Aus dem Herzen Afrikas

Im Gespräch mit Konsulin Liliane Balle

von Lina Koch, Simone Winneg, 10.08.2013

Der Sturz der Regierung in der zentralafrikanischen Republik geschah abseits der Weltöffentlichkeit. Das Land im Herzen Afrikas befindet sich gegenwärtig an der politischen Stunde Null – wieder einmal. Frau Liliane Balle, in Benin stationierte Honorarkonsulin der Zentralafrikanischen Republik, spricht mit uns über die humanitäre Situation vor Ort.

Frau Balle, bevor wir auf die Situation in ihrem Land zu sprechen kommen: Können Sie uns als Außenstehende kurz das Aufgabenfeld einer Honorarkonsulin erklären?

Gerne. Als Honorarkonsulin beschäftigt man sich im Allgemeinen damit, die Interessen seines Landes in dem Land zu repräsentieren, in dem man wohnt. Auf meine Situation bezogen bedeutet das Folgendes:

Haben in Benin wohnende Menschen aus der Zentralafrikanischen Republik Probleme, bin ich da, um ihnen beizustehen und zu helfen. Ich komme zu ihnen und gemeinsam versuchen wir eine Lösung zu finden. Egal welche Probleme sie haben – ich bin für sie da.

In den vergangen Monaten gab es in der Zentralafrikanischen Republik große Veränderungen. Wie gestaltet sich die momentane Situation im Land?

Im Augenblick ist die Lage sehr stabil. Doch es versteht sich von selbst, dass es nach großen Neuordnungen immer eine Weile dauert, bis alles wieder in geregelten Bahnen läuft.

Große Teile der Bevölkerung leiden jedoch nach wie vor unter großer Armut. Wie ist die humanitäre Situation? Wo bestehen Aufgabenfelder?

Den Menschen in meinem Land fehlt es weiterhin an Vielem. Sie leiden unter Hunger, schlechter sozialer Versorgung und mangelhafter Bildung. Aufgabenfelder erschließen sich also überall. Vor allem jedoch bei der medizinischen Versorgung und der Entwicklungszusammenarbeit sind wir dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Wir brauchen Menschen und Mittel, die uns helfen, den Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung zu beschreiten. Betrachten wir zum Beispiel den Bildungssektor. Die Mädchen gehen in der Zentralafrikanischen Republik zwar anfangs zur Schule, qualifizieren sich danach aber nicht mehr weiter.

Wie können wir sie diesbezüglich wieder aufnehmen? Wie können wir sie begleiten, dass auch sie ‚Frauen von morgen’ werden? Was nützt es, sie in der Mittellosigkeit zurück zu lassen? Der Bildungssektor ist also gerade für die Jugend besonders wichtig.

Wie könnte das Aufgabenfeld einer Hilfsorganisation wie humedica vor diesem Hintergrund aussehen?

Ich könnte mir Ihr Engagement besonders gut im Gesundheitssektor vorstellen. Der Bevölkerung fehlt es in diesem Punkt an fast allem. Wenn sie jedoch Zugang zu Medikamenten oder ärztlicher Behandlung hätten, würden sich ihre Lebensumstände deutlich verbessern. Die Bereitstellung spezieller Medikamente könnte vielen Menschen helfen, besser und länger zu leben.

Doch wir benötigen auch Unterstützung bei unserer Infrastruktur. Es existieren zwar einige Krankenhäuser, jedoch verfügen diese nur selten über ausreichend Material und entsprechende Ausstattung. Die Geburtskliniken brauchen Dinge wie Skalpelle und Verbandsmaterial.

Alles mögliche eben. Unsere Frauen müssen ihre Kinder ohne Hilfsmittel zur Welt bringen, was die Gefahr möglicher Infektionen drastisch erhöht. Wir versuchen zwar uns so gut wie möglich selbst zu helfen, doch wir brauchen nach wie vor Unterstützung von außen.

Was wünschen Sie sich persönlich für die Zukunft der Zentralafrikanischen Republik?

Für mein Land wünsche ich mir vollkommene politische und soziale Stabilität. Eine glückliche Bevölkerung, die nicht mehr von vermeidbaren Krankheiten gequält wird. Frieden für jeden meiner Landsleute.

Vielen Dank für die interessanten Einblicke in ihre Arbeit und ihr Land. Wir wünschen Ihnen alles Gute und Gottes Segen.

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