Medizinisches Team nimmt Arbeit im Flüchtlingslager Bubukwanga auf

von Alexandra Vlantos/LKO, 07.09.2013

Die Geschichte der Demokratischen Republik Kongo scheint sich zu wiederholen: Immer wieder Gewalt und Angst. Immer wieder Flucht. Bereits in den vergangen Jahren leistete humedica wertvolle medizinische Versorgung für die ins Nachbarland Uganda geflüchteten Menschen.

Nun sind die Helfer erneut vor Ort, um den Flüchtlingen eines Transitlagers im Westen des Landes beizustehen. humedica-Koordinatorin Alexandra Vlantos berichtet:

„Wenn man in Deutschland vor dem Fernseher sitzt, hält man selten inne, wenn über den Konflikt in der Demokratischen Republik Kongo berichtet wird. Der schwarze Kontinent ist geprägt von wiederkehrenden Auseinandersetzungen. Irgendwie hat man sich daran gewöhnt. Große und aktuelle Krisen wie die in Syrien übertrumpfen die afrikanische never ending story zusätzlich.

Als eine Rebellengruppe im Juli den Distrikt Kamango im Osten der Demokratischen Republik Kongo angreift, und 66.000 Menschen zur Flucht in das benachbarte Uganda zwingt, wird in den großen deutschen Medien nicht einmal davon berichtet.

Wie oft diese Menschen tatsächlich schon ihre Lebensgrundlage verloren haben, wie oft ganze Familien ihr Hab und Gut zusammengepackt und sich ein neues Leben fern ihrer ursprünglichen Heimat aufgebaut haben, kann keiner sagen. Eines ist jedoch sicher, wenn man in das Flüchtlingslager Bubukwanga kommt: Egal, wie oft man schon fliehen musste, an eine solche Notsituation gewöhnt man sich nicht. Wir nicht - und auch die Menschen hier nicht.

Insgesamt 22.000 Menschen sind nun in dem Auffanglager Bubukwanga untergebracht. Auf den ersten Blick wirkt es klein und geordnet. Sieht man jedoch in die einzelnen Unterkünfte hinein, erkennt man, wie eng es in Wirklichkeit ist. Bis zu 120 Menschen teilen sich ein Großraumzelt.

Provisorisch wurden mit Decken kleine Abteile voneinander abgegrenzt, um den Familien ein Mindestmaß an Privatsphäre zu geben. Intimität die notwendig ist, wenn das Trauma der Flucht verarbeitet werden muss. Dicht an dicht liegen sie nachts beieinander.

„Es ist erstaunlich ruhig im Camp“, findet humedica-Krankenpfleger Siegmar, als wir zum ersten Mal gemeinsam durch das Lager gehen. Flucht und Vertreibung verarbeiten die Menschen hier nicht durch Hysterie, sondern durch Lethargie.

Vor kurzem hat das humedica-Team seine Arbeit im Lager aufgenommen. Durch die großzügige Unterstützung des Auswärtigen Amts der Bundesrepublik Deutschland und in Zusammenarbeit mit unserem Partner Medical Teams International, können hier täglich bis zu 500 Patienten behandelt werden. Es geht ruhig und geordnet zu – fast normal. Doch die friedliche Ruhe vermittelt ein falsches Bild.

Auf der Kinderstation einer nahegelegenen Klinik begeht humedica-Ärztin Laura gerade Visite. Malaria ist in Uganda endemisch. Die Kinder sind unterernährt und schwach. Das macht sie anfällig für Krankheiten.

„Es ist oft die Kombination, die es schwierig macht. Malaria und Unterernährung zum Beispiel. Gerade habe ich eine Patientin behandelt, die an Tuberkulose und HIV erkrankt ist. Diese Patienten brauchen besondere Aufmerksamkeit“, erklärt Laura. Die fünfzig Betten der Station sind fast durchgehend belegt.

In einem der Behandlungsräume des Krankenhauses treffe ich Krankenpfleger Mike. Er sitzt einer Patientin Namens Emaculate gegenüber. Sie klagt über Ohrenweh, Tinitus, Kopfschmerzen. Die meisten Patienten bringen ein Behandlungsbuch mit - ihre Krankengeschichte wird damit nachvollziehbar. Es ist ein Schulheft, in dem jeder Arztbesuch dokumentiert wird.

„Die Frau hat im Kongo schon alle Antibiotika bekommen, die man sich vorstellen kann. Nichts hat geholfen“, sagt Mike. „Noch nie hat sich jemand die Mühe gemacht, ihre Ohren zu spülen. Dafür braucht man eben Zeit.“ Diese Zeit nimmt sich Mike. Und er nimmt sich auch die Zeit, dieser Frau zuzuhören. Um den Menschen in ihrer Situation zu helfen, ist die Behandlung der Symptome nicht ausreichend.

Wie die anderen kongolesischen Flüchtlinge wird auch Emaculate in den nächsten Wochen von der ugandischen Regierung vom Transitlager Bubukwanga in eine permanente Siedlung gebracht. Auch sie wird sich hier wieder ein neues Leben aufbauen, wieder von vorne anfangen. Unvorstellbar, wie sie nach ihren Erlebnissen die Kraft dafür aufbringt. Sie ist 79 Jahre alt.

Doch trotz der Umsiedlung werden die Zelte nicht leerer. 300 bis 400 Menschen überqueren täglich die kongloesisch-ugandische Grenze und werden im Flüchtlingslager Bubukwanga aufgenommen. Bis zu 90 Kilometern legen sie bis zur Grenze zurück. Weitere 30 bis zum Lager. Mit Matratzen bepackt sieht man sie am Wegesrand entlang laufen.

Die Rebellen haben sich zwar zurückgezogen, ziehen im benachbarten Kongo jedoch nach wie vor durch die Dörfer, um Nachwuchs für weitere Kämpfe zu rekrutieren. Da diese „Rekrutierung“ meist mit der Androhung des Todes einhergeht, müssen die Menschen fliehen.

humedica-Ärztin Laura kommt aus der Station zurück. Sie sieht müde aus, erklärt jedoch mit einem Lächeln: „Es ist erstaunlich, wie schnell diese Kinder wieder lachen können.“ Das gibt uns Hoffnung. Hoffnung, dass es im Camp bald ein bisschen „lauter“ wird. Hoffnung, dass diese Menschen zum letzten Mal ihre Sachen packen mussten, um ein neues Leben zu beginnen.“

Bitte unterstützen Sie unsere Ärzteteams in Uganda mit einer konkreten Spende und schenken Sie den Kindern wieder einen Grund zum Lächeln. Einen Grund zur Hoffnung. Vielen Dank!

      humedica e. V.
      Stichwort „Flüchtlinge Uganda"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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