Taten als Zeichen der Nächstenliebe

von Nina Skandalaki, Ruth Bücker, 17.04.2013

In der Demokratischen Republik Kongo bedeuten die Folgen des seit 2003 offiziell zwar beendeten, aber dennoch weiter schwelenden Bürgerkriegs mit mehr als zwei Millionen Binnenvertriebenen und hunderttausenden Rückkehrern eine der schlimmsten humanitären Krisen unserer Zeit.

Der im April vergangenen Jahres neu entfachte bewaffnete Konflikt zwischen Regierungstruppen und Milizen der politisch-militärischen Rebellengruppe M23 trieb erneut hunderttausende von Menschen in die Flucht, die unter anderem auch im Nachbarland Uganda Schutz suchten.

Insgesamt überquerten im Jahr 2012 mehr als 55.000 neue Flüchtlinge die Grenze zu Uganda – die Mehrheit von ihnen über die Städte Kisoro und Kanungu, wo sie zunächst in Transitlagern aufgenommen und anschließend in permanente Camps umgesiedelt wurden. Im Juni 2012 wurde das Transitlager Nyakabande, das für 1.000 Menschen ausgelegt war, zeitweise mit bis zu 9.000 Menschen überfüllt. 7.000 von ihnen kamen laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) in einer einzigen Nacht an.

Aufgrund der Überfüllung des Lagers mangels Personal und Verbrauchsmaterialien sowie wegen des schlechten Gesundheitszustandes der Neuankömmlinge, bat das Ugandische Rote Kreuz das benachbarte Hospital St. Francis – eine langjährige Partnerorganisation von humedica – offiziell um Hilfe. In die Zentrale von humedica weitergeleitet, wurden diverse Hilfsmaßnahmen geplant und zu Gunsten tausender, unverschuldet in Not geratener Menschen, umgesetzt.

Medizinische Hilfe

Am 12. Juli 2012 startete humedica die dringend benötigten Hilfsmaßnahmen für die Flüchtlinge in dem Auffanglager Nyakabande. Während zu Beginn ein Koordinatorenteam gemeinsam mit lokalen Angestellten des St. Francis Hospitals die medizinische Versorgung der lagereigenen Gesundheitsstation übernahm, folgten nach wenigen Tagen ehrenamtliche Einsatzkräfte aus Deutschland.

Bis Ende Dezember waren insgesamt sieben deutsche und internationale Ärzteteams mit insgesamt 14 ehrenamtlichen medizinischen Einsatzkräften von humedica in Uganda tätig und führten fast durchgehend Basisgesundheitsversorgung durch.

Zunächst in Nyakabande und auf Gesuch von UNHCR und lokalen Behörden später in einer kleinen Gesundheitsstation der Grenzstadt Bunagana, unmittelbar an der Grenze zwischen der DR Kongo und Uganda und zweigeteilt zwischen den zwei Ländern. Vereinzelt wurde lokales Personal auf Tageslohnbasis beschäftigt.

Die kleine Behandlungsstation wurde aufgrund ihrer Lage hauptsächlich von nicht registrierten Flüchtlingen aufgesucht und war nach der Schwangerschaft der Leiterin mit nur einer lokalen Krankenschwester und einer Helferin nicht mehr autark handlungsfähig. Mit Personal, Medikamenten und medizinischen Verbrauchsmaterialien unterstützte humedica das verbliebene Personal.

An den Wochentagen wurden die Behandlungen ganztägig angeboten, samstags konnten die Patienten jeweils vormittags Hilfe erhalten. Insgesamt versorgten die humedica-Teams auf diesem Weg 7.298 Patienten in den zwei Gesundheitsstationen an der Grenze und im Flüchtlingslager selbst.

Medizinische Schulungen für Ortskräfte

Um lokale Kräfte in den Bereichen Hygiene und Sanitätsmaßnahmen zu schulen, initiierte humedica vier Trainings und führte diese gemeinsam mit erfahrenem Personal des St. Francis Hospitals durch. Das Training richtete sich an Helfer des Ugandischen Roten Kreuzes, die in dem Lager Nyakabande mit Flüchtlingen im Bereich Hygiene und Krankheitsaufklärung arbeiteten.

