Keimende Hoffnung

Wie ist die aktuelle Situation in Westafrika

von Jasmin Eigemann, Steffen Richter, 19.11.2014

Seit September 2014 engagiert sich humedica mit den gemeinsamen Partnern der Organisation Medical Teams International und dem Gesundheitsministerium der liberianischen Regierung, unterstützt vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland, in Liberia. In dem westafrikanischen Land wütet seit Monaten das Ebola Fieber und die Zahl der Opfer und Neuinfektionen steigt täglich weiter an. Den Anfang machte ein Flieger mit Hilfsgüterlieferung mit 45 Tonnen mit dringend benötigten Hygieneartikeln, wie Schutzanzügen, Masken, Gummistiefeln, Handschuhe und Desinfektionsmitteln. 12 weitere Tonnen mit medizinischen Hilfsutensilien werden bis zum 24.11.14 in Liberias Hauptstadt Monrovia erwartet.

Um sich ein Bild von der Lage am Ort zu machen, flogen humedica Koordinator Raphael Marcus und die ehrenamtliche Ärztin Sabine Kirchner Ende September mit nach Monrovia. Nach einer Woche kehrte Herr Marcus zurück, Sabine Kirchner blieb insgesamt 18 Tage im Land, wo sie Krankenhäuser und Gesundheitsstationen besuchte sowie gemeinsam mit Partnern Informationsveranstaltungen durchführte, in denen unter anderem die korrekte Nutzung der Sicherheitsmaterialien gelehrt wurde. Beide sind wieder unversehrt in Deutschland. Die Krankheit wütet indes weiter.

Was hat sich seit Beginn des humedica-Einsatzes verändert?

Noch immer ist die Zahl der Neuinfektionen bedenklich. Doch im Gegensatz zu den vergangenen Monaten steigt zum ersten Mal die Zahl der Neuinfizierten nicht weiter an, sondern stagniert. Die zuständige humedica-Sachbearbeiterin Steffa Waffenschmidt gründet diesen kleinen Erfolg insbesondere auf den Einsatz der liberianischen Bevölkerung selbst.

Einfache Kampagnen wie „Hände waschen“ haben gefruchtet. Für uns ist es normal nach dem Toilettengang oder vor dem Essen seine Hände zu waschen. In den meisten afrikanischen Ländern gibt es diese Angewohnheit, auch aufgrund des Wassermangels, nicht.

Besonders Kinder haben nun eine Kontrollaufgabe übernommen und beobachten haargenau, ob jeder, der ihr Dorf betritt auch saubere Hände hat. Wenn nicht, heißt es auch für Väter, die ihr eigenes Haus betreten „Daddy, go and wash your hands!“ („Papi, geh und wasch dir deine Hände!“).

Aufgrund dieser Verhaltensveränderung rechnet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusätzlich damit, dass viele weitere sogenannte „Schmierkrankheiten“, die durch Flüssigkeiten über Handkontakt übertragen werden zurückgehen.

„Diese sichtbaren kleinen Verbesserungen sind Folgen von Maßnahmen, die schon vor Eintritt von humedica und anderen Hilfsorganisationen gestartet wurden. Mit sichtbaren Erfolgen der landesexternen Hilfsmaßnahmen rechnen wir ab Dezember.“ so Steffa Waffenschmidt. „Ein kleiner Grund zur Hoffnung.“

Drei Projektregionen

humedica selbst engagiert sich gemeinsam mit den Partnern zurzeit in drei Regionen, den benachbarten Regionen Bomi und Grand Cape Mount, sowie dem weiter südöstlich gelegenen Sinoe. Unterstützt vom Auswärtigen Amt beschäftigt humedica in jeder Region ein großes Team von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern.

