„Ein gutes Miteinander ist wichtig!“

Im Gespräch mit humedica-Koordinatorin Kornelia Uhlig

von Steven Hofmann/LKO, 22.03.2014

Ein Jahr lang arbeitete Kornelia Uhlig für humedica als Koordinatorin in Melkadida, einem rund 40.000 Menschen großen Flüchtlingslager nahe der somalischen Grenze, in dem humedica mit Unterstützung des Auswärtigen Amts die medizinische Versorgung sichert. Kurz vor ihrer Abreise nach Deutschland hat Steven Hofmann, Mitarbeiter des humedica-Patenschaftsprogramms in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba, die Chance genutzt, um mit ihr über die vergangenen Monate zu sprechen. Das Resultat ist ein interessanter Einblick in das Leben einer mutigen und selbstlosen Frau:

Liebe Kornelia, bevor du nach Äthiopien gekommen bist hast du schon reichlich Erfahrung in Ostafrika gesammelt. Wo warst Du überall?

Bevor ich nach Melkadida kam, habe 20 Jahre lang in Tansania gelebt und gearbeitet. Für lange Zeit ganz im Süden des Landes nahe der Grenze zu Mosambik, später dann in Tansanias größter Stadt Daressalam. Ich habe dort als Verwaltungsleiterin eines Missionskrankenhauses gearbeitet, im OP als Anästhesistin Narkosen gegeben und eine Gesundheitsstation in einem Dorf aufgebaut.

Zurück nach Äthiopien: Wie sah dein Alltag als Koordinatorin in Melkadida aus?

Der Tagesablauf war immer unterschiedlich. Der Assistenzkoordinator oder ich sind jeden Tag mit dem Team in die humedica-Gesundheitsstation gefahren, um zu sehen ob dort alles in Ordnung ist. Ansonsten wird gemacht was anfällt. Als Koordinator bist du quasi für alles verantwortlich.

Das fängt bei der Nahrungsmittelbeschaffung für die Mitarbeiter an und geht über die Instandhaltung der Gebäude und dem Verfassen verschiedener Berichte, bis hin zur Buchhaltung.

Sehr wichtig ist auch die Kommunikation mit den anderen Organisationen vor Ort und den äthiopischen Regierungsbehörden. Die Kontaktpflege ist ein wichtiger Baustein unserer Arbeit in Melkadida.

Mir persönlich war es außerdem ein Anliegen das Team zusammenzubringen. Ein gutes Miteinander ist sehr wichtig.

Welche Schwierigkeiten gab es im Vergleich zu deiner Arbeit in Tansania?

Die größte Herausforderung war die sprachliche Barriere. Da ich Swahili sprechen kann, konnte ich mich in Tansania problemlos verständigen. In Äthiopien musste ich mit einem Übersetzer arbeiten – das war sehr ungewohnt für mich. Außerdem sind Somalis vom Temperament und Charakter ganz anders als alle Afrikaner mit denen ich bisher gearbeitet habe.

Du hast bereits die humedica-Gesundheitsstation in Melkadida erwähnt. Welche Krankheiten treten dort am häufigsten auf?

Am häufigsten kamen Erkrankungen der oberen Atemwege, Würmer und Hauterkrankungen vor. Wir sind wirklich dankbar, dass es kaum Malaria gibt und auch die HIV-Infektionsrate ist vergleichsweise gering.

Das Flüchtlingslager liegt sehr abgeschieden. War es denn eine große Herausforderung ein Jahr in einer Wüstenregion zu leben?

Nein, das ging schon. Ich habe in Tansania über viele Jahre in einer ganz abgelegenen Region gelebt. Die Wüste war nicht die Herausforderung, vielmehr die Sicherheitslage. Es gab einige Entführungswarnungen während meiner Zeit in Melkadida.

Unser humedica-Gelände konnten wir nicht verlassen. Das heißt, dass man außer dem Arbeitsplatz und der Zeltstätte eigentlich kaum etwas gesehen hat. Und wenn wir doch mal raus kamen, ging das nur im Konvoi mit anderen Fahrzeugen. Das macht das Arbeiten und Leben teilweise schon schwer.

Gab es während dieser Zeit ein besonders ergreifendes Erlebnis?

Ja, das gab es. Zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni des letzten Jahres gab es in unserem Lager eine große Veranstaltung für alle Bewohner. Jede Hilfsorganisation die im Camp aktiv ist hatte sich etwas überlegt.

Ich habe ein Lied auf Swahili gedichtet und es mit den anderen eingeübt. Swahili deshalb, da ich eben kein Somali spreche, aber eine afrikanische Sprache verwenden wollte.

Zur Veranstaltung kamen dann viele Menschen. Als wir unser Lied vortrugen waren viele berührt und haben sich sehr bei uns bedankt. Manche von ihnen gaben uns sogar kleine Geschenke. Diese Reaktion hatte ich nicht erwartet. Nach der Veranstaltung wurde ich dann auch öfter mal auf Swahili angesprochen.

Was sind deiner Meinung nach die dringendsten Bedürfnisse der Flüchtlinge?

Das größte Problem ist meiner Meinung nach die Energieversorgung. Die gesamte Umgebung von Melkadida ist inzwischen fast restlos abgerodet. Um an Feuerholz zu kommen müssen viele der Flüchtlinge Teile ihrer Essensrationen verkaufen. Es besteht ein großer Bedarf an alternativen Energiequellen.

Und wie geht es für dich in Zukunft weiter?

Ich werde erstmal ein wenig Zeit in Deutschland verbringen. Auf lange Sicht möchte ich aber sehr gerne wieder nach Tansania gehen um dort zu leben und zu arbeiten.

Herzlichen Dank für das Gespräch und natürlich deinen Einsatz, deine Erfahrung und dein Engagement für humedica. Alles Gute für deinen weiteren Weg!

Besondere Projekte brauchen eine besondere Unterstützung! Bitte stehen Sie den Menschen in Melkadida auch weiterhin mit einer wertvollen Spende zur Seite und tragen Sie zur medizinischen Versorgung Mitten in Äthiopiens Wüste bei. Vielen Dank!

      humedica e. V.
      Stichwort „Hungerhilfe Afrika“
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

     
     
     
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