Nothilfe für syrische Kriegsflüchtlinge

von Lina Koch, 03.06.2014

Sie gehört zu den größten Katastrophen unserer Zeit: Seit über drei Jahren diktiert die Syrienkrise den Alltag von Millionen Menschen in und außerhalb des Landes. Viele der Betroffenen sind über die syrische Grenze in den kleinen Nachbarstaat Libanon geflüchtet und benötigen dringend externe Hilfe. Hilfe, die humedica auch dank der Unterstützung des Auswärtigen Amts seit September 2012 leisten kann.

humedica-Mitarbeiterin Lina Koch befindet sich momentan im Osten des Libanons. In ihrem Blog berichtet sie über die aktuelle Situation der Flüchtlinge und ihren täglichen Kampf um ein Stück Alltag.

Tag 4 im Libanon – Gastfreundschaft

Es ist neun Uhr morgens und gemeinsam mit dem medizinischen Team bin ich auf dem Weg in das direkt bei Zahlé liegende Flüchtlingslager Nummer 26. Die kurze Nacht hängt mir in den Knochen, doch mein Gedanke daran wird sofort von einem schlechten Gewissen abgelöst. Ist mangelnder Schlaf doch im Vergleich zu den Problemen der Menschen hier eine geradezu lachhafte Angelegenheit.

Während wir unsere Autos im Campeingang parken, kommt uns eine Horde Kinder entgegen. Alle möchten beim Entladen des Kofferraums helfen und die Jungen und Mädchen, die zu spät kommen um mitanzupacken, sind sichtlich enttäuscht.

Vor dem nahegelegenen Behandlungszelt warten bereits zu dieser Tageszeit unzählige Patienten, hauptsächlich Mütter mit ihren Kindern. Manche der Frauen sind so jung, dass ich mir wünsche, die Babys in ihren Armen sind ihre Geschwister und nicht ihre Kinder.

Unser Team beginnt mit seiner Arbeit und da ich niemandem im Weg stehen möchte, begebe ich mich auf einen Rundgang durch das Camp. Es ist sauberer als in den Lagern der letzten Tage. Eine andere Hilfsorganisation hat die schlammigen Wege zwischen den Zelten mit Kies aufgeschüttet und damit für eine Verbesserung der hygienischen Zustände gesorgt.

Als ich in der Mitte des Lagers angekommen bin, entdecke ich einen kleinen Jungen. Er sitzt auf drei großen Betonrohren und verspeist geistesabwesend eine Tüte Chips. Weil ich es nicht eilig habe, setze ich mich zu ihm. „Ich heiße Lina“, sage ich auf Englisch und zeige mit dem Finger auf mich.

Er antwortet nicht, sondern blickt mich nur mit großen Augen an und streckt mir die Tüte entgegen. Ich schüttle den Kopf, doch der kleine Junge gibt nicht nach und versucht mir einige Chips in meine Hand zu legen. Diese Geste bricht mir beinahe das Herz. Wie kann es sein, dass dieser Junge das Wenige das er zu essen besitzt mit mir teilen möchte?

Situationen wie diese habe ich in den vergangenen Tagen immer wieder erlebt. Obwohl die syrischen Flüchtlinge gerade mal das Nötigste besitzen, haben sie ihre Gastfreundschaft nicht verloren. Immer wieder wird uns Tee und Kaffee angeboten. Das beeindruckt mich.

Ich lege die Chips in die Tüte des Jungen zurück und zeige ihm die Fotos, die ich von ihm gemacht habe. Und endlich lächelt auch er.

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