Ebola-Hilfe in Liberia

von Sabine Kirchner, 10.10.2014

Ärztin Sabine Kirchner war für humedica bereits in verschiedenen Katastrophengebieten im Einsatz und sah sich mit Überschwemmungen, Taifunen und Flüchtlingslagern konfrontiert. Ihr aktueller Einsatz in dem unter der Ebola-Epidemie leidenden Land Liberia stellt sie jedoch vor ganz neue Herausforderungen. In ihrem aktuellen Blog berichtet sie über die gefährliche Lage im Land und wie humedica mit Unterstützung des Auswärtigen Amts helfen kann.

Tag 4 in Liberia

Heute ist der zweite Tag, an dem ich gemeinsam mit meinen Kollegen von MTI die Hygienestandards von Gesundheitsstationen und Krankenhäusern kontrolliere. Nach der Morgenbesprechung geht es los. Die Sonne scheint, der Regen hat aufgehört und schon früh am Morgen ist es sehr heiß.

Auf unserem Weg in die erste Klinik schallt eine laute Stimme aus dem Autoradio. Erstaunlicherweise haben sich die Meldungen gewandelt. Noch gestern erfolgten Aufrufe, sich die Hände zu waschen, keine Toten zu berühren und kein Buschfleisch zu essen. Heute aber spricht ein liberianischer Arzt darüber, wie die Menschen ihr Immunsystem stärken können.

Er erklärt, dass die Mehrheit aller Kranken an Diabetes, Bluthockdruck oder Krebs und nicht an Infektionskrankheiten wie Ebola, Malaria oder Tuberkulose sterben. Seine Hörer sollen Stress vermeiden, sich genügend bewegen und nicht rauchen. Unsere Wohlstandskrankheiten sind offenkundig auch in Westafrika angekommen. "Der Globalisierung sei Dank."

Nach kurzer Zeit erreichen wir die Enterprise Clinic in Monrovia. Es ist ein kleines Haus mit fünf Betten und neun Angestellten. Leiterin Agatha erzählt uns, dass weder stationäre noch ambulante Patienten das Krankenhaus aufsuchen möchten. Zu groß ist die Angst, sich in der Einrichtung mit Ebola zu infizieren. Dass hier noch gar kein Ebola-Patient behandelt wurde, spielt für die Menschen keine Rolle.

Wir beginnen mit unserer Aufklärung und erklären, dass die Patientenaufnahme, die sogenannte Triage, vor der Klinik erfolgen muss und nach jedem Patienten die Handschuhe gewechselt werden müssen. Im Gespräch mit Agatha stellt sich heraus, dass die Mitarbeiter keine Schutzkittel besitzen, es weder einen Platz zur Müllverbrennung, noch einen geeigneten Isolationsraum, noch eine separate Toilette gibt.

Es fehlt an allem! Nicht mal ein einziges Fieberthermometer ist vorhanden. Während wir aufzählen, was alles verändert werden muss, schreibt Agatha eifrig mit. Alle anderen Mitarbeiter hören aufmerksam zu.

Kurz vor dem Ende unseres Vortrags unterbricht uns die Registrierungsschwester: Ein Patient sei angekommen. Agatha eilt hinaus und kurz darauf steht auch schon eine junge Mutter mit ihrer kleinen Tochter im Behandlungsraum. Wie war das doch gleich mit der Triage vor dem Haus? Oder mit dem Anlegen von Handschuhen und Mundschutz? Doch nach wenigen Fragen gibt es Entwarnung. Das Mädchen hat nur eine juckende Hauterkrankung und kein Fieber. Kontakt zu Ebola-Kranken gab es nicht. Es hätte auch anders kommen können.

Erleichtert gehe ich mit Agatha in den Besprechungsraum zurück, wo die Anderen schon auf uns warten. Wir machen weiter: Wie bereite ich Chlorbleiche zu? Wie vermeide ich den direkten Kontakt zu Kranken? Wie verhalte ich mich bei Patienten mit Ebola-Symptomen?

Am Ende überreichen wir Agatha noch die dringend benötigten Hilfsgüter und erklären ihr die Bedienung des Infrarotfieberthermometers. Bald werden wir in die Enterprise Clinic zurückkehren und weitere Aufklärungsmaßnahmen betreiben.

Unsere Fahrt geht weiter in das nächste Krankenhaus, wo wir sehr skeptisch und misstrauisch empfangen werden. Als wir die zuständige Schwester nach ihrem Namen fragen, rennt sie aus dem Raum. Ein vernünftiges Gespräch wird erst möglich, nachdem meine Kollegin Mapue bestimmt erklärt, dass wir im Namen des Gesundheitsministeriums kommen und Hilfsgüter im Gepäck haben.

Wieder beginnen wir mit unserer Aufklärung, erklären, wie die Triage funktioniert, wie man sich selbst schützen kann und warum ständig Fieber gemessen werden muss. Bei der Übergabe der Hilfsgüter entlocken wir der Krankenschwester sogar ein kleines Lächeln. Und auch ihren Namen, Lucia, hat sie uns verraten.

Erschöpft sitzen wir anschließend im Auto. Unser Tagesfazit ist klar: Es ist noch sehr viel Aufklärungsarbeit bei den Mitarbeitern des Gesundheitsbereichs erforderlich. Mir fällt auf, dass wir heute viel weniger Krankenwagen mit Sondersignal während unserer Fahrt gehört und gesehen haben. Ein Lichtblick am Horizont? Also weiter kämpfen!

Liebe Freunde und Förderer, das humedica-Team arbeitet weiterhin unter Hochdruck an der Umsetzung von Hilfsmaßnahmen für das besonders betroffene Land Liberia. Bitte unterstützen Sie dieses Engagement mit einer wertvollen Spende. Vielen Dank!

      humedica e. V.
      Stichwort "Ebolahilfe"
      IBAN DE35 7345 0000 0000 0047 47
      BIC BYLADEM1KFB
      Sparkasse Kaufbeuren

Ihr Browser ist veraltet!

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um diese Website korrekt darzustellen.

Den Browser jetzt aktualisieren×