Zum Welttag der Humanitären Hilfe

Warum uns das Leid der Syrer interessieren sollte

von Lina Koch, 19.08.2014

Wenn wir über den Konflikt in Syrien sprechen, sprechen wir über einen Krieg, dessen Todesopfer aufgrund seines konfusen Charakters nicht mehr gezählt werden. Ein Krieg, der Millionen Menschen aus Angst vor Tod und Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben hat. Ein Krieg, der eine ganze Region in eine humanitäre Krise stürzt und ja, auch ein Krieg, der die Welt schon eine ganze Weile nicht mehr so richtig zu interessieren scheint.

Mit Händen und Füßen versuchen die Vereinten Nationen die klaffende Lücke des Finanzierungsbedarfs zu stopfen. 43 magere Prozent des Gesamtbedarfs der humanitären Hilfe konnten bis dato erreicht werden. Große 57 Prozent gilt es bis Ende des Jahres noch aufzubringen. Das große „Wie?“ dieses Vorhabens bleibt unbeantwortet.

Die Welt scheint in diesen Wochen auf andere Konfliktherde zu blicken. Orte, wo das Morden noch grausamer, die Verfolgung noch spektakulärer, die Historie noch spannender ist.

Nachrichten über den Syrienkonflikt lassen heute nicht mehr aufhören. Zu oft flimmerten schon Bilder von ausgebombten Städten und fliehenden syrischen Familien über die Bildschirme. In brodelnden Zeiten wie diesen, reißt das niemanden mehr vom Hocker.

Dauer und Komplexität dieses Konflikts tun ihr Übriges. Dreieinhalb Jahre zieht sich der Syrienkrieg, von UN-Flüchtlingskommissar António Gutierres immerhin als die größte Tragödie dieses Jahrhunderts bezeichnet, nun bereits in die Länge.

Dass die Chance auf Frieden stetig kleiner und die Kluft zwischen den Konfliktparteien immer größer wird, ist für uns Außenstehende auch bei regelmäßigem Verfolgen der Nachrichten kaum nachvollziehbar. Welche Gruppierungen gehören nun zur Opposition? Und wer unterstützt eigentlich wen?

Zu dieser allgemeinen Verwirrung gesellt sich schließlich noch die Frage nach der Schuld des Krieges. Während Katastrophen anderer Couleur, seien es nun Naturkatastrophen oder Unfälle, eine Welle von ohne Frage berechtigter und gleichzeitig dringend benötigter Empathie und Hilfsbereitschaft hervorrufen, scheint sich die Anteilnahme bei kriegerischen Konflikten in Grenzen zu halten. Schließlich gibt es in Syrien Schuldige, Gruppierungen die das Leid der Zivilbevölkerung zu verantworten haben.

Doch was bleibt uns nach dieser Argumentation? Nach der Feststellung, dass der syrische Bürgerkrieg für uns, die den gewalttätigen Konflikt im großen Stil nur aus den Medien kennen, inzwischen zum trivialen und schwer verständlichen Bestandteil der 20 Uhr-Nachrichten geworden ist?

Es bleibt unsere Verantwortung für Menschen in Not. Aufgrund unseres kosmopolitischen Selbstanspruches und unserer glücklichen Lebensumstände stehen wir in der Pflicht, uns mit einem Konflikt dieses Ausmaßes zu beschäftigen und Wege zu finden, wie wir den unschuldigen Opfern dieses Krieges beistehen können. „Unsere Verantwortung ist größer als das, was wir tun!“, bringt es das viel bemühte Zitat des deutschen Außenministers Frank-Walter Steinmeier auf den Punkt.

Menschen wie Sie, liebe Freunde und Förderer, erlauben humedica, dieser Verantwortung nachzugehen. Zur Unterstützung syrischer Flüchtlinge arbeiten ehrenamtliche humedica-Ärzteteams bereits seit September 2012 im Libanon, wo bis dato 1,2 Millionen der insgesamt knapp drei Millionen geflohen Syrer Schutz vor der Gewalt in ihrer Heimat suchen. Diese Bemühungen wurden durch umfangreiche Hilfsgüterverteilungen im Irak und auch in Syrien selbst ergänzt.

Doch der Krieg und das Leid in Syrien halten an und mit jedem neuen Tag und jedem weiteren Flüchtling, wächst auch der Bedarf an humanitärer Hilfe. Dass diese Hilfe fortbestehen und ausgedehnt werden kann, liegt in den Händen jedes Einzelnen von uns.

Deshalb möchte ich Sie heute bitten: Befassen Sie sich mit dem Konflikt in Syrien, entledigen sie ihm die Maske des ewig gleichen Nachrichtenwerts und zeigen Sie Verantwortung. Vielen Dank!

Die Not der syrischen Flüchtlinge wartet nicht. Bitte zeigen Sie Verantwortung und helfen Sie heute. Vielen Dank! Foto: humedica/Lina Koch

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