Alltag, oder doch nicht?

von Rebecca Groß, Jasmin Eigemann

Brasilien ist ein Land der Gegensätze. Neben wirtschaftlichem Aufstieg bleibt die strukturelle Armut, neben dem sorglosen Leben der Einen, bleibt der bittere Existenzkampf der Anderen. Das humedica-Kinderdorf „Campo do Coelho“ im Osten des Landes unterstützt Kinder und Jugendliche aus besonders bedürftigen Familien und bereitet sie mit gezielten Programmen auf eine selbstständige Zukunft vor.

Unterstützung erhalten die lokalen Mitarbeiter aktuell von Rebecca Groß, Tochter von humedica-Geschäftsführer Wolfgang Groß. Jeder Tag ist ein neues Abenteuer für sie und sie berichtet uns voller Begeisterung von ihren Erfahrungen:

Planung ist die halbe Miete

Die Vorbereitungen für humedicas Weihnachtsaktion „Geschenk mit Herz“ sind auch hier in Brasilien im vollen Gange. Denn die Kinder bekommen keine Geschenkpäckchen aus Bayern, sondern wir besorgen diese von Spendengeldern selbst.

So machte ich mich gemeinsam mit der Leiterin der Kindertagesstätte Magali auf nach São Pedro Aldeia, einer Stadt am Meer. Unser Ziel war ein Großmarkt, in dem man alles Mögliche von Geschirr über Gartengeräte, aber auch Schreibwaren bekommt. Dort hat Magali schon die Geschenke der vergangenen Jahre besorgt.

Beim Einkauf hat Magali ihr eigenes System: sie gibt dem Geschäft erst an was wir brauchen, die Geschäftsmitarbeiter schauen in ihrem Lager nach, was sie vorrätig haben und rechnen den Betrag aus, der uns zugeschickt wird. Erst dann entscheidet Magali, ob wir die Sachen kaufen oder nicht. Je nachdem, ob das Budget reicht oder nicht.

Leider sind die Preise dieses Jahr etwas gestiegen und so konnten wir nicht, wie geplant, Rucksäcke für die Kinder kaufen.

Auch werden in diesem Jahr alle „Geschenke mit Herz“ in der Kindertagesstätte verteilt. Kinder aus den umliegenden Schulen kommen dann in das „Campo do Coelho“ und alle erhalten gemeinsam ihre Weihnachtsgeschenke. Ein Fest, auf das ich mich jetzt schon freue. Außerdem ist das weniger Aufwand für uns, als jede einzelne Schule anzufahren. Nur ein paar Kinderkrippen werden wieder von uns selbst besucht.

Politik von unten

Passend zu den Präsidentschaftswahlen in Brasilien, über die in den vergangenen Wochen und Monaten überall in den brasilianischen Nachrichten berichtet wurde, veranstalteten wir in der Tagesstätte unsere eigenen Wahlen. So sollten die Kinder auch etwas davon haben und mal ein Gefühl dafür bekommen hat die Tagesstätte in der letzten Woche selbst Wahlen durchgeführt. Jeder der wollte konnte sich aufstellen lassen.

Am Wahltag erhielt jedes Kind einen Ausweis mit dementsprechenden Namen, der vorher unterschrieben werden musste. Wie bei einer richtigen Wahl gab es Wahlkarten, mit den Namen der Kandidaten. Auf der Rückseite der Karte konnte man seine Wahl ankreuzen. Der ausgefüllte Zettel wurde zum Schluss in eine provisorische Wahlurne, eine Box mit Schlitz gesteckt.

Bereits am nächsten Tag wurden die Ergebnisse bekannt gegeben und zwei Kinderpräsidenten ausgerufen. Einen für die Vormittagsgruppe und einen für die Nachmittagsgruppe. Diese Präsidenten sollen sich in Zukunft für die Wünsche der Kinder einsetzten, so ähnlich wie ein Klassensprecher. Die anderen Aufgaben habe ich noch nicht herausgefunden.

Fremde Leckereien

Am 12. Oktober war wie jedes Jahr in Brasilien der „Tag der Kinder“. Um diesen Tag gebührend zu feiern fuhr ich schon einige Tage zuvor mit Leiterin Magali in das nahe gelegene Nova Friburgo. Dort nahmen wir in einem Heim für alte und behinderte Menschen gespendete Kekse entgegen, damit wir sie am kommenden Kinderfest an die Kinder verteilen konnten. Für alle Fälle kaufte meine Kollegin Magali in einem örtlichen Süßwarenladen noch weitere Süßigkeiten. Sicher ist sicher.

Vier Tage darauf fand das lang erwartete große Fest in der Kindertagesstätte statt. Schon bei meinem letzten Besuch in Brasilien durfte ich diesen besonderen Tag miterleben und auch dieses Jahr wurde wieder einiges geboten: Wasserfußball und Hüpfburgen, aber auch Leckereien wie Zuckerwatte und Popcorn.

Wie schon vergangenes Jahr kamen die Kinder um die Mittagszeit, denn den Vormittag waren alle Mitarbeiter damit beschäftigt das gemeinsame Mittagessen zuzubereiten. Neben typischen Gerichten wie Reis mit Bohnen gab es die bei Kindern sehr beliebte „Torta de pão“. Das ist, eine für unser Empfinden etwas seltsam anmutende, deftige Torte. In der Zubereitung werden Brot, Hühnchen, Kartoffelbrei, Gemüse und Käse aufeinander geschichtet, ähnlich wie eine Lasagne oder Torte. Es schmeckt jedenfalls besser, als es sich anhört.

Machen Sie einem Kind in unserem humedica-Kinderdorf „Campo do Coelho“ zu Weihnachten eine große Freude. Für eine Spende von nur 10 € kaufen wir vor Ort für jedes Kind ein Weihnachtsgeschenk, an das es sich sein Leben lang erinnern wird. Vielen Dank!

      humedica e.V.
      Stichwort "Geschenk mit Herz"
      IBAN DE35 7345 0000 0000 0047 47
      BIC BYLADEM1KFB
      Sparkasse Kaufbeuren

Ihr Browser ist veraltet!

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um diese Website korrekt darzustellen.

Den Browser jetzt aktualisieren×