Vergessene Katastrophen

von Martina Zelt, 27.06.2014

Ob Erdbeben, Hungersnöte oder Krieg, die Katastrophen unserer Erde erschüttern das Leben von Millionen von Menschen. Gleichzeitig haben sie verheerende Auswirkungen für Gemeinschaften, ganze Völker. Während die Konsequenzen für die Betroffenen immer dramatisch sind, ist die Wahrnehmung durch die Weltöffentlichkeit sehr unterschiedlich, tatsächlich abhängig von verschiedenen Faktoren.

Von vielen Katastrophen hören wir nichts, von anderen wissen wir nicht einmal etwas. In einer neuen Reihe thematisieren wir diese vergessenen Katastrophen, erzählen die ungehörten Geschichten der Menschen, deren Leben direkt und unmittelbar betroffen sind.

Ob Hungersnot im Niger, Flucht, Vertreibung und äußerste Gewalt im Kongo, extreme Versorgungsnöte in Simbabwe oder Armut in Myanmar: humedica hilft und gleichzeitig möchten wir auch Stimme derer sein, die auf unsere Unterstützung angewiesen sind, in den Nachrichtensendungen dieser Welt aber nicht vorkommen.

Simbabwe - Wenig Medizin, kaum Hoffnung

humedica-Engagement im Land der traurigen Rekorde

Was wissen wir schon von Simbabwe? Wir kennen Statistiken, die sich keiner wünscht. Ungeschlagen die Arbeitslosenquote von bis zu 90 Prozent in den vergangenen Jahren. Im human development index rangiert es auf einem der untersten Plätze. Was es wirklich bedeutet in solch einem Land zu leben, zu träumen, einen täglichen Kampf um unser Leben zu haben, wird in einem intensiven Telefonat zwischen humedica-Mitarbeiterin Martina Zelt und Ordensschwester Anuarite aus Simbabwe klar.

Nahezu zeitgleich zum Gespräch ist ein humedica-Container mit wertvollen Hilfsgütern unterwegs: 7 Tonnen Hoffnung auf dem Seeweg Richtung Simbabwe, die spezifischen Hilfsgüter werden dort dringend benötigt.

Seit rund 20 Jahren ist Schwester Anuarite in Krankenhäusern und Schulen der Diozöse Mutare tätig, sie arbeitet als Seelsorgerin und Krankenschwester. Das Gesundheitssystem des Landes ist marode, weist große Lücken und Mängel auf. Hunderte Patienten kommen täglich in die Krankenhäuser.

Elf Krankenhäuser, drei Ärzte

„Die Krankenschwestern stemmen fast alles alleine, sie leisten unglaubliche Arbeit, doch es mangelt an allem.“ Erst schien eine Neuerung im Gesundheitssystem Hoffnung zu versprechen. Alle Kinder unter fünf Jahren sollten kostenfrei versorgt werden.

Doch die Rechnung ging nicht auf: Seitdem ist für Kinder über fünf Jahren und Erwachsene kein Geld mehr verfügbar, die Versorgung der Bevölkerung schwieriger denn je.

„Viele Menschen laufen weite Strecken, manchmal bis zu 50 Kilometer und das oft in krankem und gebrechlichem Zustand. Dann erreichen sie endlich das Krankenhaus und wir können sie nicht versorgen“, erzählt Schwester Anuarite bewegt. Die Diozöse und das Krankenhaus sind direkt von Spendengeldern abhängig, es mangelt oft am Nötigsten.

Empört und traurig erzählt die Schwester, dass in den Krankenhäusern neben Medikamenten und medizinischer Ausstattung selbst Nahrungsmittel knapp sind: „Man kann ihnen doch keine Medizin geben, wenn man sie nicht auch ernähren kann! Dann liegen die Kinder in ihren Betten und haben Hunger.“ Eine unvorstellbare Situation.

Leider kommt es auch vor, dass Menschen den Fußmarsch nicht überleben. Schwester Anuarite berichtet von einem 12-jährigen Mädchen, das schwerstkrank viele Kilometer von ihrer Großmutter getragen wurde, stets das Ziel im Auge: Das nächste Krankenhaus. Als Schwester Anuarite die beiden am Straßenrand fand, war es schon zu spät, die Kleine starb an den Folgen der Malaria.

humedica kämpft gegen Situationen wie diese, etwa durch die Übernahme der Reparaturkosten einer Ambulanz. Nur so können die beschwerlichen Wege für die Patienten erleichtert werden. Der Krankenwagen tut seitdem wertvolle Dienste. Eine Verbesserung, die Menschenleben rettet.

„Diejenigen, die sich Nahrung leisten können…“

Im Gespräch tauschen wir uns auch über kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und Simbabwe aus. Was etwa ist ein typisches Gericht in Simbabwe? Wie sehr ich doch in meinen Denkgewohnheiten feststecke! Der Beginn ihrer Antwort bringt mich zurück in die Realität, in die Realität eines der ärmsten Länder der Welt. Ihre Antwort beginnt mit den Worten: „Diejenigen, die sich Nahrung leisten können…“

Denn es gibt in Simbabwe viele, die das nicht können, viele denen drei Mahlzeiten wie purer Luxus vorkommen muss. Die meisten können sich nur eine Mahlzeit leisten, dann wird zu Abend gegessen, es gibt Blattgemüse – ein mir unbekannter Baum liefert die Nahrung – auf diese Weise kann man wenigstens nachts einschlafen, da der Magen beruhigt ist.

Besonders die Frauen kämpfen für ihre Familien und Kinder. Vier Sprösslinge hat eine Mutter durchschnittlich – oft alleine – zu versorgen. Schwester Anuarite beginnt zu grübeln, als ich ihr erzähle, dass es in Deutschland Familien gibt, die nur ein Kind haben. „Die müssen große Probleme haben“, lautet ihre Erklärung. Als ich erzähle, dass das meist so gewollt sei, beginnt sie zu lachen, versteht die Welt nicht mehr und murmelt: „Verrückt ist das, in Deutschland.“

Seit 2008 schickt humedica Hilfsgüter nach Simbabwe. Medizinische Bedarfsartikel, Matratzen, sterile Bettwäsche für Krankenhausbedarf und Verbandsmaterial – alles wertvolle Hilfe, die das Krankenhaus an der Basis unterstützt und medizinische Hilfe erst möglich macht.

Eine Brücke nach Simbabwe

An Weihnachten bekommen viele Kinder aus der Diozöse und aus Waisenhäuser der Region ein liebevolles "Geschenk mit Herz" im Rahmen der humedica-Weihnachtsaktion.

Als ich und Schwester Anuarite das Gespräch langsam beenden, fühlen wir uns eng verbunden, zwei Frauen aus unterschiedlichen Kulturkreisen mit entsprechend unterschiedlichen Leben und Hintergründen. Verbunden durchs Zuhören, Erzählen, Verstehen und Brücken bauen. Denn das ist es, was die Hilfe von humedica auch kann: Brücken bauen und unterstützen.

Damit die Brücke an Unterstützung und Versorgungshilfe weiterhin hält, ist humedica auf Spenden angewiesen und so möchten wir Sie freundlich um ihre Unterstützung bitten. Auf dass die wertvolle Arbeit von Menschen wie Schwester Anuarite weiterhin unterstützt werden kann! Vielen herzlichen Dank für Ihren Beitrag!

      humedica e. V.
      Stichwort „Versorgungshilfe“
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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