Die humedica-Prothesen- und Orthesenwerkstatt in Port-au-Prince

von Daria Napieraj/LKO, 09.01.2014

Beinahe vier Jahre sind vergangen, seit das schwerste Erdbeben in der Geschichte Amerikas über 300.000 Menschen das Leben nahm, eine entsprechend hohe Zahl verletzte und annährend zwei Millionen Menschen binnen Sekunden zu einem Leben in der Obdachlosigkeit zwang. Vier Jahre, die an den Bewohnern des kleinen Inselstaates nicht spurlos vorbei gegangen sind – nicht spurlos vorbei gehen konnten.

humedica-Medienkoordinatorin Daria Napieraj besuchte im Rahmen einer Haitireise das kurz nach dem schweren Beben von humedica etablierte Prothesen- und Orthesenzentrum in Port-au-Prince und zeigte sich beeindruckt:

„Als direkte Folge des verheerenden Erdbebens auf Haiti im Jahr 2010, mussten bei mehr als 1.500 Personen Gliedmaßen amputiert und geeignete Prothesen angefertigt werden. Weitaus mehr als 10.000 Menschen warteten zudem dringend auf Orthesen – orthopädische Hilfsmittel, die der Unterstützung von eingeschränkt funktionsfähigen Körperteilen und der Korrektur von Fehlstellungen und Verletzungen dienen.

Da ein Großteil der haitianischen Orthopädiewerkstätten durch das Beben zerstört wurde und der Bedarf an diesen Hilfsmitteln sehr hoch war, entschied sich humedica zum Aufbau einer Prothesen- und Orthesenklinik nahe des bereits unterstützten Hôpital Espoir und der Ausbildung entsprechenden Fachpersonals.

Momentan erhalten vier Haitianer eine zertifizierte Lehre in der humedica-Klinik. Das zweistöckige Prothesen- und Orthesenzentrum ist nicht nur mit zahlreichen Maschinen ausgestattet, sondern beherbergt ebenfalls Räume für die physiotherapeutische Behandlung von Patienten.

Aufgrund ihres ausgearbeiteten Konzepts und der guten Ausstattung, wurde die humedica-Klinik vom haitianischen Gesundheitsministerium als besonders gute Schule für Physiotherapie und Osteopathie ausgezeichnet. Gleichzeitig ist sie auserwähltes Vorbild für andere ausbildende Werkstätten.

Diese Ehrung verstärkt den ohnehin guten Ruf der Werkstatt. Andere Hilfsorganisationen, wie beispielsweise „Healing Hands International“, die ebenfalls eine Prothesen- und Orthesen-Werkstatt in Port-au-Prince betreiben, schicken jeden Monat einige Studenten in die humedica-Klinik.

Die Auszubildenden erhalten dadurch die Gelegenheit verschiedene Geräte, Materialien und Techniken, sowie deren Anwendung kennenzulernen.

Die Werkstatt ist stets gut besucht und die beiden dort arbeitenden Togolesen Anani und Nyavo, sowie die Auszubildenden haben alle Hände voll zu tun. Während Anani ein vielgelobter Physiotherapeut ist, arbeitet Nyayo als Ausbilder für die vier haitianischen Lehrlinge. Diese stellen die Prothesen- und Orthesen nicht nur selbst her, sondern passen diese auch an.

Das eingespielte Team kümmert sich oft um die Belange von mehreren Personen gleichzeitig. Während die Prothese des einen Patienten bearbeitet wird, bekommt ein anderer seine angepasst.

Gleichzeitig laufen wieder Andere in der Werkstatt auf und ab, um ihre neuen oder bearbeiteten Beinprothesen auszutesten. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen müssen diese regelmäßig angepasst oder erneuert werden, da sie sich noch im Wachstum befinden.

Andere Patienten benötigen Orthesen, wie zum Beispiel der einjährige Junge, dessen Knie nicht stark genug sind um sein Gewicht zu halten. Aufgrund dieser angeborenen Schwäche kann er weder richtig stehen noch laufen. Nyayo und sein Team geben deshalb ihr Bestes, um diesem Umstand mit der richtigen Schiene Abhilfe zu schaffen.

Eine andere Patientin der Klinik ist mit einem zu kurzen Bein auf die Welt gekommen. Nyavo ist sie auf der Straße aufgefallen, woraufhin er ihr erzählte, dass sie mit Hilfe einer Orthese der humedica-Klinik keine Krücken mehr brauchen würde.

Sie stattete der Werkstatt unmittelbar einen Besuch ab und brachte bereits bei ihrem zweiten Termin einige Freunde mit, um stolz vorzuführen, wie gut sie mit dem orthopädischen Hilfsmittel laufen kann.

Dank der unermüdlichen Bemühungen der Mitarbeiter der humedica-Prothesen- und Orthesenklinik können sich immer mehr Haitianer ohne Krücken und die Hilfe Anderer fortbewegen und endlich wieder ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben führen.“

Auch im Jahr 2013 ist Haiti noch immer das ärmste Land der westlichen Hemisphäre – ein Umstand, der nach wie vor unserer Hilfe bedarf. Werden Sie Teil unseres Engagements und unterstützen Sie unsere Prothesen- und Orthesenklinik mit einer konkreten Spende. Herzlichen Dank!

      humedica e.V.
      Stichwort "Erdbeben Haiti"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Bitte helfen Sie mit einer sms: Stichwort DOC an die 8 11 90 senden und von den abgebuchten 5 Euro gehen 4,83 Euro in die humedica-Projektarbeit. Vielen Dank!

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