Insgesamt nahmen an den Fortbildungen im August und Dezember des vergangenen Jahres 55 Freiwillige teil. Die inhaltlichen Schwerpunkte der ersten zwei Workshops lagen auf den Themen Hygiene und Sanitätsmaßnahmen, psychologische Beratung und Traumabewältigung. Die späteren Schulungen wurden um die Themen HIV/Aids und weitere sexuell übertragbare Krankheiten, Familienplanung, sexuelle Gewalt und erste Hilfe erweitert.

Neben dem Lohn für die Trainer ist es in Uganda üblich, Sorge zu tragen für Transport und Mittagessen der Trainingsteilnehmer, und so konnte humedica neben der Weitergabe der Fachkenntnisse für alle Teilnehmer ein Mittagessen organisieren.

Verteilung von Hilfsgütern in Nyakabande

Neben der medizinischen Versorgung und Weiterbildung sah humedica einen großen Bedarf in der Verteilung bestimmter Hilfsgüter, die im Alltag der Flüchtlinge noch fehlten. Die Zusammensetzung der Hilfsgüter, die humedica lokal einkaufte und die unter den Flüchtlingen in dem Transitlager verteilt wurden, erfolgte in Absprache mit UNHCR und dem Ugandischen Roten Kreuz.

humedica beschaffte 12.000 Decken und 2.000 Eimer mit je einem Fassungsvermögen von 20 Litern. Für die Verteilungen in dem Lager, die etappenweise durchgeführt wurden, waren das Ugandische Rote Kreuz und Vertreter von UNHCR verantwortlich. Je nach Familiengröße erhielten die Begünstigten eine entsprechende Deckenanzahl. Darüber hinaus konnte humedica das Partnerkrankenhaus mit Decken versorgen und 30 lokale Sicherheitskräfte mit dem wärmenden Gut unterstützen.

Die Verteilung der Eimer erfolgte pro Gemeinschaftszelt. In den ersten Monaten der Hilfsmaßnahmen waren dies noch mittelgroße Zelte, die zwischen 15 und 18 Menschen beherbergten. Pro Zelt wurden ein bis zwei Eimer verteilt. Aus wetterbedingten Gründen und weil die Flüchtlinge diese Zelte oft abbauten und die Materialien mitnahmen, wurden sie bald durch erheblich größere Gemeinschaftszelte ersetzt.

Getrennt nach Männern, Frauen und Kindern konnten diese Quartiere jeweils mehrere hundert Menschen aufnehmen und pro Zelt wurden bis zu 20 Eimer ausgegeben, die als Gemeinschaftsgut genutzt werden konnten. Eine Maßnahme, die zwar nicht lebensrettend, aber doch entscheiden zu einer Verbesserung der Lebensumstände beitragen konnte.

Einer unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter, Dr. Léon Gallez, beschrieb seine Erfahrungen in Uganda unter anderem so, dass der Sommer in Trauer zu sein scheint. In Trauer wegen des launischen und unsichtbaren Ungeheuers namens Krieg, das den Menschen Not bringt.

Mit den Hilfsmaßnahmen konnte humedica einen großen Part dazu beitragen, zumindest zeitweise und für einen Teil der Betroffenen das Elend zu lindern und ihnen in ihrem neuen Alltag, dem sie sich nach ihrer Flucht stellen mussten, zur Seite zu stehen. Vielen Dank, dass Sie das mit Ihrer Spende ermöglicht haben.

Vielen Dank!
Neben Ihrer Spende konnten wir die genannten Maßnahmen dank der Unterstützung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland durchführen. Ein großer Dank gilt darüber hinaus dem St. Francis Hospital, UNHCR und unseren Partnerorganisationen Medical Teams International (MTI) und dem Ugandischen Roten Kreuz.

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