Vier Aufseher haben ähnliche Aufgaben wie zuvor Sabine Kirchner, sie besuchen Kliniken und Gesundheitsstationen. In allen drei Regionen sind es insgesamt 91 Einrichtungen. Sie kontrollieren, ob die eingeführten Strukturen weiterhin Teil des Alltags sind sowie alle eingeforderten Maßnahmen und Regeln eingehalten werden.

Besonders wichtig ist die sogenannte Triage vor der Tür. Jede Person, die das Krankenhaus betreten möchte, wird erfasst und auf die jeweilige Krankheit, insbesondere Ebola-Symptome untersucht. Menschen, die Fieber haben oder andere Symptome zeigen, werden selektiert und außerhalb der Kliniken in speziell eingerichteten Ebola-Stationen behandelt.

In der Vergangenheit funktionierte diese Selektion nicht, weshalb viele Kliniken von Ebola betroffen waren und sich weitere Patienten mit dem Virus infizierten. Misstrauen gegen das eigene Gesundheitssystem breitete sich unter der Bevölkerung aus. Niemand besucht mehr freiwillig eine Krankenstation. Die Liberianer versuchen ihre Krankheiten selbst zu behandeln und auch schwangere Frauen gebären Zuhause. Ein weiteres Ziel der Hilfsmaßnahmen ist seit Wochen bereits, die Glaubwürdigkeit der Kliniken wiederherzustellen.

Auch Untersuchungen, eine korrekte hygienische Handhabung von Schutzanzügen, Handschuhen, Händewaschen, sowie die Beseitigung von Abfall sind Teil der Kontrollen. Wenn nötig wird der Vorrat von Hygieneutensilien weiter aufgestockt.

Zusätzlich zu den vier Leitern haben sich in allen drei Bezirken insgesamt 520 Menschen freiwillig gemeldet, die ehrenamtlich Aufklärungsarbeit betreiben. Nach erfolgreicher Absolvierung eines Ausbildungstrainings, besuchen sie in Teams abgelegene Dörfer, fragen dort nach Ebola-Erkrankten, melden diese, falls nötig, der Regierung und klären weiter über die Krankheit und Schutzmöglichkeiten auf.

Weiterhin unterstützt humedica die Gesundheitsversorgung mit Präventionsmaterialien, etwa Chlorbleiche und Gummistiefel, die zum Teil auch am Ort gekauft werden können. Außerdem werden lokale Partner, die sich um die Beseitigung von Toten kümmern und etwaige Kontaktketten zurückverfolgen, mit wichtigen Versorgungsgütern, beispielsweise Treibstoff, unterstützt.

Die vielen verschiedenen Maßnahmen scheinen langsam zu greifen, die engagierten Helfer in Westafrika hoffen auf Besserung. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO äußert sich vorsichtig positiv. Die Statistik ist mit rund 14.000 Infizierten und mehr als 5.000 Todesfällen immer noch sehr traurig und es ist davon auszugehen, dass die Menschen in den betroffenen Regionen noch mindestens ein Jahr mit der Krankheit kämpfen werden. Zudem bleibt die Entwicklung der Epidemie in den betroffenen Nachbarländern wie Sierra Leone kaum prognostizierbar. Weil aber die Fallzahlen sich positiver darstellen als zuletzt keimt bei Helfern und Betroffenen Hoffnung.

Liebe Unterstützer, auch weiterhin sind die Menschen in Liberia auf unsere Hilfe angewiesen. Reichen wir ihnen gemeinsam eine Hand und zeigen unsere Solidarität in dieser schwierigen Zeit.

      humedica e. V.
      Stichwort "Ebolahilfe"
      IBAN DE35 7345 0000 0000 0047 47
      BIC BYLADEM1KFB
      Sparkasse Kaufbeuren

Die Hilfe von humedica in Liberia wird unterstützt vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland, action medeor e. V., BILD hilft e. V. „Ein Herz für Kinder“, Medical Teams International (MTI), Flughafen München. Herzlichen Dank allen institutionellen und privaten Förderern.
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