Mit geschärftem Blick fürs Wesentliche

von LKO, 16.02.2015

Wir wählen ihre Form und Farbe nach persönlichem Geschmack, besitzen vielleicht mehr als eine und tauschen sie hin und wieder gegen Kontaktlinsen ein. Die Rede ist natürlich von der Brille. Einem Gebrauchsgegenstand, der bei uns schon lange nicht mehr nur als Sehhilfe fungiert, sondern längst zu einem modischen Accessoire, einem Statement des eigenen Charakters geworden ist. Dass die Brille dann auch ihren ursprünglichen Zweck, nämlich die Sehstärke zu verbessern, erfüllt, ermöglichen uns zahlreiche Optiker und Augenärzte.

Ein Luxus, von dem die Menschen in Flüchtlingslagern nur träumen können. Geflohen vor Gewalt, Hunger oder Armut beschäftigen die Bewohner der Camps existenziellere Probleme als eine optisch passende Brille. Und trotzdem beeinträchtigt der zunehmende Verlust ihrer Sehkraft manche Flüchtlinge so sehr, dass sie auf die Hilfe anderer angewiesen sind.

Im äthiopischen Flüchtlingslager Melkadida, wo humedica seit 2011 mit Unterstützung des Auswärtigen Amts eine Gesundheitsstation betreibt, konnte dieser Problematik mittels einfacher Maßnahmen nun Abhilfe verschafft werden. In einem Zeitraum von drei Wochen untersuchte Doktor Surajit Sahu, ehrenamtliche humedica-Einsatzkraft und Facharzt für Augenheilkunde, über 500 Flüchtlinge, stellte fest, ob sie eine Brille benötigen und wenn ja, welche Sehstärke erforderlich ist.

Einer seiner Patienten war Ahmed. Nach dem über Megafone angekündigten Besuch des Augenarztes, hatte er die humedica-Gesundheitsstation aufgesucht und wartete neben vielen anderen auf seine Untersuchung. „Ich hatte wenig Hoffnung für meine Augen, da ich mittlerweile so schlecht sehen konnte, dass ich nicht einmal mehr den Berg hinter meiner Hütte erkannte.“

Nach verschiedenen Messungen und Tests bekam Ahmed jedoch eine bessere Rückmeldung als erwartet. „Doktor Sahu erklärte mir, dass ich mit der passenden Brille wieder fast vollständig sehen könnte. Er schrieb sich alle Ergebnisse meiner Untersuchung auf und erklärte mir, dass ich in wenigen Wochen die richtige Brille bekommen würde.“

Neben Ahmed konnte der Augenarzt bei 60 weiteren Frauen, Männern und Kindern eine Sehschwäche feststellen. Auf der Basis dieser Untersuchungsergebnisse organisierte das lokale humedica-Team anschließend für jeden Patienten die passende Brille in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba. Einen Monat nach der ärztlichen Untersuchung konnten diese dann an die Flüchtlinge ausgegeben werden.

„Nachdem uns gesagt wurde, dass unsere Brillen da sind, haben wir uns sofort auf den Weg in die Gesundheitsstation gemacht. Als ich sie dann auf der Nase hatte, konnte ich es kaum glauben. Alles war plötzlich wieder klar und deutlich.“, erklärt Ahmed. „Jetzt kann ich nicht nur den Berg hinter meiner Hütte, sondern sogar den Wassertank auf dem Berg genau erkennen.“

Doch Menschen mit einer konventionellen Sehschwäche wie Ahmed, waren nur eine der Flüchtlingsgruppen, die von dem ehrenamtlichen Einsatz des Augenarztes profitierten. Mittels spezieller Messinstrumente gelang es Doktor Sahu bei 127 Patienten eine Katarakt zu identifizieren.

Die besser unter dem Namen grauer Star bekannte Krankheit kann unbehandelt zum kompletten Verlust des Augenlichts führen und ist nur durch eine Operation behandelbar. Eine Folge, die Menschen in den ohnehin schwierigen Lebensbedingungen eines Flüchtlingslagers, besonders stark beeinträchtigt.

humedica wird in den kommenden Monaten an diese Untersuchungsergebnisse anknüpfen und die betroffenen Patienten operieren. „Die Operation des grauen Stars ist zum Glück nicht sehr kompliziert, weshalb die Augenärzte die Eingriffe direkt hier in unserer Gesundheitsstation durchführen können.“, erklärt die zuständige humedica-Mitarbeiterin Linda Zimmermann. „Dass das überhaupt möglich ist, liegt allein an der Vorarbeit von Doktor Sahu.“

Nach aktuellen Planungen können die ersten Katarakt-Operationen bereits im April durchgeführt werden. Ein nach deutschen Standards einfacher Eingriff, der das Leben der betroffenen Menschen um ein Vielfaches erleichtern wird.

Bitte unterstützen Sie humedica bei der Umsetzung dieser Hilfsmaßnahme mit einer wertvollen Spende und ermöglichen Sie den Flüchtlingen in Melkadida das, was für uns längst zur Norm geworden ist. Vielen Dank!

      humedica e. V.
      Stichwort "Hungerhilfe Afrika"
      IBAN DE35 7345 0000 0000 0047 47
      BIC BYLADEM1KFB
      Sparkasse Kaufbeuren

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