Kleine Geschichten aus Brasilien

von Rebecca Groß/LKO, 07.04.2015

Seit einem Jahr lebt Rebecca Groß, Tochter von humedica-Geschäftsführer Wolfgang Groß, in der brasilianischen Stadt Nova Friburgo, um dort für die große Kindertagesstätte und das angegliederte Familienpatenschaftsprogramm von humedica zu arbeiten. Und obwohl der Arbeitsalltag beinahe ihre ganze Zeit beansprucht, lernt sie in ihrer freien Zeit Land und Leute immer besser kennen.

Zwei Erlebnisse haben sie in den vergangen Wochen besonders beeindruckt: Der berühmte brasilianische Karneval und ein Abstecher in die grüne Landschaft Südamerikas.

Karneval in Brasilien

„In den letzten Wochen gab es hier nur ein Gesprächsthema mit acht Buchstaben: Karneval. Und endlich war ich live dabei. Der weltberühmte brasilianische Karneval ist genauso wie man sich ihn vorstellt. Laut und bunt. Wer nicht die Möglichkeit hat, persönlich zu den großen Umzügen nach Rio de Janeiro oder Sao Paolo zu fahren, sieht sich das Spektakel im Fernsehen an. Bei den Umzügen präsentieren verschiedene Sambaschulen ihr ganzes Können und die verrücktesten Kostüme, die man sich nur vorstellen kann.

Am Abend des großen Umzugs in Rio versammelten wir uns kurz vor Mitternacht um den Fernseher im Wohnzimmer meiner Gastfamilie. Nach einer Weile erschloss sich mir, weshalb die teilnehmenden Tanzschulen ein ganzes Jahr für diesen Tag trainierten: Jede Sambaschule hatte ganze eineinhalb Stunden Zeit sich zu präsentieren.

Und weil gegen zwei Uhr Nachts noch immer keine Ende des Umzugs in Sicht war, verabschiedete ich mich ins Bett. Mein Gastvater, der sich jedes Jahr fest vornimmt, den ganzen Umzug anzusehen, war bereits auf dem Sofa eingeschlafen.

Natürlich gab es auch hier in Nova Friburgo, meinem Wohnort und dem Ort der humedica-Kindertagesstätte, verschiedene Karnevalsumzüge, doch diese unterscheiden sich im Vergleich zu dem Spektakel in Rio kaum von einem deutschen Umzug. Schlussendlich war ich froh, als sich alles wieder beruhigte und der normale Alltag nach dem Karneval zurückkehrte.

Ausflug ins Grüne

Um etwas Abwechslung vom Arbeitsalltag in Nova Friburgo zu bekommen, machen wir uns immer mal wieder auf den Weg in ein kleines Dorf außerhalb der Stadt, wo die Eltern meiner Gastmutter Magali leben. Der kleine Ort erinnert mich sehr an das kleine Dorf in Sri Lanka, in dem meine eigene Großmutter lebt.

Denn auch hier gibt es nichts außer Berge, Pflanzen, einigen kleinen Häuschen und einem winzigen Lebensmittelladen. Von einer Internetverbindung ganz zu schweigen. Ein Umstand, der einen den Stress in der Arbeit schnell vergessen lässt.

Unser letzter Besuch führte uns zu einem Freund von Magalis Vater Pietro, um dort sogenannte Maniokwurzeln zu ernten. Maniok ist ein Gemüse, das an eine Kartoffel erinnert und frittiert oder gekocht gegessen wird. Bevor wir uns aber über Stock und Stein auf den Weg machen konnten, mussten wir das alte Auto von Pietro dreimal anschieben, um überhaupt in Fahrt zu kommen. Als wir schließlich bei dem befreundeten Bauern ankamen, besichtigten wir kurz sein Grundstück und lernten seine Familie kennen.

Um zu den Maniokwurzeln zu gelangen, mussten wir eine kleine Strecke durch das angrenzende Gelände laufen. Rechts von dem kleinen Pfad weideten Kühe und links führte ein steiler Abhang mindestens fünf Meter in die Tiefe. Man musste also darauf achten, wo man hintrat. Die Landschaft glich den sattgrünen Kuhweiden im Allgäu, nur der Klang der Kuhglocken fehlte.

An der Maniokplantage angekommen, bot sich uns ein herrlicher Blick auf das kleine Dorf, aus dem wir eben kamen und ich hörte Pietro zu seiner Frau sagen: ‚Sieh Dir diese Aussicht an, lass uns hier her ziehen und auch Maniokwurzeln anpflanzen.‘ Doch seine Frau, die noch schwer vom Aufstieg atmete, antwortete nur: ‚Du verrückter alter Mann, jetzt hast Du den Verstand verloren.‘ Ich musste lachen und war einmal mehr froh, Brasilien mein zweites Zuhause nennen zu können.“

Für viele Menschen in Brasilien sind der weltberühmte Karneval und die beeindruckende Natur nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite finden sich strukturelle Armut und der harte Kampf um Arbeit und Perspektiven. Am Projektstandort Nova Friburgo engagiert sich humedica für die gezielte Förderung und Unterstützung bedürftiger Kinder und ihrer Familien.

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