Ein Klassenzimmer im Freien

von Susanne Koch, 17.01.2014

Dreizehn Jahre lebte humedica-Mitarbeiterin Susanne Koch im ostafrikanischen Kenia. Sie kennt die Kultur und die Menschen, weiß aber auch um die Problematiken des knapp 40 Millionen Einwohner zählenden Staates. Für humedica packte sie erneut ihre Koffer und besuchte den Südosten des Landes, wo die Hilfsorganisation seit 2011 Betroffene der Hungerkatastrophe unterstützt:

„Seit drei Tagen befinde ich mich in der Tana Delta Region in Kenia und bereise Dörfer in denen unser Partner New Life Home Trust aktiv ist. humedica hat in den vergangenen drei Jahren in 19 dieser Dörfer Essensverteilungen an Kinder im Kindergartenalter finanziert und ich habe diese Woche die Chance, einen Einblick in die Arbeit vor Ort zu gewinnen.

Die Kinder im Alter zwischen drei und sieben Jahren werden durch Unterricht auf die Grundschule vorbereitet. Um die Konzentrationsfähigkeit zu verbessern und insbesondere auch um eine ausreichende Ernährung sicherzustellen, erhalten sie ein Mittagessen und wenn möglich auch ein Frühstück.

Dadurch werden die Familien, denen oftmals die Ressourcen fehlen, entlastet und es wird ihnen erleichtert, ihren Kindern Bildung zu ermöglichen.

Kurz vor Sonnenaufgang beginnt heute mein Tag. Nach einer dicken Schicht Sonnencreme und einer Tasse heißen Chai fahren wir um sieben Uhr los um nach Tawakal, unserem Ziel für diesen Morgen, zu gelangen. Nach mehreren Checkpoints der Polizei endet die nur aus Schlaglöchern zu bestehen scheinende Marramstraße.

Wir befinden uns nun auf einem der als Straße genutzten Deiche entlang des Flusses Tana, die die Umgebung vor Überschwemmungen schützten sollen.

In einem kleinen Ort entlang des Deiches wartet der Leiter des Lernprogramms in Tawakal auf uns. Unser Auto bleibt hier stehen und der Rest des Weges muss zu Fuß zurückgelegt werden. Leider hat es gestern geregnet und der Nebenarm des Flusses den wir durchqueren müssen, führt doch etwas mehr Wasser als erhofft.

Endlich angekommen, werden wir von den Dorfältesten und der Lehrerin freundlich begrüßt. Farbenfroh gekleidet kommen auch die Frauen und viele neugierige Kinder dazu. Vor Unterrichtsbeginn sind die Kinder dafür verantwortlich die Tiere zu versorgen und die Lehren des Korans zu studieren.

Obwohl alle Einwohner des Ortes Muslime sind, sind die christlichen Mitarbeiter des Learning Centers hier sehr willkommen. Auch in den Ferien wird unterrichtet. Es finden Treffen zu diversen Themen statt und die Kinder erhalten weiterhin an fünf Tagen der Woche eine warme Mahlzeit.

Der Unterricht findet unter dem Baum statt, unter dem wir heute sitzen. Die zuvor genutzte Lehmhütte wurde 2012 bei starken Überschwemmungen zerstört. Erst im April 2013 sind die kushitischen Dorfbewohner zurückgekehrt und haben ihre Häuser neu aufgebaut, davor stand ganz Tawakal unter Wasser.

Als Flüchtlinge waren sie in Nachbarorten untergekommen, unter anderem aufgrund des besseren Weidelandes für ihre Tiere wurde das Risiko jedoch eingegangen zurück nach Tawakal zu ziehen.

Nach dem gemeinsamen Singen und Tanzen zu Ehren der Gäste, führt die Lehrerin das Können ihrer Schüler vor. Mit den vor den Fluten geretteten Lehrmaterialien geht sie das Alphabet und die Zahlen von 1 bis 100 auf Englisch und Kiswahili, den beiden Landessprachen durch. Und nicht nur die kleinen Kinder beteiligen sich!

Es gibt in Tawakal keine andere Möglichkeit Bildung zu erhalten, als den Unterricht unter diesem Baum. Deshalb sind hier auch einige ältere Kinder dabei und einige Frauen stehen im Hintergrund, während die respektierten Männer von außen ihre Kommentare und Anweisungen an die Lehrerin geben.

Es freut mich besonders zu sehen, dass auch die früher oft ausgeschlossenen Mädchen vom Unterricht und dem Essen profitieren können.

Die Kinder dürfen erst dann die Grundschule auf der anderen Seite des von uns durchquerten Flussarms besuchen, wenn sie drei Jahre im Kindergarten verbracht haben. Manche Eltern schicken ihre Kinder nie in die Grundschule, es mangelt ihnen an dem notwendigen Geld und die Hilfe des Nachwuchses bei der Versorgung der Tiere und im Haushalt wird benötigt.

Hinzu kommt, dass im letzten Jahr schon mindestens ein Junge auf dem Weg zur Schule den Krokodilen im Fluss zum Opfer gefallen und umgekommen ist.“

Lesen Sie in wenigen Tagen im zweiten Teil des Berichts, mit welchen Problemen kenianische Frauen zu kämpfen haben und was Susanne Koch besonders beeindruckt. Bitte unterstützen Sie außerdem unser Engagement am Horn von Afrika mit einer konkreten Spende. Vielen Dank!

      humedica e. V.
      Stichwort „Hungerhilfe Afrika"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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