Nothilfe für die Betroffenen des Konflikts

von Margret Müller, 02.04.2014

Hunger, Flucht und Gewalt: Die Lage in der Zentralafrikanischen Republik ist nach einem Jahr Bürgerkrieg weiterhin bestürzend. Brutale Konflikte zwischen verschiedenen Milizen, Frieden- und Regierungstruppen haben das Land in eine humanitäre Katastrophe gestürzt, die Millionen Menschen betrifft. Neben dem fehlenden Sicherheitsaspekt, sind Hunger und Hygiene große Probleme, die es in den Griff zu kriegen gilt.

Die humedica-Koordinatoren Margret Müller und Kenneth Dakat haben sich auf den Weg in die Hauptstadt Bangui gemacht, um in den dortigen Flüchtlingscamps dringend benötigte Hilfsgüter zu verteilen. In ihrem aktuellen Blog berichten sie über die schwierigen Umstände ihrer Arbeit und die katastrophalen Lebensbedingungen der Menschen im Land.

Tag 5 in Bangui – Umdenken!

Pilotprojekte in Konfliktregionen sind ein Risiko für Menschen mit geringer Frustrationstoleranz und den Planungsgedanken im Allgemeinen. Ich komme gut damit klar, täglich oder mitunter sogar stündlich Pläne anzupassen, Treffen und Fahrten zu verschieben und neue Möglichkeiten zu suchen, solange man sich weiter auf das primäre Ziel fokussiert. Wenn das Grundziel erreicht wird, ist der Weg dorthin nebensächlich.

Ziel unseres Plans ist die Verteilung von Hilfsgütern, den Inlandsflüchtlingen in Bangui helfen, die Regenzeit und die momentan sehr schwierigen Umstände gesund zu überstehen. Keine ausgefallenen Sachen, sondern elementare Dinge.

Jede Familie soll eine große Plastikkiste mit folgendem Inhalt erhalten: Drei Moskitonetze, die sie vor Malaria und schlaflosen Nächten voller Mücken schützen sollen; eine große Plastikplane, die sie entweder als Matte, Zelt, Regenschutz oder zum Trocknen von Maniok nutzen können; diverse Kochutensilien, sowie Seifen und drei wärmende Decken. Die Plastikkiste dient zur Aufbewahrung all der Sachen, die nicht nass werden sollen, wie wichtige Dokumente oder Kleidung.

Soweit zumindest der Plan. Und dieser Plan gefiel uns. In Realität befinden sich aber drei Sorten dieser Hilfsgüter zwei Kilometer von unserem Standpunkt entfernt, in einem Viertel, das sowohl Zentrum des lokalen Marktes als auch Mittelpunkt brutaler Kämpfe der letzten Monate ist. Es fällt mir schwer zu akzeptieren, dass es wohl kein Herankommen an diese Gegenstände gibt und wir umdenken müssen. All diese Dinge sind wichtig für die Menschen!

Doch die gegenwärtigen Umstände erlauben den Luxus einer Frustration über diese Änderungen nicht. Wohnt man im falschen Viertel in Bangui, ist der Tag ohnehin immer wieder durch Schießereien, zielloses umher rennen, unterm Bett verstecken, hoffen, beten, entkommen und weitermachen gekennzeichnet. Die Kämpfe ereignen sich oft an den Knotenpunkten der Stadt, tagelang ist der Weg nach Hause oder zur Arbeit blockiert.

Oder das hart ergatterte Gruppentaxi lässt einen auf halber Strecke stehen, weil es dem Fahrer zu gefährlich wird. Es ist nicht klar, wen man fürchten muss und wen nicht. Die Grenzen zwischen den einzelnen Konfliktgruppen sind inzwischen komplett verschwommen. Es gibt einfach zu viele von ihnen. Die Beschaffung der benötigten Hilfsmittel bleibt also schwierig. Wir denken noch einmal um!

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