Kein Veto für die Philippinen

von Tatjana Bojarski/LKO, 23.01.2014

Nach einer Katastrophe finden sich neben den direkt Betroffenen, auch die ersten Einsatzkräfte von humedica oft in einer ungewohnten und belastenden Situation wieder. Wichtige Fragen zur aktuellen Lage in der Unglücksregion oder zu einer potenziellen Unterkunft am Ort können im Voraus häufig nur vage oder überhaupt nicht beantwortet werden.

Allgemeinmediziner Dr. Michael Brinkmann kennt diese Ungewissheit aus eigener Erfahrung – seit seinem ersten Einsatz nach dem Erdbeben in Pakistan vor neun Jahren, begibt er sich regelmäßig für humedica in betroffene Gebiete.

Und so reiste der Arzt auch aktuell nach dem verheerenden Taifun „Haiyan“ auf die Philippinen. humedica-Medienkoordinatorin Tatjana Bojarski begleite ihn und erfuhr unter anderem was im Gepäck auf keinen Fall fehlen darf:

„Wenn humedica zum Katastropheneinsatz ruft, muss alles sehr schnell gehen. Oft bleiben nur wenige Tage oder gar Stunden um die Tasche zu packen, Arbeitskollegen zu informieren und die Familie von dem Vorhaben zu überzeugen. Gleichzeitig gilt es möglichst viele Informationen über die Umstände der anstehenden Reise zu sammeln, um bestmöglich vorbereitet zu sein.

Auf dem Flug in Richtung Philippinen treffe ich Dr. Michael Brinkmann, Arzt und Familienvater aus Bonn. Für ihn es bereits sein sechster Einsatz mit humedica. Ob es für ihn mittlerweile zur Gewohnheit geworden ist, frage ich ihn, als wir in der philippinischen Hauptstadt Manila, kurz vor seinem Weiterflug nach Tacloban, zusammensitzen.

„Beim Packen werde ich immer besser, die Fehlerquote reduziert sich bei jedem Mal“, witzelt er und fügt dann ernst hinzu: „Dennoch bleibt es immer eine Reise ins Ungewisse. Es stellt sich erst dann eine gewisse Vertrautheit ein, wenn ich vor Ort Verletzte behandle.“

Dieses Mal fiel ihm der Abschied von seiner Familie besonders schwer. Mittlerweile ist auch seine jüngste Tochter alt genug um die Medien mitzuverfolgen. „Als wir die Bilder des Taifuns im Fernseher sahen, fragte sie mich sofort, ob ich nun auch auf die Philippinen fliegen werde“, erzählt Michael.

Sobald eines seiner drei Kinder ein Veto einlegt, sagt er einen Einsatz ab. In diesem Fall gab es glücklicherweise keine Gegenstimmen. Siebzehn Stunden Flug liegen nun bereits hinter ihm und er freut sich über das frische Obst, das uns in Manila angeboten wird. „Wer weiß, wann wir das nächste Mal etwas Richtiges zu essen bekommen.“

In den Katastrophenregionen leben die Einsatzteams von humedica oft unter den gleichen Bedingungen, wie die betroffene Bevölkerung. Fließendes Wasser, Stromversorgung, warmes Essen und ein bequemer Schlafplatz sind meist ein Luxus, der nicht gewährleistet werden kann. Gewisse Dinge wie eine Taschenlampe, Müsliriegel oder feuchte Tücher, dürfen daher im Handgepäck nicht fehlen.

Mindestens genauso wichtig sind für Michael jedoch auch Fotos seiner Familie, Seifenblasen und ein kleines Stoffhündchen. „Bislang ist mir noch nie etwas passiert, ich glaube das liegt an dem Glücksbringer-Hund, den ich immer dabei habe“, erklärt er mir lächelnd.

Auf meine Frage nach der Bedeutung der Seifenblasen folgt eine schlüssige Erklärung: „Die müssten mit, da es gerade in solchen Zeiten kaum etwas Wirkungsvolleres gibt, als ein Lächeln auf die Gesichter der Kinder zu zaubern.“

Zwanzig Jahre lang war Michael als Notarzt in Deutschland tätig. „Ich würde nicht in Krisengebiete fahren, wenn ich nicht bereits zu Hause Erfahrungen mit medizinischen Extremsituationen gemacht hätte“, sagt er. Dennoch findet er sich im Einsatz oft mit Problemen konfrontiert, bei denen ihm auch seine langjährige Erfahrung nicht weiterhelfen kann.

„Viele Patienten klagen über Schmerzen, die nicht körperlich sind. Sie erzählen von ihren Verlusten und Ängsten, aber wie reagiert man darauf, wenn man ihrer Sprache nicht mächtig ist?“ Durch die Sprachbarriere bleibe einiges auf der Strecke, jedoch braucht ein Zeichen des Mitgefühls keine konkreten Worte.

Zuhören, Hände halten und ein Augenblick der Aufmerksamkeit inmitten des Chaos sei mindestens genauso wichtig, wie Wunden zu verbinden und Schmerzen zu lindern.

Knapp drei Wochen bleibt Michael in Tacloban, um zu helfen. Kurz vor unserem Abschied frage ich ihn mit welchem Gefühl er gerne nach Hause fliegen möchte. „Ich wünsche mir, dass sich mein Aufenthalt für viele Menschen gelohnt haben wird und ich meiner Familie erzählen kann, dass es gut war, dass sie mich gehen ließen“, lautet seine klare Antwort.“

Liebe Freunde und Förderer, die Entscheidung für einen Einsatz in einem Katastrophengebiet ist für die ehrenamtlichen Helfer von humedica auch immer mit Herausforderungen verbunden – Herausforderungen eines Engagements, das sich jeglicher Selbstverständlichkeit entbehrt. Bitte werden Sie Teil dieses Engagements und unterstützen Sie unsere Hilfsmaßnahmen auf den Philippinen mit einer konkreten Spende. Vielen Dank!

      humedica e. V.
      Stichwort "Taifun Philippinen"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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