Stell dir vor, es ist Weltwassertag und Millionen haben Durst

von Timo Seidl, 21.03.2013

Es gibt in Deutschland die recht merkwürdige Angewohnheit, von schlechtem Wetter zu sprechen und damit regnerisches zu meinen. Regen, das ist in unseren Breitengraden meist der miesepetrige Störenfried der allsommerlichen Badesaison, der Zahnarztbesuch unter den Wetterlagen; notwendig und ja auch irgendwo sinnvoll, aber alles andere als ein Vergnügen. Doch eine solche Haltung ist nicht nur undankbar, sie ist geradezu zynisch.

Denn während Wassermangel in den Ländern des globalen Nordens eine Seltenheit, Wasser im Überfluss dagegen eine Selbstverständlichkeit ist, gilt für den Großteil der Menschheit das genaue Gegenteil. 85 Prozent der Weltbevölkerung leben in der trockensten Hälfte der Erde, wo das blaue Nass ebenso wertvoll wie knapp ist. Für viele zu knapp.

In Zeiten von Whirlpool und Wellnessbad haben laut Angaben der Vereinten Nationen noch immer knapp 800 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und über 2,5 Milliarden leben ohne angemessene Sanitäreinrichtungen. Jedes Jahr sterben dadurch bis zu drei Millionen Menschen an den Folgen von verunreinigtem Wasser, über 8.000 am Tag.

Das Problem wirkt gewaltig, resignieren muss und darf man trotzdem nicht. Wie viel man schon mit einfachen Mitteln bewirken kann, zeigt ein humedica-Projekt in Äthiopien. Dem dortigen Wassermangel, unter dem vor allem die ländliche Bevölkerung zu leiden hat, wird durch den Bau einfacher Pumpsysteme entgegengetreten.

Durch die Aushebung von Brunnenschächten und die Installation simpler Handpumpen können die Menschen das in gut 20 Meter Tiefe fließende Grundwasser vergleichsweise bequem an die Oberfläche befördern. Rund 1.500 Euro kostet ein Brunnen. Jeder einzelne verbessert die Wasserversorgung und Hygiene von bis zu 1.000 Personen und vielleicht noch wichtiger: Die Kinder haben endlich Zeit, in die Schule zu gehen anstatt stundenlange Fußmärsche für ein paar Liter Wasser auf sich nehmen zu müssen.

Doch Wasserknappheit ist nur die eine Seite des Problems. Häufig nämlich werden dieselben Länder, die sonst unter enormer Trockenheit zu leiden haben, von schwersten Überschwemmungen heimgesucht. Was auf den ersten Blick ein wenig widersprüchlich anmutet, hat einen tragischen (Hinter-)Grund: Die von monatelanger Hitze ausgetrockneten Böden können die großen Wassermengen, die innerhalb von wenigen Tagen niedergehen, schlicht nicht aufnehmen.

Die Folge sind geflutete Felder und überschwemmte Dörfer, verlorene Ernten und zerstörte Existenzen. Doch damit nicht genug: Cholera und andere Durchfallerkrankungen folgen den Überschwemmungen meist auf dem Fuß, sauberes Trinkwasser ist knapper denn je. Die Regierungen der betroffenen Staaten sind mit der Lage oft heillos überfordert; die Menschen weitestgehend auf sich allein gestellt.

Umso wichtiger ist – gerade im Chaos der ersten Tage und Wochen – die Hilfe von außen. humedica war und ist es dabei stets ein besonderes Anliegen, von Katastrophen betroffene Menschen mit medizinischer Versorgung und Hilfsgütern zu unterstützen und der allgegenwärtigen Verzweiflung mit Nächstenliebe zu begegnen.

Gut ausgebildet und ausgerüstet konnten humedica-Einsatzteams so in den vergangenen Jahren Flutopfern unter anderem in Pakistan, Namibia, dem Benin, Mosambik, Malawi, Niger und Albanien in größter Not zur Seite stehen.

Wasser ist doppelgesichtig, ist todbringende Flut und lebenspendendes Nass, Fluch und Segen zugleich. In jedem Fall aber bestimmt es das Schicksal der Menschheit wie kein anderes Molekül. Seit 20 Jahren findet aus diesem Grund am 22. März der Weltwassertag statt. Grund zu feiern gibt es allerdings auch in diesem Jahr wenig; allenfalls Anlass, kurz innezuhalten, wenn wir das nächste Mal über schlechtes Wetter schimpfen.

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