Mit Gottes Unterstützung

von Thomas Katzenbach, Jasmin Eigemann, 22.07.2014

Togos Gefängnisse sind voll. Übervoll. So hoffnungslos überfüllt, dass die Häftlinge keinen Platz zum Liegen finden und in Schichten schlafen müssen. Das Tragische: Über 65 Prozent der Insassen sind nicht verurteilt und warten auf ihre Anklage. Oft jahrelang. Das Ergebnis sind Krankheiten, die durch zu viel Nähe, falsche Ernährung und verunreinigtes Wasser übertragen werden. Um die Insassen in ihrem Schicksal nicht alleine zu lassen schickte humedica ein Einsatzteam.

Die ehemalige deutsche Kolonie Togo unterhält heute, nach 20 Jahren Unterbrechung, aufgrund gravierender Menschenrechtsverletzungen in den 1990er Jahren, wieder gute Beziehungen zu Deutschland. Trotz deutlicher Verbesserungen der Menschenrechte seit 2006 gibt es weiterhin starke Defizite.

Neben Korruptionsvorwürfen und einer schwachen Stellung von Frauen, wird insbesondere die Situation in der Justiz angeprangert. Lange Prozesswartezeiten, baufällige, stark überfüllte Einrichtungen, eine schlechte hygienische und medizinische Versorgung, um nur einige Probleme der Insassen zu nennen.

Im Rahmen eines Einsatzes mit der Organisation Prison Fellowship Togo, die sich seit 20 Jahren für die Rechte und Nöte von Häftlingen und ihren Familien engagiert, war es humedica möglich ein vierköpfiges Ärzteteam nach Togo zu schicken. humedica-Koordinator Dr. Thomas Katzenbach berichtet:

„Persönlich hat mich dieser Einsatz sehr gesegnet. Das hochgradig belastbare, motivierte und fachlich kompetente Team bestehend aus Dr. med. Ulrike Knödler, Dr. Rahel Röthlisberger und Dr. Hansi Sobez hat die Gefängniseinsätze zu einem vollen Erfolg gemacht.

Ergänzt wurde unser Einsatzteam durch die unglaubliche Unterstützung von Pastor Martin Anaw, dem Leiter von PF Togo und seinem Team. Zeitweise bestand unser Unterstützerteam sogar aus 50 Personen! Sie kümmerten sich um die gesamte Planung, lasen uns jeden Wunsch von den Augen ab und verbreiteten mit ihrer ansteckend fröhlichen Art gute Laune.

Insgesamt arbeiteten wir in acht Gefängnissen. Zwei in Lomé, davon ein Jugendgefängnis und Drei im Umland der Hauptstadt. Im Rahmen einer viertägigen Reise durch das Land besuchten wir noch drei weiter entfernte Anstalten.

Wie und wo wir uns platzierten, wurde in jedem Gefängnis am Anfang schnell geklärt, damit wir zügig mit der Arbeit beginnen konnten. Die Patienten wurden registriert, kamen zum Blutdruckmessen und wurden dann von uns Ärzten untersucht.

Im Anschluss an die Behandlung hatten sie die Möglichkeit mit unserem Gebetsteam um Gottes Beistand zu bitten. So konnten wir den Häftlingen eine ganzheitliche Unterstützung in ihrer physisch und psychisch schwierigen Situation geben.

In allen Gefängnissen hatten wir absolute Freiheit. Die Gefängnisleiter, Wärter und Insassen waren alle sehr freundlich und zuvorkommend, was uns die Arbeit erleichterte. Natürlich gab es auch Anlaufschwierigkeiten durch fehlende Möbel oder fehlende Kommunikation der Verantwortlichen vor Ort über unser Kommen, aber letztlich konnte alles zeitnah geklärt werden.

Erschütternd für uns waren die Bedingungen in den Gefängnissen. Überall war es sehr voll und beengt. Wir wurden mehrmals um Essen angebettelt, weil es in einer Einrichtung kaum etwas gab. In den meisten Gefängnissen herrschten Erkrankungen der Haut- und des Bewegungsapparates vor, sowie Malaria, Vitaminmangel und alle möglichen Arten von Infektionen.

Unsere Beobachtungen und Verbesserungsvorschläge konnten wir in Treffen mit Gefängnisleitern und dem Justizminister klar anbringen. Die Einhaltung der uns gemachten Zugeständnisse wird von PF Togo überwacht. Wir sind uns sicher, dass unsere Vorschläge aufgrund des starken und aktiven PF Togo-Teams Umsetzung finden werden.“

Trotz Unterstützung der Vereinten Nationen werden nötige Reformen wie der Bau neuer Gefängnisse, Ausbildung neuer Beamter, sowie Einstellung weiteren Gefängnispersonals nur sehr langsam umgesetzt. Togo gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und steht auf Rang 162 von 187 der entwickelten Staaten.

Dementsprechend wird humedica auch weiterhin das Team von PFI unterstützen und sich für bessere Lebensumstände von Häftlingen und ihren Familien einsetzen.

Mit ihrer Hilfe kann humedica einen Unterschied für die Betroffenen machen. Bitte unterstützen Sie uns auch weiterhin mit einer Spende. Vielen Dank!

      humedica e. V.
      Stichwort „PFI“
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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