team in Presevo, einer Kleinstadt unmittelbar an der serbisch-mazedonischen Grenze gelegen. Da hier die Registrierung aller Flüchtlinge stattfindet, die über Österreich weiter in den Westen und Norden Europas reisen möchten, ergibt sich eine klassische Nadelöhr-Situation. Bis zu 10.000 Flüchtlinge kommen täglich in Presevo an, es gibt keinerlei Infrastruktur für diese große Zahl an Menschen.

Die Warteschlangen sind hunderte Meter lang und ziehen sich durch die ganze Stadt. Die Menschen stehen oft mehrere Tage in dieser Schlange, schutzlos permanentem Regen und eisiger Kälte ausgesetzt , unterversorgt, verzweifelt. „Wir arbeiten alle im Akkord, behandeln Patienten, schenken heißen Tee aus, verteilen Lebensmittel, ziehen Kinder um, verteilen Plastiktüten als behelfsmäßige Regenponchos. Die Kleidung geht uns meist schon nach kurzer Zeit aus, dann wickeln wir wenigstens noch Plastiktüten um die Kinder. Sie weinen, wimmern oder geben gar keinen Laut mehr von sich.“, erzählt humedica-Koordinatorin Victoria Wenz-Tappe.

Angesichts der humanitären Katastrophe, die sich in diesen Tagen in Presevo und an anderen Stellen in Europa ereignet, hat sich humedica entschlossen, die Hilfe fortzuführen und nach Möglichkeit auszubauen. „Natürlich ist es wichtig, die zumeist organisatorischen Herausforderungen in unserem Land anzugehen. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass sich nur wenige hundert Kilometer von uns entfernt eine Tragödie ereignet und dort Menschen wirklich dringend Hilfe brauchen.“, appelliert Wolfgang Groß an die deutsche Öffentlichkeit. Neben den humedica-Helfern befindet sich lediglich ein kleines Team der Kolleginnen und Kollegen von Ärzte ohne Grenzen in Presevo.

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HINWEIS: Es besteht die Möglichkeit, das humedica-Einsatzteam telefonisch oder über andere elektronische Wege zu kontaktieren. Auch ist eine temporäre persönliche Begleitung des Teams denkbar. Bitte wenden Sie sich bei Interesse an Pressesprecher Steffen Richter.
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