Nur keine Flüchtlingslager

von Sven Ramones/LKO, 08.02.2014

Für humedica reiste der gebürtige Traunsteiner Sven Ramones in den Nordirak, um für syrische Flüchtlinge Hilfsgüterlieferungen zu arrangieren. Dank großzügiger Unterstützung des Auswärtigen Amts der Bundesrepublik Deutschland verteilt humedica in Kooperation mit der lokalen Organisation REACH Nahrungsmittel, Hygieneartikel und andere Gebrauchsgüter an die Betroffenen.

Im Gespräch mit den geflohenen Menschen offenbaren sich immer wieder bewegende Schicksale, die der humedica-Koordinator heute mit Ihnen teilen möchte:

„Für die knapp 22.000 syrischen Flüchtlinge in der nordirakischen Stadt Sulaimaniyah hat der Begriff Heimweh eine völlig neue Dimension erlangt. Als so genannte urban refugees haben sie in der Großstadt im kurdischen Autonomiegebiet Zuflucht vor der Gewalt in Syrien gefunden. Ihre Heimat wurde von dem endlos scheinenden Krieg in unerreichbare Ferne gerückt.

Damit ihrer Familie das Leben in einem Zelt des nahegelegenen Flüchtlingslagers erspart bleibt, suchen sich viele urban refugees Arbeit, um mit dem Einkommen eine bescheidene Existenz in der Stadt bestreiten zu können. Ihre Geschichten zeugen von dem tragischen Schicksal, das sie miteinander teilen.

Najla: Angst vor der Kälte

Zu den urban refugees gehören auch Najla und ihre vier Kinder. Zusammen mit den Großeltern und der vierköpfigen Familie ihres Bruders leben sie in drei kärglichen Räumen eines alten Hauses am Rande von Sulaimaniyah.

Durchgelegene Matratzen auf dem Boden und ein rostiger Kerosinheizer gehören zu dem Wenigen an Einrichtung, das sie besitzen. Eine Plastikplane unter der Decke hält notdürftig den Regen ab, der durch das Dach tropft.

Bei einem Bombenangriff auf ihre Heimatstadt Seraqani vor gut einem Jahr, wurde ihr Haus vollständig zerstört. Fast alle Familienmitglieder wurden verletzt.

Die Angst und Gewalt trieb sie in die Flucht und brachte sie zunächst in eines der zahlreichen Camps für syrische Flüchtlinge im Nordirak.

Die ältesten Söhne fanden Arbeit als Handwerker in Sulaimaniyah und eine kleine Wohnung für die Familie. „Das Geld, das sie verdienen, reicht kaum zum Leben. Wir sind auf die Unterstützung der Nachbarn angewiesen. Sie bringen uns manchmal Essen“, erzählt Großvater Mustu.

Wie viele andere Flüchtlinge in den Städten und den Camps sehen sie nervös dem Ende des Winters entgegen. In den meist schlecht isolierten Behausungen mangelt es an Heizmaterial und ausreichend Decken für die Familien.

Myryam: Wunsch nach Frieden

Auch Myryam und ihr Ehemann Omer sind urban refugees. Zusammen mit seinen sieben Kindern lebt das syrisch-kurdische Ehepaar in einem nur wenige Quadratmeter großen Kellerraum ohne Fenster und Heizung. Um die Miete bezahlen zu können, muss Omer immer wieder Geld von seinen Arbeitskollegen leihen.

Vor drei Monaten kamen sie aus dem syrischen Ar-Raqqah nach Sulaimaniyah. Sie flohen aus ihrer Heimat, als Milizen begannen, systematisch Kurden in ihrer Nachbarschaft zu jagen und zu ermorden. Auch Myryams Cousin und ihr Neffe fielen den Anschlägen zum Opfer. Unter den Kurden im Nordirak fühlen sie sich sicher, sagt Myryam.

Verwandte in Sulaimaniyah halfen der Familie, Arbeit und eine Unterkunft zu finden. Myryam und Omer wollen ihren kleinen Kindern das Leben in einem Flüchtlingscamp ersparen. Wenn sie die Wohnungstür schließt, sind ihre Kinder sicher, meint Myryam überzeugt.

In einem Lager könne sie das nicht. Myryam wünscht sich nichts anderes als Frieden in ihrer Heimat: „Ich will kein Geld oder irgendetwas anderes, ich will nur zurück nach Hause.“

Lesen Sie im zweiten Teil des Artikels über Flüchtlingsmutter Zarah und ihren einzig verbleibenden Wunsch. Bitte unterstützen Sie darüber hinaus unser Engagement für syrische Flüchtlinge im Nordirak mit einer konkreten Spende. Vielen Dank!

      humedica e.V.
      Stichwort "Syrische Flüchtlinge"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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