Und die Welt dreht sich weiter

von Stephanie Mühlbauer, Lina Koch, 25.02.2014

Gerade eben gehen die humedica-Einsatzkräfte noch ihrem geregelten Beruf nach, schlafen in einem warmen Bett, Essen, was ihnen schmeckt. Einige Flugstunden später hat sich diese Realität um 180 Grad gedreht. Plötzlich handelt sich alles um eine schnelle Versorgung der Opfer. Fragen, wie nach dem Schlafplatz oder der nächsten warmen Mahlzeit werden zur Bagatelle.

Stephanie Mühlbauer aus Marburg weiß um diese schlagartig veränderte Wirklichkeit. Als Krankenschwester und Koordinatorin engagierte sie sich im Rahmen der humedica-Hilfsmaßnahmen auf den Philippinen. Rückblickend berichtet sie von einer ereignisreichen Zeit:

„Ich gehe an Bord und mir fallen die Augen zu. Ich verschlafe das Essen und interessiere mich nicht im Geringsten für das Bordprogramm. Das gab es noch nie. Hinter mir liegen dreieinhalb Wochen Katastropheneinsatz auf den Philippinen, wo Taifun „Haiyan“ über weite Strecken unfassbare Verwüstung hinterließ. Noch nie habe ich so eine Zerstörung gesehen. Wo vorher Hütten, Häuser und Palmen standen, ist jetzt alles kaputt, umgeknickt oder eingestürzt.

Trotz dieser augenscheinlichen Dramatik wurden es während meines Einsatzes in der betroffenen Region immer weniger Patienten, die in unserem Krankenhaus in Tacloban und den mobilen Kliniken in der Umgebung Hilfe suchten. Die Krankheits- und Verletzungsbilder wandelten sich von Katastrophenmedizin zu allgemeinärztlicher Versorgung.

Übliche Erkrankungen wie Husten und Schnupfen entwickeln sich unter diesen schwierigen Hygiene- und Lebensumständen zwar dennoch zu bedrohlichen Infekten, aber gravierende Wunden und Brüche nahmen ab.

Doch sollte ich schon nach Hause fliegen, nur weil die akute medizinische Hilfe vorbei war? Nein, das kam nicht in Frage. Da reiste ich lieber noch einmal in die Hauptstadt Manila und unterstützte das Team als Koordinatorin. Weg aus dem betroffenen Gebiet, hin zu der Arbeit im Hintergrund. Und dort erwartete mich ein Berg an Aufgaben.

Ich telefonierte, chauffierte und organisierte von früh bis spät. Denn neben der Koordination der humedica-Hilfsmaßnahmen standen natürlich auch alltägliche Dinge wie der Einkauf und das Geldwechseln auf der Tagesordnung. Tätigkeiten, die immer mit mindestens eineinhalb Stunden Fahrzeit und schweißtreibendem Klima einher gingen.

Besonders wertvoll war während dieser Zeit die Begegnung mit der deutschen Wiebke, die uns beherbergte, mit wertvollen Kontakten ausstattete und über die Maßen in Rat und Tat zur Seite stand.

Von der Allianz Mission entsendet, arbeiten Wiebke und ihre Kollegen vorwiegend in den Armenvierteln der Stadt und versuchen über Bildungsprogramme, Gesundheitserziehung und persönliche Begegnung, Nächstenliebe und positive Veränderung zu den katastrophengeplagten Familien zu bringen.

Denn während die Welt nach Taifun „Haiyan“ gespannt auf die betroffenen Inseln blickte, sind zahlreiche Männer, Frauen und Kinder von dort nach Manila geflüchtet. Eine Flucht in die Großstadt, mit dem Traum von Arbeit und einem besseren Leben.

Doch wie oft geht dieser Traum in Erfüllung? Wer kümmert sich um die unbegleiteten Kinder? Und wer fängt sie auf, wenn der Traum zu platzen droht und sie von der harten Realität eingeholt werden? Das Engagement von Wiebke und ihren Kollegen greift an genau diesem Punkt. Eine Leistung von unschätzbarem Wert!

Als meine Zeit in Manila zu Ende ist, war ich froh die Arbeit in die fähigen Hände meiner Nachfolgerin übergeben zu können. Am Tag meines Abflugs machte ich mich allein auf den Weg zum Flughafen und begab mich in ein Terminal voll gewöhnlich Reisender. Philippinos, die sich einen Aufenthalt im Ausland leisten können, Europäer die aus ihrem Urlaub zurückkehren und ich mittendrin.

Die Welt abseits der Katastrophe hat sich weitergedreht: Menschen fliegen in die Ferien und gehen einem geregelten Beruf nach. Ich konnte die Spannung zwischen dieser Welt und der, aus der ich gerade kam förmlich greifen.

Irritiert stieg ich in mein Flugzeug gen Heimat und dachte daran, wie seltsam es ist, nun in mein normales Leben zurückzukehren. Doch sobald ich meinen Sitzplatz erreicht hatte, verflog dieser Gedanke und ich spürte, wie die Müdigkeit mich übermannte.“

In der globalisierten Welt von heute erreichen uns Bilder und Nachrichten von Katastrophen beinahe in Echtzeit. Doch lassen uns auch tausende gelesene Worte und gesehene Fotos nicht nachfühlen, was Betroffene einer Katastrophe erleben. Mit Ihrer Unterstützung ermöglichen Sie humedica eine Hilfe, die ohne Umwege den Leidtragenden zugute kommt. Vielen Dank!

      humedica e. V.
      Stichwort "Taifun Philippinen"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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