Von Wind und Wellen

Philippinische Familien nach Taifun "Haiyan"

von Andrea Rudin, Martina Zelt

Wenn plötzlich alles weg ist, aller Besitz, die Lebensgrundlage, das vertraute Zuhause, von einem Tag auf den anderen alles zerstört. Was brauchen die Familien dann am dringendsten? Wie kann Hilfe am nachhaltigsten wirken? Wo wird sie tatsächlich gebraucht? Fragen, die humedica-Mitarbeiterin Andrea Rudin während ihrer Projektarbeit auf den Philippinen begleiteten und die das humedica-Team gelöst hat.

Wenig ist den Menschen geblieben, doch etwas gibt es, das die Philippinos sicher aus den Trümmern retteten, etwas, das Wind und Wellen nicht zerstören konnten: Felsenfester Familienzusammenhalt, Gastfreundschaft, liebevolle Dankbarkeit und jede Menge positiver Willen ihr Leben wieder aufzubauen! Mit hautnahen Eindrücken berichtet Andrea Rudin von bewegenden Schicksalen und dem Beginn der humedica-Familienpatenschaften:

„Die Umstände der Familie, bei der wir heute im Zelt saßen, gehen mir nicht mehr aus dem Kopf. Lange liege ich abends noch wach und denke über die Situation dieser acht Menschen nach. Was sie alles verloren haben durch den Wind und die Wellen!

Zunächst begegnete ich dem Großvater, der sich nach Taifun „Yolanda“, wie „Haiyan" auf den Philippinen genannt wird, sein kleines Hüttchen wieder selbst notdürftig zusammengebastelt hatte.

Wir erzählen ihm von den geplanten Familienpatenschaften und sofort deutet der alte Mann auf das klapprige Zelthaus auf der anderen Straßenseite.

Dort wohnt seine Tochter Imelda mit ihrer Familie, deren einstige Hütte von den hohen Wellen vollkommen weggespült wurde. Nichts blieb wie es war. Dem alten Mann ist es viel wichtiger, dass wir der jungen Familie seiner Tochter helfen, als ihm selbst. Die philippinischen Familien unterstützen einander wo immer sie können.

In dem provisorischen Zelthaus seiner Tochter wird mir ein kleiner hellblauer Holzhocker angeboten und ich setze mich. Ich frage was sie während des Wirbelsturms gemacht hatten und wie sich alle acht Familienmitglieder vor den Wellen retten konnten?

„Wir sind in das Steinhaus in zwanzig Meter Entfernung gerannt. Im zweiten Stock hofften wir auf Schutz vor dem Wasser. Unsere größte Angst war ob die Wände im Erdgeschoss den Wassermassen auch standhalten würden.“ Sie hielten, die Familie überlebte.

"Nun haben wir nichts mehr“, sagt die Mutter traurig, doch gefasst. Das Zelt, das in der Mitte durch ein Tuch in zwei Räume geteilt wird, haben sie von einer amerikanischen Hilfsorganisation erhalten. Auch ihre Kleidung, der Sack Reis in der Ecke und die Kochtöpfe sind Hilfsgüter.

"Gehen die Kinder gerne zur Schule?", frage ich. Die Mutter hält inne, dann erzählt sie, dass auch das Schulgebäude vom Taifun weggespült worden ist. Die Kinder gehen nur dann, wenn es nicht zu fest regnet, denn das aufgestellte Zelt bietet keinen Schutz vor dem tropischen Regen. "Mein zweiter Sohn, Sherwin, geht nicht zur Schule, da er keinen Rucksack besitzt. Er schämt sich mit seiner Plastiktüte zu den anderen Kindern zu gehen.“ Ich möchte dem Jungen meinen alten Pfadfinder-Rucksack schenken, damit er wieder unbesorgt den Unterricht besuchen kann.

Das gesamte Gespräch führe ich mit der Mutter, ihr Mann Santiago arbeitet beim „Cash 4 Work“-Programm, wo er Straßen frei räumt und gefallene Kokospalmen zersägt. Die Mutter zieht ihrer jüngsten Tochter ein neues Kleid an, das sie bei einer Hilfsgüter-Verteilung erhalten hat.

Dann kommt der Vater nach Hause, gerade noch rechtzeitig für das Familienfoto. Er sieht müde aus. Die Aufräumarbeiten zehren an seinen Kräften und dennoch ist er motiviert weiterhin alles für seine Familie zu tun. Diese Energie beeindruckt mich.

Die meisten Männer bauen ihr eigenes kleines Haus für die Familie, sobald sie genug Materialien dafür zusammenbekommen haben. Als Santiago erfährt, dass und wie wir helfen möchten, kommt ein leises 'Danke!' über seine Lippen und sein Gesicht hellt sich auf.

Die Dankbarkeit der Philippinos beeindruckt mich immer wieder. Oft höre ich Dankesworte oder lese sie auf Schildern und Hauswänden. Die Menschen haben alles verloren und dennoch sind sie herzlich, gastfreundlich und großzügig. Eine andere Mutter erzählte mir, wie sie zwei Tage nach dem Sturm ihre Kinder zum Teilen ermutigt hatte. Sie sollten alle Kleider bis auf ein paar wenige an andere Kinder abgeben.

Unser Hilfsprogramm zielt darauf ab, den ärmsten Familien eine Starthilfe für ihr eigenes Einkommen und ein neues Leben zu geben: Einen Wasserbüffel, einen Handtraktor oder ein Fischerboot, damit sie wieder ihrem Beruf nachgehen können und selbstständig den neuen Alltag nach Taifun „Haiyan“ bestreiten können.“

Wir hoffen beim Start der Familienpatenschaften auf Ihre Unterstützung! Begleiten Sie das Schicksal einer philippinischen Familie von jetzt an auf ihrem Weg zurück in die Selbstständigkeit!
Jeder Beitrag zählt und so möchten wir Sie herzlich einladen eine Patenschaft zu übernehmen! Vielen Dank!

Auch für konkrete Spenden ohne Übernahme einer Patenschaft sind wir sehr dankbar:

      humedica e. V.
      Stichwort „Familienpatenschaften“
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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